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28.05.2013

18:54 Uhr

Was vom Tage bleibt

Demontage eines Hoffnungsträgers

VonStefan Menzel

Die Elektro-Fahrräder floppen, auch bei der neuen Mercedes A-Klasse gibt es Probleme. Die Commerzbank kommt genauso wenig voran wie der Berliner Flughafen. Ein trauriger Tagesrückblick, wenn da nicht eine Ausnahme wäre.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Tristesse auf dem Sattel

Wollten Sie sich auch gerade ein neues E-Bike kaufen? Die Sonne scheint vielleicht doch bald etwas häufiger, die Temperaturen sollten zudem auch in die Höhe gehen. Genau die richtigen Bedingungen für einen Fahrradkauf. Wenn man dann aber liest, dass beim jüngsten E-Bike-Test von ADAC und Stiftung Warentest mehr als die Hälfte der Räder durchgefallen ist, dann kann man nur verständnislos mit dem Kopf schütteln. Da wird offensichtlich ein Produkt verkauft, dass technisch überhaupt noch nicht ausgereift ist. Frei nach dem Prinzip Banane: Der Hersteller verzichtet auf einen Teil der eigenen Entwicklungsarbeit, das Produkt reift erst beim Kunden. E-Bikes, die Hoffnungsträger stürzen ab.

Status quo in Stuttgart

In der Automobilbranche ist das Prinzip Banane schon länger bekannt. Viele Autohersteller haben ihre neuesten Fahrzeuge zu früh an die Kunden ausgeliefert und das hinterher mit teuren Rückrufen bezahlt. Eigentlich, so dachte man, sollte die Branche dieses Problem langsam in den Griff bekommen haben. Aber jetzt hat es doch wieder den Daimler-Konzern erwischt. Die Stuttgarter sind ganz besonders stolz auf die neue A-Klasse von Mercedes. Ein modernes, auf die Zukunft getrimmtes Auto. Doch plötzlich stellt sich heraus, dass möglicherweise Airbags sich nicht richtig entfalten. Eine traurige Nachricht, weil sich bei der Edelmarke Mercedes offensichtlich nicht viel verändert zu haben scheint.

Ach, unsere liebe Commerzbank

Wenig Zukunftsträchtiges sieht die Rating-Agentur Standard & Poor’s bei unserer lieben Commerzbank. Das Geldhaus brauche viel länger als erwartet, um ein ordentliches Geschäftsmodell aufzubauen. Der gelbe Bankenriese bekommt seine Quittung, die Kreditwürdigkeit wird herabgestuft. Eine Bank, der das tragfähige Geschäftsmodell fehlt? Hatten wir so etwas vor ein paar Jahren nicht schon einmal? Die Herabstufung durch Standard & Poor’s ist alles andere als ein gutes Zeichen, bei der Commerzbank hat sich nicht sonderlich viel zum Positiven entwickelt. Für die Kunden bleibt immerhin die eine Beruhigungspille. Der Staat bleibt Anteilseigner – und dürfte die Bank auch in Zukunft vor dem Allerschlimmsten bewahren.

Wann darf Berlin endlich fliegen?

Schlimmer geht nimmer, glaubt man gemeinhin beim ziemlich gescheiterten Berliner Großflughafen Schönefeld. Zum Glück tut sich inzwischen wieder eine ganze Menge, der neue Airport-Chef Hartmut Mehdorn wirbelt das angeschlagene Unternehmen in altbekannter Manier gehörig durcheinander. Und das zum Guten. Denn warum soll man den Flughafen nicht schrittweise eröffnen, das ist wirklich eine vernünftige Idee von Mehdorn. Wenn das große Ganze nicht funktioniert, dann muss es eben in kleinen Schritten gehen. Warum Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit diese schrittweise Eröffnung blockiert, ist völlig unbegreiflich. Wahrscheinlich sollte man die Politiker aus dem Aufsichtsrat besser gleich komplett abziehen.

Wandel ist möglich

Noch vor zehn galten die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland als ziemlich verschlafener Haufen. Wer damals konnte, der flüchtete so schnell wie möglich in eine private Kasse. Aber die Zeiten haben sich geändert, weil vor allem eine gesetzliche Kasse das Gesundheitswesen ziemlich aufgemischt hat: die Techniker. Der Wandel dieser altehrwürdigen Institution ist ein Musterbeispiel dafür, dass Reformen in Deutschland tatsächlich möglich sind. Wir brauchen mehr davon, mehr Veränderung und Wandel. Dann muss uns vor der Zukunft nicht allzu bange sein.

Genießen Sie einen ruhigen und angenehmen Frühlingsabend, der Reformwille darf selbstverständlich auch ein paar Stunden Pause machen.

Stefan Menzel

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.05.2013, 19:47 Uhr

Hallo Stefan Menzel,

bei dem heutigen Artikel 'Deutschlands ungehobener Schatz' war die Kommentarfunktion leider gesperrt. Das ist sehr schade, denn es erweckt den Eindruck, dass wir - die betroffene Bevölkerung - hierbei nix mitzureden haben.

Doch ist das angemessen? Dass man massiv veränderte Lebensbedingungen erfahren soll, ohne mitzureden?

Das Baurecht als Beispiel sieht die Hörung und gar Zustimmung der Anrainer vor, was ich als sehr wertschätzend und gut empfinde.

Ich möchte deshalb heute einen Rat aussprechen:

Mir ist schon klar, dass hinter dem Artikel einiges an wahren Fakten verborgen ist. Die Industrie braucht sie, andernorts verelenden sie, also irgendwie stimmig.

Es ist ja schön, wenn Sie zuziehende Gäste herzlich willkommen heißen und Perspektive und Heim geben möchten. Das ist sogar sehr ehrbar - sofern es denn bei den Betroffenen auch entsprechende Wertschätzung, guten Willen und Anerkennung fruchten lässt.

Gemein, destruktiv und schädlich wäre es, wenn unser freundlich-konstruktiver Geist einseitig ausgenützt und missbraucht werden würde.

Und da würde ich ansetzen:

Lassen Sie das Handelsblatt doch für ANSTAND, TEAMGEIST und FAIRPLAY für BEIDE SEITEN werben. Nehmen sie doch die Haltung des freundlich Empfangenden ein - und erklären dabei aber den Neuen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Sondern ein EINBRINGEN IN DIE HIESIGE GEPFLOGENHEITEN erfordert - einschließlich deutsche Sprache und Teamgeist mit bspw. Vereinsteilnahme.

Denn DANN gewinnen wir wirklich ordentlich. Anderenfalls spalten Sie die Gesellschaft - und dann wirds irgendwann ungemütlich...

R.Rath

28.05.2013, 20:25 Uhr

Guten Abend Herr Menzel,
wenn die eine Hälfte der E-bikes Schrott ist, dann offensichtlich die andere Hälfte eben nicht.
Sie kehren mal wieder alles über einen Kamm, Schrott und Nicht-Schrott.
Ihre pauschalisierende Betachtungsweise haben Sie uns schon bei Ihrem unsäglichen AfD-Kommentar näherzubringen versucht.
Lassen Sie´s doch einfach.
Das ist besser für Sie und die HB-Leser.
Herr Kolf hat entschieden mehr auf dem Kasten als Sie, bei allem Respekt.

Account gelöscht!

28.05.2013, 23:10 Uhr

@Checker-Joe

Der von Ihnen angesprochene Artikel war wirklich schlimm (und das ist der vornehmste Ausdruck, der mir dazu einfällt).
Und DESHALB auch keine Kommentarfunktion. Ihre Bitte zu Fairplay und ähnlichem klingt da für mich ganz nach Evangelischem Kirchentag.
Diese ganze unselige "Politische Korrektheit" ist, anders als viele glauben, nicht von der Politik, sondern von den Medien erfunden worden.
Und die wollen sich ihre schöne heile Welt nicht durch die "Stimme des Volkes" kaputt machen lassen.
Genausogut könnten Sie vorschlagen, mal einen Artikel über die Wiedereinführung der Todesstrafe zu bringen, und dafür die Kommentarfunktion zuzulassen.
Eher würden die ihre ganze Seite für einen Tag komplett sperren!
Ich behaupte: Für Journalisten sind alle, die bei den Tabu-Themen eine andere Meinung vertreten, sowas wie Staatsfeinde.

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