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09.10.2012

18:13 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Euro-Austritt ist vom Tisch

VonOliver Stock

Merkels Besuch festigt Griechenlands Stellung in der Währungsunion. Eine neue Steuer hilft Schäuble. Und die heile Welt der Buchverleger bekommt Risse. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Merkel umarmt Griechenland

Antonis Samaras ist Grieche. Und denen sagen wir seit der Antike einen Hang zum Pathos nach. Er fechte „den Kampf seines Lebens“ hatte der Ministerpräsident vor ein paar Tagen im Handelsblatt gesagt. Sein größter Sieg: Der Besuch von Angela Merkel heute in Athen. Die Kanzlerin gilt den Griechen als Verantwortliche für all das, was sie seit Ausbruch der Eurokrise an Niederlagen erleiden mussten. Dass sie nun kam, ist ein Triumph für viele Griechen: Merkel zeigt ihnen nicht länger die kalte Schulter, denken sie. Und sie haben recht. Tatsächlich liegt die Bedeutung dieses Besuchs in den Bildern und nicht in den Worten, die heute um die Welt gingen. Eine Kanzlerin auf dem roten Teppich in Athen und im Arbeitszimmer des Gastgebers, während draußen Deutschlandfahnen malträtiert und die unvermeidlichen Hakenkreuz-Flaggen verbrannt wurden. Dass Merkel diesen Besuch auf sich nahm, zeigt, dass sie anders denkt als noch im Sommer. Damals war Griechenland ein Euro-Mitglied mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum. Spätestens seit heute weiß die Welt, dass Deutschland den Austritt Griechenlands aus dem Euro von der Tagesordnung genommen hat.

Die Schatten des Zweifels

Verlage und Händler haben jahrzehntelang davon gelebt, dass die einen Autoren suchten und deren Bücher produzierten. Die anderen haben sie dann verkauft, und der Staat hat seine schützende Hand in Form der Buchpreisbindung über alle Beteiligten gehalten. Dieses Modell feiert sich ab heute selbst bei der internationalen Buchmesse in Frankfurt. Die Zweifler an diesem System werden allerdings immer mehr. Erika Leonard gehörte zu ihnen und veröffentlichte deswegen kurzerhand ihre „Fifty Shades of Grey“ zunächst im digitalen Selbstverlag im Internet. Das Werk wurde ein Welterfolg. In Frankfurt wird nun darüber gestritten, ob das ein „einmaliger“ oder ein „erstmaliger“ Erfolg eines neuen Vertriebswegs ist. Mich erinnern die Streithähne an jene Droschkenkutscher, an denen gerade Bertha Benz vorbeigefahren ist.

Wahlkampfhilfe aus dem Ausland

Ihr Schicksal als Rohrkrepierer schien schon besiegelt - jetzt wird die Finanztransaktionssteuer in Deutschland und einer Gruppe weiterer EU-Länder doch das Licht der Welt erblicken. Insgesamt elf Staaten sagten heute auf dem Finanzministertreffen zu, bei der Abgabe auf Geldgeschäfte mitzumachen. Besonders erleichtert über den Beschluss reagierte Wolfgang Schäuble. Warum? Na, weil der Finanzminister so langsam auch in den Wahlkampfmodus schalten muss und da ist die als „Gerechtigkeitssteuer“ gepriesene Abgabe ein Anliegen, dass den Sozialdemokraten den Wind aus den Segeln nimmt.

Sparen wollen sie alle

Erstmal Ja-Sagen: Mit großer Mehrheit hat die französische Nationalversammlung für eine Ratifizierung des europäischen Fiskalpakts gestimmt. Das Abkommen, auf das Brüssel die Euroländer verpflichtet hat, sieht vor, dass das konjunkturunabhängige sogenannte strukturelle Defizit der Staaten die Grenze von 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten darf. Wie Frankreich das einhalten will, wissen allerdings auch die Jasager von heute noch nicht. Der Internationale Währungsfonds jedenfalls glaubt nicht daran. Nach seiner Prognose sprengt Frankreichs Defizit im nächsten Jahr mit insgesamt 3,5 Prozent alle Vorgaben.

Igitt: Der Sieger eines Kakerlaken-Wettessens im US-Staat Florida ist tot zusammengebrochen, nachdem er Dutzende lebende Küchenschaben und Würmer verzehrt hatte. Der Veranstalter ist bestürzt und teilt mit, dass die Küchenschaben und Würmer aus eigener, kontrollierter Produktion stammten. Michael Adams, der inzwischen eingeschaltete Professor für Insektenkunde an der University of California in Riverside betont: „Es gibt keine Giftstoffe in Kakerlaken.“ Meine Vermutung: Wahrscheinlich war doch eine Schabe schlecht.

Guten Appetit wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (12)

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Republikaner

09.10.2012, 19:22 Uhr

Deutschland hat nichts mehr zu sagen, sondern nur noch zu zahlen. Das ist der Wahlkampfschlager 2013!

Improvisation

09.10.2012, 19:50 Uhr

Zur europäischen Partnerschaft gehört, dass nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen was zu sagen haben und dass der wirtschaftlich Stärkere in der Not (Schuldenkrise) nicht nur an sich denkt,sondern auch für Schwächere einsteht.Und das ist im Prinzip gut so, auch im Jahr 2013!

Account gelöscht!

09.10.2012, 20:26 Uhr

" Dass Merkel diesen Besuch auf sich nahm, zeigt, dass sie anders denkt als noch im Sommer. Damals war Griechenland ein Euro-Mitglied mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum. Spätestens seit heute weiß die Welt, dass Deutschland den Austritt Griechenlands aus dem Euro von der Tagesordnung genommen hat."

Moment einmal, nur Merkel, Schäuble und Co. sind gegen den Austritt Griechenlands, nicht Deutschland ist dagegen. Denn Deutschland besteht aus über 80 Millionen Menschen.

Es spricht nichts dagegen wenn die Starken den Schwachen helfen, aber nur dann, wenn es die Starken nicht über Gebühr schwächt. Vom IWF und aus Brüssel kommen gerade ganz andere Töne als Frau Merkel sie singt.

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