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20.04.2015

18:58 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Meister der Legende

VonOliver Stock

Thomas Middelhoff kommt erstmal auf freien Fuß. Als Manager war er eine Legende. Als Häftling war er auf dem Weg dahin. Details dazu und was heute sonst noch geschah, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wieder frei

Thomas Middelhoff kommt auf freien Fuß. Das Gericht hat den Haftbefehl gegen ihn ausgesetzt. Gegen den ehemaligen Arcandor-Chef, der gerne mal mit dem Hubschrauber zur Arbeit flog, gibt es kein rechtskräftiges Urteil. Dass er wegen Untreue und Steuerhinterziehung am Tag des Prozessendes gleich in den Bau fuhr, lag vor allem daran, dass die Richter befürchteten, er wolle fliehen. Im Gefängnis ist er krank geworden, sagen seine Anwälte. Sicher ist: Als Manager ist Middelhoff Geschichte. Zum Justizopfer taugt seine Geschichte aber sicher nicht.

Wo unsere Schuld liegt

Uns Europäer plagt, wenn wir wir auf Afrika blicken, ein geradezu angeborenes schlechtes Gewissen. Ein halbes Jahrhundert nach dem Ende jeder europäischen Kolonisationspolitik erklären wir uns notorisch für jede noch so indirekte negative Folge dieser Kolonisation zuständig. Wenn sich Millionen Menschen in der Not entscheiden, ihre Heimat und ihre Familien zu verlassen und mit Hilfe von kriminellen Schleppern den lebensgefährlichen Weg nach Europa anzutreten, dann hat nicht Europa diese Entscheidung verursacht, sondern es sind jene unfähigen Regime, die seit Jahrzehnten nicht in der Lage sind, diese Länder in einen lebenswerten Zustand zu versetzen. Wir machen uns schuldig, wenn wir den Flüchtlingen nicht helfen. Aber wir sind unschuldig daran, dass sie überhaupt kommen.

Streik ist die beste Werbung

Heute Post und Kita, morgen die Lokführer. Gestreikt wird in Deutschland gefühlt mindestens so häufig wie im wilden Frankreich. Die Statistik gibt dem Gefühl nicht recht. 2014 haben weniger Menschen in Deutschland gestreikt als in den Jahren zuvor. Die Experten sprechen von einem „Strukturwandel des Arbeitskampfes“. Was sie damit meinen: Es sind oft kleine Berufsgruppen, deren Gewerkschaft auf sich aufmerksam macht. Das hilft manchmal weniger den Interessen der Arbeitnehmer als vielmehr der eigenen Mitgliederwerbung.

Der Anleger als Verzweifelungstäter
Der Ex-Chef der Fondsgesellschaft Wölbern, Heinrich Maria Schulte, ist zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er das Geld von Anlegern nach Meinung des Gerichts am Ende auch für Segeljachten und Helikopterskiing verwendet hat. „Er verfügte über Fondsgelder so, als wenn sie ihm gehörten“, sagte der Richter. Die Wölbern-Fonds versprachen eine hübsche Rendite. Der Prozess ging deswegen nicht nur um die Machenschaften des Herrn Schulte, sondern auch um die Verzweiflung der Anleger. Wo sichere Zinsen nicht mehr fließen, haben Nepper, Schlepper und Bauernfänger ein leichtes Spiel. Wer Eduard Zimmermann noch kennt, wüsste, dass ihm die Themen niemals ausgegangen wären.

Einen völlig renditelosen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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