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30.10.2012

17:31 Uhr

Was vom Tage bleibt

Bochumer Bürger sponsern Peer Steinbrück

VonFlorian Kolf

Warum Stadtwerke sich teure Redner leisten, Telekomanbieter ihre Kunden ausspionieren, George Soros besser geschwiegen hätte und Piratinnen blank ziehen wollten. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Spendable Stadtwerke

Jetzt regen sich wieder alle auf über die hochdotierten Vorträge, die SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in den vergangenen drei Jahren gehalten hat - und übersehen dabei den eigentlichen Skandal. Wer hat mit 25.000 Euro das höchste Honorar gezahlt? Die Stadtwerke Bochum, die immerhin ja im Eigentum der Stadt Bochum stehen. Was sagen dazu eigentlich die Bürger der hochverschuldeten Kommune, die seit Jahren unter Nothaushalten und Haushaltssperren leiden müssen? 25.000 Euro weniger Gewinnüberweisung von den Stadtwerken könnte man bei einer Verschuldung von 1,4 Milliarden Euro als Peanuts bezeichnen. Man könnte es aber auch unverantwortlichen Umgang mit öffentlichen Geldern nennen. Ich tendiere zu letzterem.

Neugieriger Telekomkonzern

Der spanische Telekomriese Telefonica hat seine deutsche Tochter O2 an die Börse gebracht und dabei 1,45 Milliarden Euro erlöst. Immerhin ist das größte Börsengang in Deutschland seit fünf Jahren. Und die Aktie stieg auch noch am ersten Handelstag von 5,60 auf 5,84 Euro. Doch auch dieses frische Kapital scheint der hochverschuldeten spanischen Mutter nicht zu reichen. So sickerte ausgerechnet am Tag des Börsengangs durch, dass sie künftig Daten ihrer Kundenhandynutzer verkaufen will um an Geld zu kommen. Der Datenschutz bleibe gewahrt, versichert das Unternehmen. Kunden sollten trotzdem alarmiert sein.

Wer ist der Super-Banker?

Es ist eine interessante Parallele: Die neuen Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen ziehen ihr Umbauprogramm für das Institut durch, verkleinern das Investmentbanking und machen trotzdem noch Gewinn. UBS-Chairman Axel Weber, der eigentlich mal Deutsche-Bank-Chef werden sollte, macht das gleiche bei seiner Bank - nur sehr viel radikaler und schreibt dabei rote Zahlen. Doch man sollte sich hüten, daraus vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Zum einen sind die beiden Banken nur bedingt vergleichbar. Und zum anderen dürfte das Geschäft im Investmentbanking sich weiter abschwächen. Und dann könnte Weber doch recht behalten.

Reden ist Silber

George Soros ist ein viel bewunderter Investor, der mit seinen Anlagen Milliarden gemacht gemacht hat. Deswegen hat seine Stimme an den Märkten Gewicht. Aber deswegen ist er noch lange nicht unfehlbar. Zu Jahresbeginn hatte er vorhergesagt, dass der Euro die nächsten drei Monate nicht überleben werde. Dann hat er kleinlaut eingeräumt, dass er das ja gar nicht so gemeint hatte. Nun fordert er, Deutschland solle aus dem Euro austreten, um die anderen Partner vor der deutschen Dominanz zu schützen. Außerdem rät er zu mehr Inflation. Vielleicht sollte Soros sich lieber wieder auf das konzentrieren, was er meisterlich kann: In aller Stille Geld anlegen.

Was fehlt? Politikerinnen der Piratenpartei haben Journalisten in Berlin zum Brandenburger Tor gelockt, mit der Ankündigung, sich "oben ohne" zu präsentieren. Doch vor Ort erwarteten die Medienvertreter statt blanker Brüste nur hungerstreikende Flüchtlinge. Was lernen wir daraus? Sex verkauft sich immer noch besser als Asylprotest. Ein trauriges Urteil über den Zustand unserer angeblich so aufgeklärten Gesellschaft.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Feierabend.

Florian Kolf

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Kommentare (3)

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John

30.10.2012, 22:13 Uhr

Zu Peer Steinbrück
Wer ist politisch am Ruder in Bochum?
Und warum lehnt Peer Steinbrück solche Gagen und Aufträge nicht schon aus Ehre und Verständnis für öffentliche Finanzen ab?

fregger

31.10.2012, 11:27 Uhr

Unter Volksvertreter stelle ich mir was anderes vor.Man stelle sich vor sowas würden die "Schwarten" machen.Untersuchungsausschuss uns selbstgerechtes Geplärr
des Herrn Opperman.

BrigeStone-Beer-zum-Fruehstueck

31.10.2012, 20:08 Uhr

WEM WOLTE ER GESTERN EINEN STEIN/BUMERANG AN DEN KOPF WERFEN? In den politischen Kriesen aus denen er kommt ist das wohl so USUS.

http://www.sueddeutsche.de/politik/bildstrecke-joschka-f-vom-steinewerfer-zum-villenbesitzer-1.301262

STEINEWERFER

~~~

Von wegen MIR sand FREIDlich ...

Es werde nach einer „Möglichkeit“ gesucht, „mir einen Stein an den Kopf zu werfen“ ...

„Ich hab es einfach verschwitzt“: SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück meldete zwei seiner Vorträge nicht an - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-27907/ich-hab-es-einfach-verschwitzt-spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-meldete-zwei-seiner-vortraege-nicht-an_aid_849240.html

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