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11.11.2014

19:19 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Streit ums Geld

VonStefan Menzel

Die Aufsichtsräte verdienen besser, Russland liefert dem Iran neue Kernreaktoren. Der Maybach kommt wieder, Katalonien will in die Freiheit und der EuGH begrenzt die Sozialhilfe für Ausländer. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Neid und die Kontrolleure

In Deutschland greift allzu gern der Sozialneid um sich. Besonders kritisch ist der Volksmund mit den Spitzenverdienern aus der Wirtschaft, denen so mancher die zugegeben hohen Gehälter neidet. Das dürfte auch jetzt wieder passieren, wenn die neuen Aufwandsentschädigungen für Aufsichtsräte die Runde machen. Die Bezüge der Top-Kontrolleure sind in diesem Jahr um vier Prozent gestiegen, ein Aufsichtsratsvorsitzender verdient jetzt im Schnitt 365.000 Euro. Es ist richtig so, dass die Aufsichtsräte entsprechend gut entlohnt werden. Sie machen einen wichtigen und verantwortungsvollen Job. Mögen das die Sozialneider auch anders sehen.

Weg der Trennung

Es ist eine gefährliche Annäherung, die sich da abzeichnet. Russland wird dem Iran zwei neue Atomreaktoren liefern. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, zu dem der Westen mit dem Iran über eine Verkleinerung von dessen Atomprogramm verhandelt. Russland schert also auch in diesem Punkt wieder einmal aus und betreibt seine eigene Außenpolitik. Machen wir uns nichts vor: Die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland sind an einem neuen Tiefpunkt angelangt, nicht mehr nur wegen der Ukraine-Krise. Und es sieht überhaupt nicht danach aus, dass auf absehbare Zeit eine Besserung eintreten würde.

Die große Volte

Daimler überrascht seine Aktionäre und seine Kunden immer wieder aufs Neue. Vor ein paar Jahren abgeschafft und die Produktion eingestellt soll er nun doch wieder kommen, der Maybach, die Spitzenkarosse aus dem Daimler-Konzern, die noch oberhalb der S-Klasse von Mercedes angesiedelt ist. Das Hin und Her in Stuttgart wirkt befremdlich. Das frühere Maybach-Projekt ist wegen Erfolglosigkeit gestoppt worden, jetzt soll sich der Wind auf einmal gedreht haben? Der Maybach ist nicht das erste Modell aus dem Daimler-Konzern, das erst stirbt und dem plötzlich neues Leben eingehaucht wird. Ähnlich war es auch beim viersitzigen Smart, den es jetzt ebenfalls wieder zu kaufen gibt. Strategisch klare Entscheidungen in einem Unternehmen sehen jedenfalls anders aus.

Spanisches Zögern

Der Streit zwischen der spanischen Zentralregierung in Madrid und den auf Eigenständigkeit drängenden Katalanen geht in die nächste Runde. Die Regionalregierung in Barcelona will jetzt noch einmal ein Referendum versuchen, ähnlich der Abstimmung in Schottland vor wenigen Wochen. Der Widerstand in Madrid ist völlig anachronistisch. Wenn sich eine Mehrheit der Katalanen für die Unabhängigkeit ausspricht, dann muss Madrid sie ziehen lassen. Rest-Spanien mag ein solcher Schritt gewaltig weh tun, aber das Selbstbestimmungsrecht gilt auch für die Katalanen.

Voll oder leer?

Ist das Boot schon voll, noch leer oder vielleicht gerade halbvoll? Deutschland streitet darüber, wie viele Menschen aus dem Ausland bei uns noch Platz haben. Ein solch reiches und wohlhabendes Land wie die Bundesrepublik ist sicherlich noch lange nicht am Ende seiner (Aufnahme-)Möglichkeiten angekommen. Das heißt aber nicht, dass jeder Neuankömmling sofort den Anspruch auf den gesamten Katalog sozialer Unterstützung besitzt. Der Europäische Gerichtshof hat am Dienstag klargestellt, dass die Leistungen von Hartz IV nur derjenige in Anspruch nehmen darf, der auch tatsächlich hier arbeiten will. Eine wegweisende Entscheidung. Wer in Deutschland lebt, der muss auch seinen Beitrag leisten.

Einen angenehmen und erholsamen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (1)

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Herr Heinz Klein

12.11.2014, 09:58 Uhr

Bei der Einordnung der Daimler-Entscheidung kommt es stark auf die Sichtweise an. Vom Marketing her mögen sowohl Maybach als auch der von Ihnen angesprochene Smart Forfour fragwürdig sein. Aus Produkt-Sicht sieht das anders aus. Der alte Forfour war eine Krücke auf Mitsubishi-Basis mit vielen Qualitätsproblemen. Der neue Forfour ist näher am zweisitzigen Smart und wurde zusammen mit Renault entwickelt - und die können gute Kleinwagen bauen. Der neue Maybach (oder Mercedes-Maybach) hat auch nichts mehr mit der gescheiterten 500.000-Euro-Limousine von 2002 zu tun. Er ist eine Luxus-S-Klasse - und damit auch vom Preis viel näher an der S-Klasse als an der halben Million. Was fragwürdig erscheint, kann sich am Ende trotzdem gut verkaufen. Abgesehen von irgendwelchen historischen Modellen, die gescheitert sind, denke ich, dass beide neuen Modelle erfolgreich werden können.

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