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16.04.2012

18:57 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Fluch der bösen Bank

VonOliver Stock

Die Bad Bank in Düsseldorf macht ihrem Namen alle Ehre. Derweil sorgt Spanien dafür, dass die Sorgenfalten der Banker nicht verschwinden. Und die SPD schießt ein Eigentor. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend Ihnen allen,

Ewige Bad Bank

Eine „Bad Bank“ ist eine Bank, in der alles Schlechte gebündelt ist, was die „Good Bank“ auf ihrer Bilanz nicht mehr sehen will. Das ist so als würde man zu Hause ein getrenntes Konto für Spielschulden haben, damit die Frau von den Miesen keinen Wind bekommt. Die Erste Abwicklungsanstalt, wie der offizielle Name der Bad Bank der West LB lautet, verzeichnete einen Verlust von 878 Millionen Euro. Das liegt vor allem daran, dass die böse Bank Griechenland-Anleihen neu bewerten muss, denn auch solche Anleihen gehören zu dem, was in Good Banks nichts mehr zu suchen hat. Wie viele Milliarden der Untergang der WestLB damit letztlich kostet, wissen wir nicht. Die Erste Abwicklungsanstalt hat eine Risikovorsorge für zu erwartende Verluste von 3,3 Milliarden Euro gebildet. Wenn es so weiter geht wie jetzt, wird das aber nicht reichen. Und wer der Wahlsieger in Nordrhein-Westfalen auch wird, er wird das Problem haben, dass es die Bad Bank noch gibt, auch wenn die Good Bank in diesem Fall längst untergegangen ist.

Schwache Citi

Die US-Großbank Citigroup kommt nicht in Fahrt. Vorstandschef Vikram Pandit konnte für das erste Quartal zwar einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Dollar und damit fast so viel wie im Vorjahr präsentieren. Doch der andauernde Konzernumbau und hohe Rückstellungen für faule Kredite belasten das drittgrößte US-Institut, das zu allem Unglück auch noch durch den US-Banken-Stresstest gefallen war. Eine echte Wachstumsstory, mit der zuletzt der große Rivale JP Morgan aufwarten konnte, haben wir bei Citi heute vergeblich gesucht. Aber bevor dass jetzt jemand als Kritik auffasst - seit der Finanzkrise ist es uns schon lieber, wenig zu zeigen, als viel zu versprechen und nichts zu halten.

Henkel verteilt Geldsegen

Gute Kritiken hat heute Henkel-Chef Kasper Rorsted bekommen. Er hatte Hauptversammlung und die Aktionäre erfuhren von ihm, dass der Konzern aus Klebstoffen, Reinigungsmitteln und Kosmetik seine wieder gewonnene Stärke als Grundlage für eine Expansion nutzen will. Radikale Änderungen in der Unternehmensstruktur sind dagegen nicht zu erwarten. „Herr Rorsted, Glückwunsch, das war eine Meisterleistung“, sagte die Vertreterin der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger. Dass die Aktionäre so gut gelaunt waren, hängt auch damit zusammen, dass sie die höchste Dividende in der Unternehmensgeschichte erwarten dürfen. Wenn Hauptversammlungen so etwas wie Gottesdienste sind, dann ist die Dividende offenbar der Segen.

Die Wirkung der EZB-Medizin lässt nach

Sorgen um das Euro-Schwergewicht Spanien haben dem Euro heute zugesetzt. Vor allem am Markt für Staatsanleihen verschärfte sich die Lage erneut. Die Rendite für spanische Staatstitel hat erstmals in diesem Jahr die Schwelle von sechs Prozent überschritten. Hohe Rendite heißt, dass die Spanier viel zahlen müssen, damit überhaupt noch jemand bei ihren Anleihen zukauft. Und wer mehr als sechs Prozent zahlt, macht automatisch ziemlich hohe neue Schulde - ein Teufelskreis. Ganz so schlimm wie im November 2011 ist die Situation aber noch nicht: Damals waren auch wichtige Kernländer Europas wie Frankreich von den Turbulenzen erfasst worden. Für nachhaltige Beruhigung hatte erst die Europäische Zentralbank sorgen können, als sie den Finanzsektor mit zwei riesigen Geldspritzen über insgesamt eine Billion Euro flutete. Die Wirkung dieser Liquiditätsflut scheint mittlerweile nachzulassen. Wie geht es weiter, Herr Draghi?.

Currywurst ist SPD

Das hatte sich die SPD fein überlegt: Bürgernah, modern und netzaffin wollten sich die Sozialdemokraten im nordrhein-westfälischen Wahlkampf präsentieren. Erreichen wollten sie das durch eine Mitmachaktion: Fünf Wahlplakate ließ die Partei von einer Werbeagentur gestalten, das sechste sollte direkt aus dem Netz kommen. Auf der Internetseite plakat.nrwspd.de riefen die Sozialdemokraten ihre Sympathisanten auf, eigene Vorschläge für ein Plakat einzureichen. „Welches Thema liegt Dir am Herzen?", fragten die Initiatoren. Seit Montagnachmittag weiß die SPD, was der Netzgemeinde besonders am Herzen liegt: Ein Gericht, das Ketchup-Majo-Gourmets an einschlägigen Imbissbuden im Ruhrgebiet als „Manta-Platte“ oder auch als „Pommes Schranke mit Curry“ bestellen können. Denn genau dieses Motiv ziert das Siegerplakat. Darüber prangt der Slogan „Currywurst ist SPD“.

Einen unbeschwerten Montagabend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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Rapid

16.04.2012, 19:23 Uhr

Die Currywurst, die Currywurst,
die ist mir ganz egal,
die Currywurst, die Currywurst
ist nicht mehr rot, doch fahl.

Sie wurde fahl vor lauter Schreck
wie konnte das wohl sein?
Piraten raubten ihr den Speck,
jetzt schrumpft sie leider ein.

schönen abend rapid

Account gelöscht!

16.04.2012, 21:17 Uhr

Was passiert eigentlich mit den ganzen Gebäudekomplex der WestLB? Das steht ja alles bald leer? Bleibt ja nur der Briefkasten von der Bad Bank übrig.

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