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30.09.2014

19:07 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Bündnisfall rückt heran

VonStefan Menzel

Die Türkei lässt die Truppen aufmarschieren, in der Euro-Zone wächst die Deflationsgefahr. Paypal geht an die Börse, Ford schreckt die Autobranche auf und das Internet ärgert sich über Trolle. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Hilfe für die Türken

Die Lage an der türkisch-syrischen Grenze wird von Tag zu Tag bedrohlicher. Das türkische Militär lässt Panzer auffahren, auf der syrischen Seite rücken die IS-Islamisten immer näher an die Grenze heran. Es dürfte nicht mehr lange dauern, dann wird es die erste unmittelbare Konfrontation zwischen einem Nato-Land und dem IS geben. Und im Zweifel müssten dann auch deutsche Soldaten den türkischen Verbündeten helfen – wenn die Nato für ihr Mitgliedsland Türkei den Bündnisfall ausruft.

Druckmaschinen

Die gesamtwirtschaftlichen Daten sehen nicht besonders gut aus: In der Euro-Zone ist die Inflation auf das Fünf-Jahrestief von 0,3 Prozent gefallen. Am Donnerstag steht das nächste wichtige Treffen der Europäischen Zentralbank auf der Tagesordnung. Bislang waren für das bevorstehende Oktober-Treffen eigentlich keine neuen geldpolitischen Beschlüsse erwartet worden. Die aktuellen Inflationsdaten haben das Bild jedoch geändert. Vielleicht wirft die EZB jetzt noch einmal die Gelddruckmaschine an – die Angst vor der Deflation wird größer.

Wiederholungsgefahr

Der nächste milliardenschwere Börsengang aus der IT-Branche kündigt sich an. Jetzt will auch der US-Konzern Ebay seine Bezahltochter Paypal meistbietend per IPO verkaufen. Grundsätzlich wäre dagegen nichts zu sagen. Auffällig ist allerdings die aktuell starke Häufung von IT-Börsengängen diesseits und jenseits des Atlantiks. Zalando, Rocket Internet und Alibaba lassen schön grüßen. Irgendwie erinnert die jüngste Entwicklung fatal an die Zeit um die Jahrtausendwende. Alles wettete auf einen ungebremsten Boom der Internetwirtschaft – und dann hat es Bumm gemacht.

Brüchiges Eis

Die US-Autohersteller schienen eigentlich über den Berg zu sein. Bei General Motors ist der Staat wieder ausgestiegen, Chrysler und seine neue italienische Mutter Fiat helfen sich gegenseitig weiter. Doch nun muss Ford plötzlich eine Gewinnwarnung aussprechen, Amerikas Nummer zwei hat sich mit seinen Ertragserwartungen ordentlich verspekuliert. Die Ford-Zahlen sind ein erster Indikator dafür, dass die US-Autobranche die Krise doch noch nicht komplett hinter sich gelassen hat. Vielleicht dauert es nicht mehr lange – und GM und Chrysler folgen Ford mit eigenen Negativschlagzeilen.

Das Internet und die Trolle

In eigener Sache: Eigentlich ist das Internet ein offenes Medium, das den direkten Kontakt zwischen den journalistischen Machern und den Lesern unheimlich einfach macht. Doch auch Handelsblatt Online leidet unter den Trollen, die im Internet mit Beleidigungen und Beschimpfungen nur so um sich werfen, gern am Rande der Legalität. Deshalb sahen auch wir uns gezwungen, stärker kontrollierend bei den Leserkommentaren einzugreifen. Wir starten jetzt die Aktionswoche „Macht das Web sozialer – wider den rauen Ton im Netz“. Wir hoffen, dass unsere Trolle dadurch etwas vernünftiger werden. Der gute Ton gehört ganz besonders auch zum Handelsblatt.

Einen erholsamen Abend in dieser verkürzten Arbeitswoche wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (5)

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Herr C. Falk

30.09.2014, 19:44 Uhr

Bündnisfall? Wenn die Türkei den IS angreift ist das kein Bündnisfall, dennn die NATO ist ein Verteidigungsbündnis und kein Angriffsbündnis. Sollte der IS die Türkei angreifen, wäre zu fragen ob der IS ein Staat ist oder nicht.
Er ist doch wohl eher kein Staat sondern eine terroristische Vereinigung.

Die NATO ist also entgegen der Meinung des Herrn Menzel wohl eher nicht automatisch involviert, falls es zu Kämpfen zwischen dem IS und der Türkei kommt.

Herr Horst Meiller

30.09.2014, 20:13 Uhr

Und selbst wenn es dazu käme...
was könnte diese bedingt abwehrbereite, systematisch kaputtgesparte Bundeswehr denn dort überhaupt tun?
--Formulare drucken,
--Verkehrsschilder aufstellen,
--die Mülltrennung organisieren,
--gelbe Säcke einsammeln...?!

Herr W. Dilling

01.10.2014, 08:25 Uhr

...denn die NATO ist ein Verteidigungsbündnis...

Auf dem Papier, und nur auf dem Papier.

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