Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2012

17:47 Uhr

Was vom Tage bleibt

Darf man wieder auf gute Nachrichten hoffen?

VonFlorian Kolf

Der Talanx-Chef eifert Pinocchio nach, Portugal macht überraschende Fortschritte, die Deutsche Bank räumt auf und das Thüringer Landeskriminalamt sucht Klopapierdiebe. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Talanx-Chef macht den Pinocchio

Es ist praktisch ein doppelter Pinocchio: Erst kündigt Talanx-Chef Herbert Haas an, den Versicherer an die Börse zu bringen, nur um zehn Tage später alles wieder abzusagen. Keiner der angefragten Investoren sei bereit gewesen, einen vernünftigen Preis für die Aktie zu bezahlen, sagte Haas in der vergangenen Woche und ergänzte, eine Emission sei in den nächsten sechs Monaten nicht vorstellbar. Nun plötzlich geht es doch an die Börse, weil - halten Sie sich fest - das Interesse des Kapitalmarkts so hoch sei, wie das Unternehmen mitteilt. Das klingt so unprofessionell, dass man jedem Anleger nur raten kann, zunächst mal abzuwarten.

Portugal weckt Hoffnung

Man hatte es ja schon fast aufgegeben, in der Euro-Krise auf gute Nachrichten zu hoffen. Jede Fortschrittshoffnung wurde gleich wieder durch neue Hiobsbotschaften zunichte gemacht. Doch nun kommt doch zumindest so etwas wie Land in Sicht. Beispiel Portugal: Gestern schon konnte das Land Anleihen zu deutlich günstigeren Zinsen platzieren, heute teilt die Zentralbank mit, dass das Leistungsbilanzdefizit im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 76 Prozent gesunken ist. Auch das Sparprogramm ist offenbar auf einem guten Weg. Langsam ist mal wieder Zeit für Aufbruchsstimmung - trotz aller Probleme.

Deutsche Bank räumt auf

Aufbruchsstimmung herrscht auch bei der Deutschen Bank. Dort sieht es jetzt so aus, als ob die neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen eine Lösung für eine der größten Altlasten ihres Vorgängers gefunden haben. Wenn die Aufsicht zustimmt, verkauft die Bank ihre Tochter BHF an einen Finanzinvestor. Fast hatten sie die Hoffnung aufgegeben, seit vielen Jahren will die Deutsche Bank die BHF verkaufen. Da nehmen sie auch einen deutlichen Preisabschlag in Kauf. Nun suchen Fitschen und Jain noch einen neuen Claim für ihre Bank. Angesichts der Erfahrungen der Vergangenheit drängt sich da auf: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."

Der Preis der Gier

Um missbrauchtes Vertrauen und fehlende Kontrolle ging es im Prozess gegen den früheren Internetunternehmer Alexander Falk. Das Hamburger Landgericht hat ihn jetzt zu Schadensersatz in Höhe von 209 Millionen Euro verurteilt. Er hatte vor zwölf Jahren seine Firma Ision für genau diese Summe verkauft, zuvor aber die Umsätze manipuliert und damit den Wert der Anteile geschönt. Vier Jahre hat er dafür bereits in Haft gesessen. Es ist schon traurig, dass die Gier nach Geld so groß sein kann, dass man dafür den kompletten Absturz riskiert. Die 209 Millionen Euro zahlt der einstige Börsenstar heute auf jeden Fall nicht mehr aus der Portokasse.

Was fehlt? Dem Thüringer Landeskriminalamt ist wohl nichts peinlich. Mit Hilfe einer versteckten Kamera hat die Behördenleitung versucht, einen Klopapierdieb in der eigenen Behörde zu überführen. Das Ermittlungsverfahren musste jedoch nach einigen Monaten erfolglos wieder eingestellt werden. Der Täter hatte offenbar den Braten gerochen.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Feierabend,

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×