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04.05.2012

18:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

Denn sie wissen nicht, was sie tun

VonOliver Stock

Die Protestierer gegen Acta haben Erfolg, obwohl sie gar nicht so genau wissen, wogegen sie stimmen. Starinvestor Warren Buffet lebt und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist Optimist. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Lebensgefährlich

Das Leben jenseits des 80. Geburtstags ist tendenziell lebensgefährlich. Das gilt auch für den 81-jährigen Warren Buffett, der an diesem Wochenende wieder seine Jünger zur Orakel-Party nach Omaha in Nebraska einlädt. Vielleicht kommen dieses Mal noch mehr, weil die lebende Legende jüngst mitgeteilt hat, dass sie an Krebs leidet. Die Nachricht habe sie „ganz schön mitgenommen“, sagt eine Aktionärin im gleichen gesegneten Alter im Vorfeld. „Deshalb bin ich hergekommen, um ihn mir selbst anzusehen.“ Liebe Buffett-Jünger, rufen wir von hier aus: „Macht Euch keine Sorgen! Legenden sterben nie. Es sei denn, wir sterben mit ihnen“ - und so weit ist es noch lange nicht.

Traurig

Sechs Stunden hat sich Luigi Martinelli im Finanzamt von Romano di Lombardia, einem norditalienischen Städtchen in der Nähe von Bergamo, verbarrikadiert. Bewaffnet mit einem Gewehr und zwei Pistolen hat der 54-Jährige gleich 16 Finanzbeamte als Geiseln genommen. Er kann die Steuer nicht bezahlen, die der Staat von ihm fordert. Die Krise in Italien fordert Opfer. Längst sind sie keine abstrakten Zahlen mehr, sondern Köpfe, Namen, Gesichter. 32 Unternehmer haben sich seit Anfang des Jahres das Leben genommen. Mit dem „Marsch der Witwen“ haben heute Frauen still mit weißen Fahnen in Bologna an sie erinnert.

Sanftmütig

T-Shirt, Jeans, sanfte Stimme und ein ewig staunender Gesichtsausdruck – so sieht Mark Zuckerberg aus. Es kommt auch gleich viel glaubwürdiger rüber, wenn der 27-jährige Facebook-Gründer in diesem Aufzug über die Welt, das Internet, sich selbst und sein soziales Netzwerk plaudert. Zahlen sind nichts, was in dieses öffentlich inszenierte Universum passt. Zahlen zu Facebook finden sich dafür im aktualisierten Börsenprospekt: Zwischen 28 und 35 Dollar soll ein Anteilsschein kosten. Facebook könnte dadurch mit bis zu 96 Milliarden Dollar bewertet werden. Es wäre der mit Abstand größte Börsengang einer Internet-Firma überhaupt. Hoffentlich ist Zuckerbergs Universum, in das sich die Aktionäre einkaufen wollen, deckungsgleich mit dem, was Facebook tatsächlich ist. Nur dann wird ein Erfolg aus der Investition.

Sperrig

In der EU-Kommission bröckelt die Unterstützung für das Urheberrechtsabkommen Acta. „Macht Euch um Acta keine Sorgen mehr“, sagte die EU-Kommissarin Neelie Kroes heute den Netzaktivisten auf der Konferenz re:publica in Berlin. Es sei wahrscheinlich, dass das Vertragswerk nicht in Kraft treten werde. Die vielen Proteste gegen Acta seien ein Weckruf für die Politiker in Brüssel gewesen. Die Kritiker befürchten, dass sich Acta auf die Meinungsfreiheit im Internet auswirken und zu privatrechtlicher Zensur führen könne. Ich glaube: Politisch ist Acta tot. Das liegt aber nicht an dem Abkommen, sondern einzig und allein daran, dass es so sperrig ist, dass es kaum einer liest. Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“, Grass' Gedicht gegen Israel und das Abkommen Acta haben damit eines gemeinsam: Unter denjenigen, die am lautesten protestieren, gibt es einige, die gar nicht wissen, wogegen sie protestieren.

Schmerzlich

Die schlechten Nachrichten für die europäische Luftfahrt reißen nicht ab: Nur einen Tag nach der Lufthansa ist nun auch der große Konkurrent Air France-KLM mit der Tatsache herausgerückt, dass er in den roten Zahlen steckt. Auch für den dritten europäischen Luftfahrtriesen International Airlines Group, den Mutterkonzern von British Airways und Iberia, erwarten Analysten einen Verlust im operativen Geschäft. Was nun? Ganz einfach sagt der Betriebswirt: Einnahmen rauf, Kosten runter. Autsch, sagt dann der Kunde, der sein Knie endgültig nicht mehr schmerzfrei vor der Rücklehne des Vordermanns platziert bekommt.

Spannend

Wissen Sie eigentlich, was der Kandidat in Ihrem Wahlkreis so alles will und nicht will? Ich habe keine Ahnung. Deswegen werde ich heute Abend mal unseren Kandidatencheck auf Handelsblatt Online benutzen. Welcher Bewerber mit meiner persönlichen Meinung am ehesten übereinstimmt, wer mir unabhängig vom Wahlprogramm der Partei tatsächlich am nächsten ist - das werde ich mit dem Kandidatencheck herausfinden. Wenn Sie Lust haben, probieren Sie es auch mal.

Einen experimentierfreudigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Mathias

04.05.2012, 20:26 Uhr

Herr Stock, Sie sind ein sehr strapazierter Mensch.

Hören Sie einfach auf!
Das liegt Ihnen nicht. Sie können nicht schreiben. Das ist keine Schande, vielleicht können Sie etwas anderes machen - Busfahrer, Hausmeister, für irgendwas wird man Sie doch noch nutzen können.

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