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08.07.2015

19:35 Uhr

Was vom Tage bleibt

Das große Finale

VonStefan Menzel

Die Entscheidung über Griechenland fällt bis Sonntag, in China krachen die Börsen. Chinesen kaufen eine deutsche Bank, Microsoft greift daneben und Bernd Lucke verlässt die AfD. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Uhr tickt

Die Euro-Zone hat Griechenland ein Ultimatum gestellt. Das ist völlig neu für die Währungsunion, so etwas hat es bislang nicht gegeben. Wer sich nicht mehr an die Spielregeln des exklusiven Klubs hält, der wird ausgeschlossen. Ministerpräsident Tsipras hat es selbst in der Hand: Entweder macht er jetzt mit oder geht als der Regierungschef Griechenlands in die Historie ein, der sein Land in den Ruin getrieben hat. Den Menschen im Land ist zu wünschen, dass ihre Regierung endlich den Ernst der Lage erkennt. Die Bankschließungen und die Kapitalverkehrskontrollen sind nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was auf die Griechen zukommen würde – wenn es kein Geld mehr aus Brüssel gibt. Die Uhr tickt, das Ultimatum läuft. Hoffen wir auf ein gutes Ende.

Die echte Gefahr

Die wirtschaftlichen Folgen eines Grexit werden in den anderen Ländern der Euro-Zone zu verschmerzen sein. Ein Abschied der Griechen würde zwar auch andere Länder teuer zu stehen kommen, aber ökonomisch ist der Grexit beherrschbar. Viel schwieriger zu kalkulieren ist das, was sich gerade in China abspielt. Die Börsenkurse brechen ein, an den Rohstoffmärkten hat ein massiver Preisverfall eingesetzt. Es sieht danach aus, als ob die große chinesische Spekulationsblase platzen könnte. Ein Ende des chinesischen Wirtschaftswunders würde uns viel stärker treffen als ein Grexit. In Peking lauern die großen Gefahren, nicht in Athen.

Neue Partner

China hat während der vergangenen zehn Jahre ökonomisch gewaltig aufgeholt. Das Land ist heute eine Wirtschaftsmacht, die global überall mitspielen kann – auch in Deutschland. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser gehört künftig zum Mischkonzern Fosun, Chinesen führen also von jetzt an die Geschäfte bei diesem feinen deutschen Geldhaus. Warum nicht? Es wird nicht die letzte Übernahme eines chinesischen Investors in Deutschland bleiben. Auch China ist in einer globalisierten Wirtschaft herzlich willkommen.

Völlig daneben

Wie gut, dass es Microsoft so gut geht und dass der Software-Konzern Milliarden auf der hohen Kante hat. Mit der Handysparte des finnischen Nokia-Konzerns wollten die Kalifornier zum großen Sprung im zuvor von ihnen vernachlässigten Mobilgeschäft ansetzen. Sie hätten es besser nicht tun sollen. Jetzt stehen riesige Abschreibungen in diesem Bereich an, fast 8000 Mitarbeiter müssen gehen. Microsoft hat völlig danebengegriffen, der Kauf der Nokia-Sparte entpuppt sich als glatte Pleite. Unser Tipp für Microsoft: Beim nächsten Zukauf einfach genauer hinsehen.

Der letzte Schritt

Seit dem Wochenende mussten ein paar Tage vergehen, aber nun ist es amtlich: Bernd Lucke verlässt die AfD. Nach der krachenden Niederlage auf dem Parteitag in Essen und dem Rechtsruck unter der neuen Vorsitzenden Frauke Petry hat Lucke keine Heimat mehr in der von ihm gegründeten Partei. Er sollte es besser bleiben lassen, jetzt eine neue gründen zu wollen. Mehr als eine weitere Splittergruppe würde es nicht werden, die kurze politische Karriere des Herrn Professor ist schlicht und ergreifend beendet.

Genießen Sie die Sommerfrische dieses Abends – herzliche Grüße aus Düsseldorf von

Stefan Menzel

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