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23.02.2012

18:09 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Streik der Enttäuschten

VonFlorian Kolf

Die Abstimmung mit den Füßen schlägt wieder zu: Anleger entziehen Commerzbank und Deutscher Telekom das Vertrauen. Und immer mehr Autofahrer wollen Tankstellen bestreiken. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Enttäuschte Anleger

Commerzbank-Chef Martin Blessing enttäuschte heute wieder alle. Obwohl die Bank ihr Ergebnis im Schlussquartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 316 Millionen Euro steigern konnte, fiel die Resonanz der Anleger verheerend aus. Um zeitweise bis zu 10 Prozent stürzte der Aktienkurs ab. Sie irritiert wohl hauptsächlich, dass Blessing keine Gewinnprognose abgab. Dabei haben es die Aktionäre im Vergleich zum Staat noch gut. Da die Commerzbank-Bank nach HGB einen Verlust im abgelaufenen Jahr erwirtschaftet hat, fällt die Zinszahlung für die stille Einlage des Staates erneut komplett aus. Angesichts der vielen Altlasten, die das Institut noch mit sich herumschleppt, dürfte Blessing noch so manche Enttäuschung für seine Anteilseigner bereit halten.

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Keine guten Nachrichten für seine Aktionäre hatte auch Rene Obermann. Die schlechte Geschäftsentwicklung der griechischen Tochter OTE und von T-Mobile USA zu Buche verdarben seine Jahresbilanz. Der Chef der Deutschen Telekom musste einräumen, dass der Überschuss des Unternehmens 2011 auf 557 Millionen Euro gesunken ist - von 1,7 Milliarden vor einem Jahr. Analysten hatten etwa sechs Mal so viel Überschuss erwartet. Da stellen sich zwei Fragen: Wie will es Obermann schaffen, in absehbarer Zeit diese Problemtöchter wieder zum Erfolg zu führen? Und in welcher Welt leben eigentlich die Analysten, die eine solche Performance bei der Telekom erwartet hatten?

Streik gegen Tankstellen

Die Nase voll haben viele Autofahrer mittlerweile von den hohen Benzinpreisen. Mehr als eine Million Menschen wollen sich an einer symbolischen Facebook-Aktion beteiligen, und am 1. März aus Protest die Tankstellen bestreiken. Klingt merkwürdig, wo doch die Grünen vor Jahren schon einen Benzinpreis von fünf Mark gefordert hatten und dafür auch nicht vom Hof gejagt wurden. Doch der Unterschied ist klar: Damals war eine energiepolitischer Kurs erkennbar - auch wenn er von vielen nicht geteilt wurde. Heute dagegen fährt die Regierung einen energiepolitischen Schlingerkurs - und viele fühlen sich nur noch abkassiert.

Planlose Energiepolitik

Ein schönes Beispiel dafür ist der Streit um die Solarförderung. Was das Handelsblatt gestern schon berichtete ist heute offiziell: Die Förderung der Solarenergie, jahrelang ohne Sinn und Verstand betrieben, soll jetzt erneut gekürzt werden. Energiepolitik nach Haushaltslage, die sich auch noch alle paar Wochen wieder ändert, entstanden als fauler Kompromiss einer zerstrittenen Regierung. Ein Konzept sieht anders aus.

Was fehlt? Ein Mitarbeiter des hessischen Kunstministeriums hat Tausende historische Bücher gestohlen. In seinem Haus fand die Polizei rund 5.000 wissenschaftliche Werke aus Bibliotheken in ganz Deutschland. Ich finde es ganz beruhigend, dass angesichts des Hypes um digitale Inhalte auch noch jemand Bücher schätzt.

Ich wünsche ihnen einen angenehmen Feierabend, vielleicht mit einem guten Buch,

Florian Kolf

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Kommentare (13)

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oops

23.02.2012, 18:43 Uhr

Bei aller, durchaus berechtigten, Kritik: Coba hatte, wenngleich eine Tranche, zurückgezahlt.
Da kann schonmal ein Zinsausfall wg Zahlung eintreten.
______

Sorge bereitet indes eine ggf redaktionell veranlaßte Forumskappung in Sachen Ahmadinedschad ("Iran sitzt in der Falle".)
Gleichwohl, sollte das Forum "höhergeleiteten" Überlegungen, rein "kriegstechnisch" zum Opfer gefallen sein: np.
Auch ich wünsche ihnen einen angenehmen Feierabend, vielleicht mit einem guten Buch.
Wie wäre es mit dem Zoroaster?
Hoffen wir nicht, dass das als Rassistische Lektüre verstanden wird.
Bedauerlich bleibt es gleichwohl.

Mit besten Grüßen

Old_Player

23.02.2012, 19:09 Uhr

zitat....Commerzbank-Chef Martin Blessing enttäuschte heute wieder alle. Obwohl die Bank ihr Ergebnis im Schlussquartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 316 Millionen Euro steigern konnte, fiel die Resonanz der Anleger verheerend aus. Um zeitweise bis zu 10 Prozent stürzte der Aktienkurs ab. Sie irritiert wohl hauptsächlich, dass Blessing keine Gewinnprognose abgab. [...] zitat

Lustig. Ich glaube kaum das hier die Fundamentalisten am Werk sind. Das ist und bleibt noch eine Weile eine Zockeraktie.

stomping_ground

23.02.2012, 19:29 Uhr

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