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03.07.2015

18:50 Uhr

Was vom Tage bleibt

Das Märchen vom Leben ohne Banken

VonOliver Stock

Die griechische Tragödie fordert neue Opfer. Ein Minister will weniger Bargeld sehen. Die AfD-Mitglieder haben keine Wahl. Und Süßes könnte bald günstiger werden. Was heute geschah, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Griechischer Alptraum

Ein Leben ohne Banken – das ist eine Vorstellung, die uns in Deutschland seit einigen Jahren immer reizvoller erscheint. Endlich auf die zu verzichten, die jahrzehntelang nichts anderes gemacht haben, als aus Geld mehr Geld zu machen – wer träumte nicht heimlich davon? Für Griechenland ist dieser Traum verwöhnter Luxuskinder zum Alptraum geworden. In dem Land gibt es seit Montag keine offene Bank mehr. Jetzt drohen auch den Geldautomaten die Penunzen und damit den Griechen jede finanzielle Versorgung auszugehen. 500 Millionen Euro haben sie vermutlich noch, 200 Millionen fließen pro Tag ab. Sonntagmorgen ist also Schluss. Wenn sich eines zum bevorstehenden Referendum sagen lässt: Kaufen kann sich die Regierung ihre Stimmen nicht mehr.

Bargeld lacht nicht mehr

In Deutschland gibt es noch genug Geld. Sogar so viel, dass der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans jetzt als einer der ersten deutschen Politiker eine Obergrenze für das Bezahlen mit Bargeld fordert. So will er Schwarzgeldgeschäfte und Steuerhinterziehung besser unterbinden. Bei 3000 Euro ist Schluss. Darüber funktioniert nur die Kreditkarte. Als wir beim Handelsblatt darauf eben Herrn Borjahns zum „Bargeld-Schreck“ erklärten, beschwerte sich das Ministerium. So können man das nicht sagen. Ich meine: Ein bisschen „Buh“ gemacht hat Borjahns schon.

Schuldenschnitt für Middelhoff

Rund 50 Gläubiger verlangen von Thomas Middelhoff einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Der Insolvenzverwalter im Fall Middelhoff hat auf dem von ihm eigens eingerichteten Treuhandkonto allerdings bisher exakt 600 Euro. Das riecht nach Schuldenschnitt. Nicht der einzige in diesen Tagen.

Süßes wird vielleicht billiger

Essen Sie auch so gern Süßes? Jetzt ein Eis ... Vielleicht haben wir Glück und der ganze Süßkram wird noch billiger. Vor dem Landgericht Mannheim hat jedenfalls der erste Schadensersatzprozess gegen das Zuckerkartell stattgefunden. Vivil will Geld von Südzucker sehen. Katjes steht ebenfalls in der Schlange der Geschädigten, die Geld zurückverlangen. Und in Hannover verklagt Marmeladenhersteller Göbber die beiden anderen am Kartell beteiligten Unternehmen Nordzucker und Pfeifer & Langen. Haben die Klagen Erfolg, dürften Preissteigerungen bei Süßigkeiten so bald nicht zu befürchten sein. An sich eine gute Nachricht – oder?

Pest oder Cholera

Am Wochenende entscheidet sich der Machtkampf in der AfD. Die bislang dreiköpfige Parteispitze – bestehend aus Parteigründer Bernd Lucke, der sächsischen Landeschefin Frauke Petry und Konrad Adam – soll durch einen einzigen Parteichef abgelöst werden. Die Wahl der Delegierten ist einfach: Bernd Lucke steht für ein Weiter-so, das ist seit einigen Monaten nicht sehr erfolgreich. Frau Petry steht für Vergangenheit. Das war noch nie erfolgreich. Wer die Wahl hat zwischen Pest oder Cholera, sollte am besten gar nicht wählen gehen.

Ein heißes Wochenende bei kühlem Kopf wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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Herr Jürgen Bertram

03.07.2015, 19:18 Uhr

Hallo Herr Stock,

"Wer die Wahl hat zwischen Pest oder Cholera, sollte am besten gar nicht wählen gehen."

Das ist wahrscheinlich der Grund, warum die Wahlbeteiligung in Deutschland immer weiter zurückgeht.

Herr Thomas Albers

03.07.2015, 19:52 Uhr

"wer träumte nicht heimlich davon?"

Ich glaube wir müssen jetzt alle ein bisschen tapfer sein: Banken und Finanzmärkte sind ein zivilisatorischer Fortschritt. Einen Teil der externe Schocks, Katastrophen und sonstige Spannungen können auf die Märkte verlagert werden und müssen nicht nicht mehr zwingend realwirtschaftlich auswirken. Die Lasten einer Hungersnot können etwa auf Terminkontrakte abwälzt und die Folgen somit abgemildert werden. Ohne den Markt als Schlachtfeld würden öfter Keulen geworfen. Banken helfen dabei, solche Risiken zu verlagern...

Eine Welt ohne Banken ist nicht wirklich wünschenswert. ;)

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