Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2013

19:23 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Flug ins Ungewisse

VonStefan Menzel

Der Dreamliner will immer noch nicht richtig fliegen. Bei Loewe und in der Autobranche wachsen die Probleme. Zum Glück gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer in den Flutgebieten. Der heutige Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bitte keinen Dreamliner!

Was soll man Boeing und seinem vermeintlichen Wunderflugzeug Dreamliner eigentlich noch wünschen? Erst geraten die Batterien im Flugzeug in Brand, jetzt gibt es plötzlich Probleme mit der Enteisungsanlage. Da stellt sich natürlich die Frage: Wann wird dieses Flugzeug einmal keine Schlagzeilen mehr machen? Irgendwie hat Boeing das Flugzeug nicht richtig im Griff. Bis alle Probleme beseitigt sind, wird es sicherlich noch dauern. Ich würde auf absehbare Zeit - wenn möglich - einen Bogen um den Dreamliner machen. Ein bis zwei Jahre wird der US-Konzern wohl noch brauchen. So ist das leider heutzutage: Das Produkt reift beim Kunden.

Miserables Jahr beim Auto

Daran ist leider nicht mehr zu rütteln: Für die europäischen Automobilhersteller wird 2013 ein extrem miserables Jahr. Vor allem wegen der Euro-Krise fallen die Verkaufszahlen besonders in Südeuropa. Aber auch in den vermeintlich sicheren Märkten wie etwa Deutschland geht es beim Autoverkauf drastisch bergab. Wie gut, dass die deutschen Hersteller noch ihre außer-europäischen Märkte haben: Die USA und China sorgen dafür, dass das Ergebnis zum Jahresende doch noch vergleichsweise gut aussehen wird. Hoffentlich dauert die Durststrecke in Europa nicht zu lange. Nordamerika und Asien werden schlechte Zahlen im europäischen Stammgeschäft nicht immer ausgleichen können.

Nur noch wenig Zeit für Loewe

Zum ökonomischen Alltag gehört leider auch, dass weniger erfolgreiche Unternehmen vom Markt verschwinden müssen. Jetzt gerät auch eine deutsche Industrie-Ikone in Gefahr, der TV-Gerätehersteller Loewe. Mehr als die Hälfte des Grundkapitals ist aufgezehrt, da ist der Weg zum Insolvenzverwalter normalerweise nicht mehr besonders weit. Loewe startet einen letzten Versuch, um das drohende Ende doch noch irgendwie abzuwenden. Aber machen wir uns nichts vor: Deutschland ist schon lange kein Produktionsstandort mehr für Unterhaltungselektronik. Was ist aus Telefunken und Nordmende geworden? Namen, die kaum noch jemand kennt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Loewe dasselbe Schicksal droht.

Besser geflutet als überschwemmt

Das Elbe-Hochwasser überschwemmt zwar gerade die ersten Gemeinden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Doch trotzdem gibt es langsam die ersten vorsichtigen Anzeichen, dass das Schlimmste bald überstanden sein könnte. Zumindest weiter flussaufwärts in Sachsen und Sachsen-Anhalt gehen die Pegelstände zurück. Welche Lehren gibt es aus dieser Katastrophe? Natürlich muss sich niemand der Natur schutzlos preisgeben. In diesem Fall sind aber noch mehr und höhere Deiche die falsche Antwort. Die Elbe braucht ganz dringend neue Flutzonen, auf denen sich der Fluss beim nächsten Hochwasser ausbreiten kann. Denn besser stehen Felder unter Wasser als die Wohnungen in den Städten und Gemeinden entlang der Elbe.

Nie mehr Brockhaus

Wann haben Sie zum letzten Mal einen Brockhaus in den Händen gehalten? Seien Sie ehrlich: Wahrscheinlich können Sie sich nicht einmal mehr daran erinnern. Der Medienriese Bertelsmann hat angekündigt, dass Deutschlands bekanntestes Nachschlagewerk verschwinden wird. Eine wirklich vernünftige Entscheidung. Niemand braucht heute noch diese dicken Schwarten, die allenfalls dem Wohnzimmer-Regal einen Hauch von Intellektualität einhauchen. Mit dem Computer geht das heute alles viel schneller und besser – ein ganz herzliches Dankeschön an die IT-Branche.

In diesem Sinne, einen schönen Abend wünscht

Stefan Menzel

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Eva_B

11.06.2013, 20:16 Uhr

Haben Sie nicht ein ganz wichtiges Ereignis heute vergessen, Herr Menzel?

Account gelöscht!

11.06.2013, 20:30 Uhr

"Was vom Tage bleibt" ?

Fehlt da nicht ein ganz wichtiger Tagesordnungspunkt aus Karlsruhe, Herr Menzel?

Ich_kritisch

11.06.2013, 20:36 Uhr

Zitat: "Denn besser stehen Felder unter Wasser als die Wohnungen in den Städten und Gemeinden entlang der Elbe."

Bitte nicht vergessen, hinter jedem der Felder steht ein Landwirt mit seiner Existenz!
Und wenn die Lebensmittelpreise steigen leidet auch die Allgemeinheit. Es ist leicht gesagt, dann sollen doch die Felder geflutet werden - und was ist mit den Bauernhöfen inmitten den Feldern? Ab und zu rate ich dazu erst mal alle Informationen zu sichten - dann zu denken - und erst danach etwas von sich zu geben ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×