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13.05.2014

18:16 Uhr

Was vom Tage bleibt

Das Netz wird erwachsen

VonOliver Stock

Europas Richter pochen auf ein Recht auf Vergessen. Deutsche Autobauer geben Gas. Und Banken müssen zurückzahlen, wenn sie Gebühren für Ratenkredite genommen haben. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Raus aus den Flegeljahren

Wetten, Sie kennen Mario Costeja Gonzáles nicht? Ich stelle Ihn vor: Der Spanier hatte Schulden bei der Sozialversicherung, worauf passierte, was in solchen Fällen oft passiert: Sein Eigentum wurde gepfändet, sein Grundstück versteigert. Das Ganze ist heute 16 Jahre her. Inzwischen, so sagt Herr Gonzáles, sei das Problem längst erledigt – nur wer bei Google guckt, kann das nicht erkennen: Die Suchmaschine verlinkt bei Eingabe des Namens des armen Spaniers auf den Text der Ausgabe einer örtlichen Zeitung aus dem Jahr 1998. Dort wird auf die Versteigerung hingewiesen, als ginge sie gerade über die Bühne. Dagegen klagte Gonzáles und hat jetzt vom Europäischen Gerichtshof recht bekommen. Die Richter stufen das Recht auf die Privatsphäre höher ein als die grenzenlose Freiheit des Netzes. Die Richter haben also etwas gemacht, was nach einem Vierteljahrhundert, in dem das Internet vom umsorgten Kleinkind zum pubertären Flegel herangewachsen ist, überfällig war: Sie erziehen das Netz, seine Nutzer und seine Betreiber zu brauchbaren Mitgliedern unserer Gesellschaft. Sie haben mit ihrem Urteil einen Beitrag dazu geleistet, dass das Internet erwachsen wird.

BMW legt nach

BMW will Nummer eins in der ersten Liga bleiben, deswegen macht der Autobauer Tempo beim Ausbau seines weltweiten Produktionsnetzwerks. Nach der Erweiterung der Fabrik in South Carolina prüft der Konzern jetzt den Bau eines zweiten großen Werks in Übersee, der Favorit ist Mexiko. So will BMW sein Produktionsvolumen in Nordamerika von heute 300.000 Autos auf mehr als 600.000 Autos pro Jahr verdoppeln. Damit steigen die Chancen, dass BMW Marktführer vor Audi und Mercedes bleibt. Autokonzerne können eben nicht anders: Sie liefern sich stets ein Wettrennen.

Piëchs Reich

Europas größter Autobauer Volkswagen ist vor diesem Wettlauf auch nicht gefeit. Deswegen planten die Wolfsburger schon lange ihre schwedische Lkw-Tochter Scania komplett zu schlucken. Einige störrische Aktionäre saßen dabei jedoch quer wie eine Gräte im Hals. Sie haben sich nun kaufen lassen und VW hat den vollen Zugriff auf Scania. Ferdinand Piechs Reich ist damit reicher geworden.

Berliner Fehlgeburt

Dem Flughafen Berlin Brandenburg droht noch in dieser Woche das Geld auszugehen. So steht es in einem ab jetzt nicht mehr ganz so vertraulichen Brief an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags, der dem Handelsblatt vorliegt. Grund für den Liquiditätsengpass sei, dass sich die Auszahlung des letzten Bankdarlehens über 119,1 Millionen Euro „voraussichtlich bis Juni 2014“ verzögere. Pleite vor dem ersten Start – in der Biologie heißt so etwas Fehlgeburt.

Banken müssen zahlen

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Banken für Verbraucherkredite grundsätzlich keine Bearbeitungsgebühren erheben dürfen. Es ist verboten, weil Banken Kreditanträge aus eigenem Geschäftsinteresse ohnehin bearbeiten und laut Gesetz nur Zinsen erheben dürfen, urteilen die Richter. Nun drohen Banken Rückzahlungsforderungen in Millionenhöhe. Den Anspruch hat jeder, der seinen Ratenkreditvertrag nach 2010 abgeschlossen hat. Sie können den Test machen: Wenn Ihre Bank gut ist, wird sie von sich aus auf Sie zukommen. Ansonsten sollten Sie die Rückforderung gleich mit einem Kündigungsschreiben versehen.

Hoeneß sollte zahlen

Die Polizei hat einen Erpressungsversuch gegen den Ex-Fußballmanager Hoeneß vereitelt. Der mutmaßliche Erpresser drohte ihm mit Problemen im Gefängnis, sollte der verurteilte Steuersünder nicht einen hohen Geldbetrag zahlen. Das ist schon unerhört – offenbar ging dieser Erpresser davon aus, dass Hoeneß auch nach dem Millionenurteil gegen ihn gut bei Kasse ist.

Einen unerhörten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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