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27.06.2013

18:44 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Autoriese mit sieben Leben

VonStefan Menzel

GM geht auf Einkaufstour und die deutschen Autohersteller jubeln verhalten. Bei der Bankenunion und am Berliner Airport passiert fast gar nichts. Einen gefeierten Konzernlenker zieht es in die Heimat. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

General Motors, der unglaubliche Konzern

Das Leben ist manchmal ziemlich verrückt. Vor ein paar Jahren stand der größte US-Autokonzern General Motors vor dem Ende. Nur die massiven Milliardenhilfen der Regierung in Washington haben den Autokoloss vor dem Kollaps bewahrt. Jetzt aber steht General Motors plötzlich vor der Übernahme des kleineren Konkurrenten Peugeot aus Frankreich. Aus Branchensicht spricht einiges für eine solche Übernahme. Der französische Hersteller ist dringend auf Hilfe von außen angewiesen. Aber ist General Motors ein verlässlicher Partner? Sicherlich nicht. Denn wäre GM ein vernünftig geführter Konzern, dann wäre die Staatshilfe vor ein paar Jahren nicht nötig gewesen.

Die kurzfristige Bremse, die nicht viel bringt

Auch die an sich vernünftig geführten deutschen Autokonzerne können nicht ganz auf Staatshilfe verzichten. Zumindest auf indirekte politische Unterstützung sind sie angewiesen. Das hat am Donnerstag der Streit in der EU über die Abgasnormen gezeigt. Die deutsche Regierung hat sich mit Erfolg dagegen gewehrt, dass verschärfte Abgasnormen beim Kohlendioxid eingeführt werden. Daimler und Volkswagen hätten darunter gelitten. Ein Pyrrhussieg dürfte das werden. Den Trend zu sauberen und weniger umweltbelastenden Autos wird niemand aufhalten können, auch die deutsche Automobilindustrie nicht. Besser wäre es gewesen, sich den neuen Auflagen zu stellen. Irgendwann kommen sie sowieso.

Diese verrückten nationalen Interessen

Nicht viel herumgekommen ist in Sachen Bankenunion. Wieder einmal haben sich einzelne Staaten mit ihren Sonderinteressen durchsetzen können, in diesem Fall waren es Frankreich und Großbritannien. Es ist wirklich zum Verzweifeln, was unsere Politikerkaste in Europa bei der Bankensanierung zustande bringt. Wir brauchen wirklich ganz schnell eine verlässliche Lösung, die die europäischen Zombie-Banken stabilisiert. Diese tickenden Zeitbomben müssen bald entschärft werden – und dazu gehört auf jeden Fall auch eine voll funktionsfähige Bankenunion. Wenn unsere Politiker das nicht endlich begreifen wollen, dann ist die Prognose ziemlich einfach: Die nächste Bank kracht bestimmt.

Die never-ending Story aus Berlin

Manchmal frage ich mich auch, auf welch verrückte Ideen die Flughafen-Planer in Berlin noch kommen werden. Erst ist uns jahrelang erklärt worden, dass unsere liebe Hauptstadt künftig nur noch einen einzigen Flughafen betreiben soll. Okay, dann lohnt auch der Milliarden-Aufwand für den neuen Airport Schönefeld im Südosten der Stadt. Jetzt aber ist auf einmal die Rede davon, dass der bislang noch genutzte Flughafen Tegel nicht geschlossen werden soll. Kostet das auch wieder ein paar Milliarden? Wahrscheinlich. Vielleicht sollten die Damen und Herren Flughafen-Planer mal ihr eigenes Geld bei diesem Konzepte-Hickhack verwenden – und nicht immer nur unsere Steuergelder.

Back to the roots

In der Heimat ist es doch am schönsten. Das scheint offensichtlich auch Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zu erkennen, der deshalb seine Rückkehr nach Schweden vorbereitet. In der Schweiz fühlt er sich nicht mehr so recht wohl, deshalb soll es bald zurückgehen zu Elchen und Rentieren. Vielleicht gibt es auch noch einen anderen Beweggrund als die pure Heimatliebe? Die Steuer könnte solch einer sein. Die Schweiz wird wegen des internationalen Drucks immer mehr an Steuervorteilen verlieren und sich den Gepflogenheiten anderer Länder anpassen müssen. Da ist es am Ende vollkommen egal, wo Ingvar Kamprad wohnt. Warum also nicht auch in Schweden?

Einen schönen Abend in der Heimat wünscht

Stefan Menzel

Kommentare (2)

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btw

27.06.2013, 19:48 Uhr

Wenn GM einkaufen geht stehen Pleiten bevor.

Blecks

28.06.2013, 01:06 Uhr

Wenn Zypern der Sündernfall der Stümper in Brüssel war, ist es GM der scheinheiligen Regierung Obamas.
Ausgerechnet von der Kapital- und Arbeitsplatzvernichtungsmaschinerie GM Hilfe zu erwarten, ist delegierter Selbstmord.

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