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13.03.2012

19:25 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Tag der Optimisten

VonOliver Stock

Der Dax ist ganz oben. Porsche, BMW und VW sind es auch. Da hat Jens Weidmann an sich keine Chance, diesen Tag zu vermiesen. Der Bundesbankpräsident versuchte es trotzdem.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Dax schnuppert Höhenluft

Heute war ein optimistischer Tag: Der Dax hat es zum ersten Mal seit Sommer vergangenen Jahres über die Marke von 7000 Punkten geschafft. Auslöser waren die aus Anlegersicht lichtvollen Konjunkturperspektiven. Der ZEW-Index hat zum Beispiel, zumindest was die dort festgehaltenen Erwartungen betrifft, die Prognosen deutlich übertroffen. Am Nachmittag überzeugten dann die Einzelhandelsdaten aus den USA. Geht es jetzt weiter nach oben? Drohen Rückschläge? Darüber entscheiden diejenigen, denen es gelingt die Stimmung an der Börse zu beherrschen. Die Pessimisten sehen kein Ende der Schuldenkrise, die Optimisten bemerken, dass trotz Schuldenkrise doch alles ganz prächtig läuft. Ich finde, es lohnt sich heiter zu sein.

Glückliche Autobauer

Warum? Weil auch andere Grund zur Freude haben. Beispielsweise die deutschen Autobauer. Nie zuvor verkauften die Hersteller mehr Autos, nie zuvor strömte so viel Geld in die Kassen. Porsche, BMW, VW - alle laufen auf allen Zylindern. Nur Opel hat nach wie vor Fehlzündungen. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass allen Herstellern die jüngste Wirtschaftskrise zu schaffen machte. Zu spät sei die Branche auf Themen wie Elektroautos angesprungen, mussten sie sich anhören. Zu lange habe sie an großen und teuren Autos festgehalten, lautete die Schelte. Doch die Krise blieb eine Delle. Vor dauerhaften Verformungen hat die Deutschen allerdings nicht der brummende Absatz zu Hause bewahrt, sondern der Weltmarkt. In Asien läuft es immer besser und in Amerika auch schon wieder. Nur hierzulande, da warten die Kunden auf coole Elektroautos, die leider nicht in Fahrt kommen. Sie sehen, dass immer mehr Firmen Allianzen schmieden, um zu Überleben. Und sie zählen die Überkapazitäten, die die europäischen Fabriken der Autobauer schaffen. Es sind leider doch nicht nur Optimisten unterwegs.

Unglücklicher Bundesbank-Präsident

Nicht zu den Optimisten gehört auch Jens Weidmann. Der Bundesbank-Chef hat heute Bilanz für das vergangene Jahr gezogen, und was jeder ahnte ist eingetreten: Der Gewinn ist gewaltig eingebrochen. Schuld waren die Risiken, die die Notenbank infolge der Euro-Krise unfreiwillig eingegangen ist. Die Bundesbank traf in ihrer Bilanz für 2011 Vorsorge für den Fall, dass sie infolge der Krise einen Teil ihres verliehenen Geldes verliert. Dabei geht es vor allem um die Staatsanleihen, die die Europäische Zentralbank in den vergangenen zwei Jahren massenhaft aufkaufte, und um die Kredite an Banken. So weit, so pessimistisch. Wenn jetzt die Politik darüber enttäuscht sein sollte, nur ein paar Millionen und keine Milliarden aus Frankfurt für den Staatshaushalt verbuchen zu können, dann stellt Weidmann eines klar: Die Notenbanken seien nicht geeignet, sagt er, um die Euro-Krise an der Wurzel zu packen. Das könne nur die Politik leisten. „Eine Vertrauenskrise löst man nur, indem man sich das Vertrauen relativ mühselig zurückerarbeitet.“

Alte Freunde im Exil

Der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte vor seinem Abtritt mehrere Dinge ausgeschlossen: Etwa, dass ihm eine Doppelspitze folgt. Das ist dann doch passiert. Auch dass er als munterer Aufsichtsrat durch das Nach-Deutsche-Bank-Leben schreitet, war für Ackermann tabu. Dieses Tabu hat er heute gebrochen: Ackermann soll beim Versicherer Zurich Financial Services Ende März die Leitung des Verwaltungsrates übernehmen. Ironie dabei: Um die Ecke von Zurich Financial steht die UBS. Dort waltet Axel Weber an der Spitze des Verwaltungsrates. Ihn hätte Ackermann eigentlich gern als seinen Nachfolger bei der Deutschen Bank gesehen. Daraus wurde nichts. Nun sehen sie sich im Zürcher Exil und können beim Apéro alten Zeiten nachhängen. Gönnen wir's ihnen.

Einen optimistischen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.03.2012, 07:18 Uhr

Sehr geehrter Her Stock,
m.E. haben Sie in Ihrem recht kurzfrisitg untermauerten Optimismus eine wesentliche Tatsache für die Erfolge der deutschen Autobauer ausgelassen: Die noch anhaltende relative Schwäche des EURO gegenüber enigen Fremdwährungen. So beflügelt ein beachtlich überbewerteter Australischer Dollar den Import aus der EU erheblich durch eine Abwertung des EURO von mehr als 20 Prozent.

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