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30.05.2012

18:02 Uhr

Was vom Tage bleibt

Bleibende Werte in der Dauerkrise

VonFlorian Kolf

Die spanische Misere verdirbt den Italienern die Geldaufnahme, deutsche Firmen kümmert die Euro-Krise herzlich wenig und der neue Apple-Chef setzt auf alte Rezepte. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Abwarten und Tee trinken

Und täglich grüßt das Murmeltier: Es vergeht zurzeit kaum ein Tag ohne neue Hiobsbotschaften aus Spanien. Die EU findet in ihrem heute veröffentlichten Länderbericht zur Spar- und Reformpolitik der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone klare Worte: Die Pläne der Regierung seien "nicht ehrgeizig genug". Und was schlägt die Kommission als Maßnahme vor? Sie empfiehlt, die Frist, bis zu der Madrid die Sparziele erreichen muss, einfach mal wieder um ein Jahr bis 2014 zu verlängern. Das offenbart die ganze Hilflosigkeit.

Sippenhaft für Italien

In dem Klima hatte Italien wohl keine echte Chance: Das Land hat fünf- und zehnjährige Anleihen im Volumen von 5,73 Milliarden Euro verkauft und musste den Anlegern dafür höheren Zinsen zahlen als zuletzt. Die Renditen zehnjähriger italienischer Anleihen stiegen auf ein Tageshoch von 6,155 Prozent. Wirklich dramatisch ist das noch nicht. Zum Vergleich: Ihre spanischen Pendants rentierten in der Spitze sogar bei 6,686 Prozent. Trotzdem hat es die Märkte stark verunsichert: Der Dax gab deutlich nach und der Euro fiel auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren.

Unverwüstlicher Optimismus

Die deutschen Firmen kümmert das wenig. Sie schauen trotz der verschärften Schuldenkrise zuversichtlich nach vorne und setzen auf das Auslandsgeschäft. „Der Ausblick der Unternehmen auf die kommenden Monate ist spürbar optimistischer“, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) heute zu seiner Umfrage unter gut 25 000 Firmen - und erhöhte deshalb seine Wachstumsprognose für die Wirtschaft 2012
auf 1,3 von ein Prozent. Die Firmen hoffen tapfer auf gute Geschäfte in Asien und den USA. Was bleibt ihnen auch anderes übrig?

Die Grenzen der Fantasie

Apple-Chef Tim Cook wandelt auf den Spuren seines legendären Vorgängers: Ähnlich wie Steve Jobs übt er sich in der Kunst der wirkungsvollen Andeutung. Vage schwadroniert er über die Möglichkeit eines Apple-TV, über eine Annäherung an Facebook und über Details zu weiteren neuen Produkten. Jeder andere Firmenchef würde für solche wolkigen Sprüche abgewatscht, doch bei Apple ist das Gegenteil der Fall: Der Konzern hat seine Kunden und Anleger darauf konditioniert, dass gezielt gestreute Gerüchte ihre Fantasie anregen. Doch das funktioniert nur so lange, wie auch anschließend auch die Ergebnisse stimmen. Und Konkurrenten wie Samsung rücken immer näher heran.

Was fehlt? Die Versteigerung eines seltenen rosa Diamanten in Hongkong hat alle Erwartungen übertroffen. Die Auktion des „Pink Martian“ hat umgerechnet 14 Millionen Euro eingebracht - und damit mehr als das Doppelte seines Schätzwerts. Gerade in unsicheren Zeiten sind offenbar bleibende Werte gefragt.

Ich wünsche Ihnen einen optimistisch gestimmten Start in den Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.05.2012, 21:14 Uhr

Der Marktbericht klingt mal wieder nach Weltuntergang: nichts was mal was wert war, ist noch was wert! Ewiger Konsumverzicht auf allen Kontinenten! Ach ja, und zwischenzeitlich überdenken alle noch mal das monetäre System ... :)

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