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02.01.2014

18:58 Uhr

Was vom Tage bleibt

Clou auf Italienisch

VonStefan Menzel

Fiat versucht die Befreiung, Warren Buffett verbucht die erste Niederlage. Die Zahl der Selbstanzeigen beim Finanzamt nimmt zu, ein Ex-Minister geht zur Bahn und der Bayern-Trainer verdient bestens. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Beweislast

Es klingt wie die eierlegende Wollmilchsau. Fiat übernimmt den amerikanischen Konkurrenten Chrysler komplett, um sich im gleichen Atemzug von der US-Konzerntochter retten zu lassen. Fiat-Chef Sergio Marchionne legt einen genialen Schachzug hin und sichert den Fortbestand des italienischen Autokonzerns. Doch ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht. Im Moment mag diese Rechnung wohl noch aufgeben, weil es Chrysler derzeit vergleichsweise gut geht. Spannend wird das alles aber auf längere Sicht. Chrysler muss erst dauerhaft beweisen, dass das Unternehmen die Krise hinter sich gelassen hat. Gelingt das, wäre Fiat wirklich aus dem Schneider. Wenn nicht, ist der Katzenjammer in der Konzernzentrale von Turin groß.

Versagen an der Spitze

Warren Buffett muss sich keine Sorgen um seinen Bekanntheitsgrad machen. Natürlich ist der US-Milliardär in Finanz- und Anleger-kreisen gerade wegen seiner jahrzehntelangen Investmenterfolge fast so etwas wie ein Börsenguru. Doch jetzt hat es auch zum ersten Mal Buffett erwischt, der US-Aktienmarkt war besser als der allseits gefeierte Börsenstratege. Die Anleger rund um den Globus dürften jetzt so richtig aufatmen: Auch die Helden der Börse liegen schon einmal daneben. Dann kann die eigene Anlagestrategie so falsch nicht sein.

Endlich Gerechtigkeit

Steuern sollen gerecht sein. Darüber herrscht eigentlich Einigkeit. Ein vermeintlich gerechtes Steuersystem kann aber nur dann funktionieren, wenn es keine Schlupflöcher gibt. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Selbstanzeigen von Steuersündern dramatisch noch oben gegangen. Der Grund? Weltweit sprechen sich die Regierungen immer besser ab, um die letzten Steuerlöcher zu stopfen. Die Zahl der Steuerparadiese nimmt ab, die Flucht vor dem eigenen Fiskus ist eindeutig schwieriger geworden. Vielleicht wird das (deutsche) Steuersystem nun doch noch gerecht.

Armer Staat

In den deutschen Konzernen hat sich die Corporate Governance, die saubere und transparente Unternehmensführung, erstaunlicherweise recht ordentlich durchsetzen können. Dazu gehört beispielsweise eine ganz klare Trennung von Eigentümern und Konzernführung, was Interessenkonflikte von vornherein verhindern soll. Bei staatlichen und staatsnahen Firmen scheint sich dieses Wissen noch nicht endgültig durchgesetzt zu haben. Wie lässt sich sonst erklären, dass der frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla in den Vorstand der Deutschen Bahn wechselt? Eben noch am Kabinettstisch, wo über genau diesen staatlichen Konzern entschieden wird, und morgen dann im Vorstand der Bahn AG. Unsere Politiker brauchen ganz dringend Nachhilfe, und zwar in Corporate Governance.

Bloß kein Neid

Geld macht neidisch. Viel zu schnell kocht hierzulande die Neiddebatte hoch, wenn irgendjemand deutlich mehr als der Durchschnitt verdient. Jetzt ist herausgekommen, dass Bayern-Startrainer Pep Guardiola 17 Millionen Euro kassiert. Damit zahlt der Münchener Fußballklub in etwa das, was auch die Spitzenmanager in der ersten Liga der deutschen Dax-Konzerne verdienen. Ist das jetzt ein Grund, vor Neid lauthals aufzuschreien? Klares Nein. Der Fußball ist ein Milliardengeschäft geworden, das Abermillionen begeistert. Und damit sind Pep Guardiola und der FC Bayern reif für das Dax-Niveau.

Einen guten Start in das noch frische Jahr wünscht Ihnen

Stefan Menzel

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