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23.01.2015

18:45 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Crash ist programmiert. Wirklich?

VonOliver Stock

Das sollten Sie heute gelesen haben: Nach Draghis Entscheidung kursieren Untergangsszenarien. Können wir dem Crash entkommen? Grönemeyer vertreibt Pegida. Griechenland stellt die Eurofrage.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Spiel ohne Grenzen

„Das billige Geld der Notenbanken ist wie eine harte, schwer abhängig machende Droge. Offensichtlich können wir nicht mehr ohne sie leben – mit allen Konsequenzen und verheerenden Kollateralschäden. Wir sind bereits schwer abhängig und somit ist der Crash programmiert. Der Patient ist de facto tot und wird nur noch künstlich am Leben erhalten mit wahnwitzigen Methoden. Beim Spiel ohne Grenzen wird keiner gewinnen.“ Diese Worte kommen nicht von mir, sondern von den beiden Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik, die sich als Bestsellerautoren einen Namen gemacht haben. Nun leben Bestseller häufig von Untergangsszenarien. Die Realität unterscheidet sich dadurch, dass wir sie in der Hand haben.

Walter Renzi

Der italienische Ministerpräsident Renzi bewertet das EZB-Programm so: „Das, was sich an Veränderung in Frankfurt, Brüssel, Straßburg und auf den internationalen Märkten getan hat, verpflichtet uns, die Reformen noch schneller umzusetzen. Italien muss den Reformturbo anschalten.“ Falls das jemanden an den Satz des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht erinnert: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“, wäre das eine Unterstellung.

Terminsache

Pegida zieht ihre Demonstration in Dresden auf Sonntag vor. Grund ist ein Konzert mit Herbert Grönemeyer am Montag in Dresden. Offenbar befürchtet Pegida, dass Grönemeyer attraktiver ist. Seine Zeile „Schatten im Blick“ trifft möglicherweise das Lebensgefühl dieser Demonstranten.

Kartell der Greise

Der saudi-arabische König Abdullah ist mit 90 Jahren gestorben. Ihm folgt sein 79-jähriger Halbbruder, Salman bin Abdulaziz. Er sitzt nun an den Hebeln der Macht im Land und im Ölkartell Opec. Im Reigen der Mächtigen dieses Gremiums war Abdullah der Älteste, sein Nachfolger ist jetzt Durchschnitt. Die Opec ist ein Kartell der Greise. Die Zukunft gestalten diese Herren nicht.

Keine Angst vor Tsipras

Als Journalist juckt es einem oft in den Fingern, sich an den großen Debatten zu beteiligen und sie so noch größer zu machen. Etwa so: Pegida ist ein Spießerhaufen – und ihr Anführer fast ein Nazi. Oder eben: Griechenland wählt – und stimmt über den Euro ab. Tatsächlich ist am Sonntag Schicksalswahl in Griechenland. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Euro-Krise hat eine linke Regierung die Aussicht, ans Ruder zu kommen. Und der Vorsitzender der linksradikalen Syriza-Partei, Alexis Tsipras, ist ein unsicherer Kantonist. Vom Euro hält er nicht viel und vom Schulden zurückzahlen eher gar nichts. Es könnte also sein, dass Griechenland den Euro-Raum verlässt oder sogar rausgeschmissen wird. Das wäre der Anfang vom Ende des europäischen Traums. Wirklich? Ich glaube das nicht. Tsipras ist längst nicht mehr der Heißsporn, der er einmal war. Seit seine Siegeschancen steigen, gibt er sich gemäßigter. Er braucht einen Koalitionspartner, der wird fürs Maßhalten sorgen. Und schließlich bleibt richtig, was schon immer nicht falsch war: Griechenland ist klein, der Euro-Raum ist groß und eine Mücke hat noch keinen Elefanten zur Strecke gebracht. Deswegen lautet meine Meinung: Griechenland wählt, aber das europäische Projekt kann das nicht erschüttern.

Ein spannendes, aber gelassenes Wochenende wünscht

Oliver Stock

Kommentare (4)

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Herr Werner Wilhelm

23.01.2015, 19:48 Uhr

Also nochmal: Spiel ohne Grenzen.

Wirtschaftswachstum muss jährlich neu durch eine Erhöhung der Nettokreditaufnahme induziert werden. Die Nettokreditaufnahme ist definiert durch Kredite minus Sparen.

Wenn der Opa sein Sparbuch plündert um einen Porsche zu kaufen ist gut. Tut er aber nicht genügend und er wird's auch noch lange hinausschieben wenn sich wegen der Deflation das Sparen trotz Nullzins wieder lohnt.

Also bleibt das Verschulden. Das kann der Staat, die privaten Haushalte, die Unternehmen oder das Ausland übernehmen. Bei unserem Wachstumsmodell Exportüberschüsse werden Leistungsbilanzüberschüsse als natürliches Wachstum bezeichnet. Das ist nicht jedem vergönnt und deswegen muss die Kreditaufnahme woanders her.

Gut gesagt, der Staat will ja sparen. Die privaten Haushalte sind eh Nettosparer und da dann die Nachfrage fehlt sind die Unternehmen auch nimmer bereit zu investieren. Für was auch?

Dem armen Draghi dem sich eh die Nackenhaare sträuben

http://www.ecb.europa.eu/press/key/date/2014/html/sp140822.de.html

zieht seine letzte Karte. Das kann man zu Recht kritisieren, aber dann sollte man auch langsam mal über etwas anderes nachdenken. Dass die europäischen Problemländer nur mit dem Mantra "höher, schneller, weiter" zu uns in D aufrücken können, wo ja wir schon den Lebensstandard für breite Teile der Bevölkerung absenken, ist ja wohl ein Witz.

Account gelöscht!

23.01.2015, 19:51 Uhr

Jetzt kommt FEGIDA: Fortschrittliche Europäer Gegen die Inflationierung des Abendlandes

Account gelöscht!

23.01.2015, 20:03 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Geldfälscher haben 2014 deutlich mehr Euro-Blüten in Umlauf gebracht als im Vorjahr. In Deutschland zogen Banken, Handel und Polizei rund 63 000 000 000 falsche Euro-Banknoten aus dem Verkehr und damit 6300 Prozent mehr als 2013, wie die Bundesbank am Freitag in Frankfurt mitteilte. "Das Falschgeldaufkommen ist deutlich gestiegen - die Spuren führen ins Frankfurter-Ostend, mutmasslich handelt es sich um eine Gruppe um den Italiener Mario D. mit 2. Wohnsitz in einem von der Finanzmafia besetzten Hochhauses in der Nähe des Mains.

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