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09.09.2013

18:49 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der enttäuschte Liebhaber

VonOliver Stock

Ein Starinvestor zieht sich mit den Worten von Clark Gable bei Dell zurück. Ein Kirchenverlag könnte das Zeitliche segnen. Windreich hat keine Puste mehr und Middelhoff denkt nicht ans Zahlen. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Enttäuschter Liebhaber

Michael Dell kann Dell zurückkaufen, weil der streitbare US-Investor und Großaktionär Carl Icahn seinen Widerstand dagegen aufgibt. Icahn glaubt zwar weiter, dass der Preis von knapp 25 Milliarden Dollar viel zu gering für die Nummer drei der PC-Hersteller ist. „Aber wir haben eingesehen, dass es fast unmöglich ist, die Schlacht zu gewinnen“, sagte er und fügte hinzu: Die Einstellung des Dell-Direktoriums erinnere ihn an die letzten Worte, mit denen Clark Gable im Film „Vom Winde verweht“ seine Scarlett abservierte: „Frankly, my dear, I don't give a damn“, hat der gesagt, was soviel heißt wie: „Ehrlich gesagt, meine Liebe, das ist mir egal!“ Ja - auch in der Wirtschaft gibt es enttäuschte Liebhaber.

Wahre Freunde

Das sind doch mal neue Töne: Russland hat die syrische Führung aufgefordert, ihre Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen und zu vernichten. Das Land müsse zudem „der Organisation für das Verbot chemischer Waffen beitreten“, forderte der russische Außenminister nach Gesprächen mit seinem syrischen Kollegen. Schon Jungs lernen: Wahre Freunde sagen Dir, wenn Dein Gesicht schmutzig ist. Russland hat Syrien diesen Freundschaftsdienst erwiesen. Hoffentlich ist es der letzte.

Auf „Weltbild“ ruht kein Segen

Ob „Weltbild“ wieder aufersteht, ist ungewiss. Die Verlagsgruppe mit ihren 6800 Mitarbeitern gehört der katholischen Kirche, schreibt schlechte Zahlen und leidet darunter, dass die Bischöfe ihr den Segen entziehen, seit sich allzu weltliche Literatur im Sortiment befindet. Jetzt berichten die Kollegen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass sich auch die kirchlichen Banken Liga und Pax so verhalten, dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens nicht ausgeschlossen ist. Die Geschäftsführung dementiert, doch offenbar sind die Bischöfe der Meinung, dass eine 2013 Jahre alte Kirchengeschichte sich nicht durch die mögliche Pleite eines Verlags erschüttern lässt, der gerade erst seinen 65. Geburtstag gefeiert hat. Sie wissen eben: Die Welt mag die Jugend vergöttern, aber regiert wird sie von den Alten.

Windreich geht die Puste aus

Windreich ist pleite. „Ich trage es mit Anstand, ich habe alles gegeben“, sagte mir Windreich-Chef Willi Balz, der sich damit aus der Geschäftsführung des Unternehmens verabschiedet, das unter Insolvenzbedingungen zunächst weitergeführt werden soll. Eine Pleite ist keine Schande, manche Unternehmer adelt es auch. Balz ist ein begnadeter Ingenieur und Kämpfer für seine Sache. Als Chef eines Unternehmens, das zum wichtigen Baustein in der Energiewende werden sollte, hat er zu vieles, zu lange allein gemacht.

Middelhoff will nicht zahlen

Auf den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff kommt nach einem Gerichtsurteil eine Zahlung von rund 3,4 Millionen Euro zu, die er an den Insolvenzverwalter des Kaufhaus-Konzerns, der heute Karstadt heißt, überweisen soll. Arcandor habe hohe Boni an Middelhoff ausgeschüttet, obwohl bereits feststand, dass der Manager den Warenhaus- und Tourismuskonzern verlässt, sagte der Richter. Auch sei bei mehreren teuren Flügen in gecharterten Jets, die Middelhoff Arcandor in Rechnung gestellt habe, „kein dienstlicher Anlass“ zu erkennen. Zudem habe Middelhoff einen Sponsoring-Vertrag mit der Universität Oxford mit einem Volumen von rund 840.000 Euro „eigenmächtig“ abgeschlossenen. Middelhoff will gegen das Urteil vorgehen. Das ist unsportlich. Wer hoch hinaus will, muss auch mal eine hohe Rechnung übernehmen.

Einen überschaubaren Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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