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20.05.2015

19:19 Uhr

Was vom Tage bleibt

Das größere Griechenland

VonStefan Menzel

Die Ukraine braucht extrem viel Geld, Karstadt will mit Kaufhof fusionieren. Der GDL-Streik ist angelaufen, die Autobranche erlebt einen Mega-Rückruf und Hartmut Mehdorn geht. Der Tagesrückblick für Mittwoch.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Sehr viel Geld

Die ganze Welt redet nur über Griechenland. Braucht Athen ein drittes Hilfspaket? Doch wer nur auf die Griechen achtet, der übersieht ein viel größeres Milliardenproblem. In der Ukraine hat der Krieg die Wirtschaft zum Stillstand gebracht. Der Finanzbedarf der Ukraine wird den der Griechen um ein Mehrfaches übersteigen. Kiew dürfte deutlich mehr als 100 Milliarden Euro in den kommenden Jahren brauchen. Da der Westen den Russen nicht das Feld überlassen will, sind die gewaltigen Milliardenzahlungen an die Ukraine gesetzt. Der Fall Griechenland ist insofern also nur eine erste Trainingseinheit.

Großer Wandel

Der Einzelhandel in Deutschland steht vor einem grundlegenden Wandel. Karstadt-Eigner René Benko versucht einen neuen Anlauf zur Fusion mit Kaufhof. Eine völlig richtige Entscheidung. Das klassische Kaufhaus in der deutschen Fußgängerzone hat gewaltig an Bedeutung verloren. Karstadt und Kaufhof müssen Kunden an die Einkaufszentren an der Peripherie der Städte ziehen lassen und natürlich auch an den Online-Handel. Nach einer Fusion werden Karstadt und Kaufhof etliche Doppelstandorte aufgeben – in vielen Städten ist ein Kaufhaus wirklich genug.

Es geht auch ohne Zug

Der erste Tag des neuen Bahn-Streiks liegt hinter uns. Und die Bilanz? Natürlich ist es irgendwie auch wieder ohne GDL-Lokomotivführer gegangen. Verzichtbare Reisen werden aufgeschoben, zur Not kann der Nachbar noch jemanden im Auto mitnehmen oder das Fahrrad wird wieder ausgepackt. Unendlich lange wird auch dieser Streik nicht dauern, Deutsche Bahn und GDL verhandeln inzwischen wieder. Vielleicht gibt es sogar schon recht bald eine Einigung – viel früher, als so mancher erwartet. Meine Wette: Die Einigung kommt noch vor dem Pfingstwochenende. Denn wollen die Lokführer wirklich auf die schönen Feiertagszuschläge verzichten?

Große Schmerzen

Ein Rückruf von 34 Millionen Autos – das hat es nun wirklich noch nicht gegeben. Es ist eine riesige Blamage für die gesamte Automobilbranche, allen voran natürlich für den japanischen Zulieferer Takata. Hätten die Japaner einwandfreie Airbags geliefert, wäre es nicht zu diesem dramatischen Rückruf gekommen. So mancher Autohersteller wird sich jetzt sehr genau überlegen, ob er noch mit Takata zusammenarbeiten will. Wer auf die Japaner nicht ganz verzichten kann, wird sich jetzt zumindest einen zweiten Zulieferer zulegen. Denn: Verlasse dich niemals wieder nur auf einen einzigen Lieferanten!

Auf Wiedersehen!

An diesem Tag heißt es Abschied nehmen von einer Person, die über Jahrzehnte die deutsche Wirtschaft entscheidend geprägt hat. Hartmut Mehdorn hört auf. Aus gesundheitlichen Gründen verzichtet er auf alle öffentlichen Ämter – wie etwa auf das Aufsichtsratsmandat beim Software-Konzern SAP. Zuletzt hat der 72-Jährige als Chef des geplanten Berliner Großflughafens überwiegend negative Schlagzeilen sammeln dürfen. Allerdings zu Unrecht: Beim BER war er nur für kurze Zeit, die entscheidenden Fehler haben seine Vorgänger zu verantworten. Wirklich messen lassen sich Mehdorns Leistungen als langjähriger Chef der Deutschen Bahn und etwa auch bei Air Berlin. Nicht jedem wird gefallen, was Mehdorn dort erreicht hat. Doch unter dem Strich ist die Bilanz positiv. Und das ist alles, was zählt.

Genießen Sie den Feierabend – es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

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