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19.06.2013

18:24 Uhr

Was vom Tage bleibt

Commerzbank a.D.

VonOliver Stock

Jeder neunte soll gehen, aber keinem wird gekündigt: Die Commerzbank steht vor einem Kunststück. Obama hat Visionen und Bernanke dreht Abschiedsrunden. Der Tagesbericht

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die neuen Ruheständler

Die Commerzbank tut, was sie nicht lassen darf und streicht 5200 Stellen. Wir haben darüber bei Handelsblatt Online am Montag exklusiv berichtet, heute bestätigte die Bank ihre Pläne. Mehr als zehn Prozent der Belegschaft müssen in den nächsten drei Jahren gehen. Alles soll ohne betriebsbedingte Kündigungen passieren. Früher stammten die 50-jährigen Männer im Café, die sich dort ihre Ruhestands-Zeit vertrieben, aus den Kohlestollen der Bergbauindustrie. Heute kommen sie aus den Handelsräumen der Finanzdienstleister.

Spanier sparen

Betriebsbedingt nach Hause geht es für Mitarbeiter des österreichischen Baukonzerns Alpine. Er ist pleite und hat heute seinen Insolvenzantrag abgegeben. Dass nichts mehr richtig läuft bei dem zweitgrößten Bauunternehmen aus Österreich wissen wir seit Monaten. Im März hatten die spanischen Haupteigentümer jedoch noch Geld nachgeschossen. Dass sie jetzt nicht mehr zahlen wollen, spricht am Ende auch nicht für die Solidität der Spanier.

Obamas Welt

Panzerglas vor dem Redner, eine genau kontrollierte Masse von Zuschauern, der Vertreter eines Landes, das uns gerade mit seinen weltweiten Spionagetätigkeiten überrascht - das, was Obama umgibt, gehört auch zur Ausrüstung anderer Präsidenten, die in Deutschland weniger willkommen sind. Doch Obama spricht seine eigene Sprache. Er beschwört eine Welt mit weniger Waffen, mit weniger Krankheiten, mit mehr Gerechtigkeit. Seine Sätze malen eine Vision - was uns Deutschen natürlich grundsätzlich verdächtig ist. Wir zweifeln an ihrer Machbarkeit. Sollten wir, so fragt unser Handelsblatt-Korrespondent vor dem Brandenburger Tor, Markus Ziener „deshalb weniger glücklich sein mit diesem Präsidenten?“ Kaum. Denn es ist noch immer besser, wenn ein Präsident vielleicht illusionäre Friedensziele hat, als wenn er leichtfertig Kriege führt.

Genossen, kämpft!

In der SPD werden in diesen Tagen viele ans Jahr 2005 denken. Damals hatte Kanzler Schröder eine überraschende Neuwahl herbeigeführt - und zwar aus der Position des Unterlegenen: SPD deutlich unter 30 Prozent, CDU deutlich über 40 lautete die Ausgangsposition. Am Wahlabend lagen beide Parteien dann keinen Prozentpunkt mehr auseinander. Die Genossen hatten eine fulminante Aufholjagd gestartet, und es gab eine große Koalition. Heute, 100 Tage vor der Wahl liegt die Union ähnlich weit vorn, die Sozialdemokraten landen bei 22 Prozent. Das ist bitter. Aber eben nicht aussichtslos.

Bens Vermächtnis

Heute Abend tritt er wieder auf: Ben Bernanke, Noch-Chef der amerikanischen Zentralbank. Dass er die Gelddruckpresse anhält - damit rechnet kaum einer. Monat für Monat pumpt die Zentralbank Geld in den Markt. Der Leitzins liegt nahe Null. Ob Bernanke die Abkehr von dieser Politik, die schon sein Vorgänger einführte, noch als Bankpräsident erlebt? Er selbst mag es sich wünschen, doch sein Vertrag läuft im Januar aus. Als sparsamer Hans wird er nicht in die Annalen eingehen, eher als Ben der Goldesel.

Einen goldgeränderten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

19.06.2013, 19:59 Uhr

"Panzerglas vor dem Redner, eine genau kontrollierte Masse von Zuschauern, der Vertreter eines Landes, das uns gerade mit seinen weltweiten Spionagetätigkeiten überrascht - das, was Obama umgibt,"

Nicht ganz vollstaendig. Mir fehlen hier unsere kuessenden und weinenden Politiker wie Merkel (kuessend) und Gauck (weinend). Die Masse war sicherlich kontrolliert, aber diese beiden Darsteller waren selbst ohne Kontrolle unbezahlbar - fuer das System USA.

halidu

19.06.2013, 20:09 Uhr

Titel die ich gerne mal lesen würde: "Oliver Stock a.D."

das wird garantiert zensiert

na_sowas

19.06.2013, 21:21 Uhr

Was gibt es gegen einen sozialverträglichen Stellenabbau einzuwenden, der nicht schlagartig MA gleich vollends ins soziale Aus schickt (mal sehn wie das in der Praxis tatsächlich aussehen wird)?
Was gibt es einzuwenden gegen ein Institut, dass seine Schulden bezahlt um wieder voll einsatzfähig zu werden?

Macht CoBa-Bashing eigtl Spaß oder muß man das inzwischen als Routine im Finanzalltag zur Kenntnis nehmen?

Ansonsten sei auf die bemerkenswerten Kulturwandel im Hause Plüsch und Plumms hingewiesen, die ja ganz famose Ergebnisse bislang zeigen und vmtl auch noch zeigen werden, sowie auf die ganz besonderen Leistungen in Sachen kreativ wirkender Kommunikationsleistungen anderer Institute.

Aber die dürften allerdings lediglich als Petitessen gesehen werden, was unzweifelhaft der Fall ist.

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