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14.07.2015

19:25 Uhr

Was vom Tage bleibt

Der Wackler aus Athen

VonStefan Menzel

Der griechische Premier fürchtet den Widerstand der eigenen Partei, deutsche Produkte sollen boykottiert werden. Iran schafft die Einigung mit dem Westen, BMW leidet in China und RWE fördert weniger Kohle. Der Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Warten auf die endgültige Rettung

Griechenland ist noch lange nicht gerettet. Zum großen Unsicherheitsfaktor wird die griechische Regierung. Ministerpräsident Alexis Tsipras trägt die Übereinkunft von Brüssel zwar mit. Doch von Tag zu Tag wächst der Widerstand in seiner eigenen Syriza-Partei. Wenn es ganz schlecht läuft, ist Tsipras schon am Wochenende nicht mehr Regierungschef in Athen. Dann würde ausgerechnet der Mann ausscheiden, der das Paket von Brüssel mit ausgehandelt hat. Ohne Tsipras droht dem Pakt ein ganz schnelles Ende. Die Griechen haben es selbst in der Hand. Rest-Europa ist einen großen Schritt auf sie zugekommen und sichert jetzt das Überleben des Landes. Noch mehr Kompromissbereitschaft der Gläubigerländer ist nicht mehr zu erwarten. Die anderen Euro-Länder haben das Portemonnaie trotz der bestehenden Zweifel sehr weit geöffnet. Griechenland darf den Bogen nicht länger überspannen, noch mehr Geld wird es nicht geben.

Der falsche Boykott

Die Tage vor der Brüsseler Einigung sind aufreibend und nervenraubend gewesen, keine Frage. Mit harten Bandagen ist bis zum Schluss gekämpft worden, sehr viel Emotion war immer mit im Spiel. Das heißt aber nicht, dass alles erlaubt ist. Das gilt selbstverständlich auch jetzt noch, kurze Zeit nach dem Kompromiss der Gläubigerstaaten mit Griechenland. Im Internet kursiert ein Boykott-Aufruf gegen deutsche Produkte: So etwas geht definitiv zu weit. Deutschland mag zwar bis zum Schluss eher die harte Linie gegenüber Athen gefahren haben. Aber wer zu diesem Boykott aufruft, sollte eines nicht vergessen: Deutschland hilft Griechenland mit Milliarden, auch jetzt wieder.

Der gute Deal

Nach dem Verhandlungserfolg von Brüssel hat die Diplomatie an diesem Dienstag ein zweites Mal gesiegt. Es war ein langes, zähes Ringen: Endlich ist die Übereinkunft mit dem Iran über die friedliche Nutzung der Atomenergie durch. Teheran verpflichtet sich zum Verzicht auf Kernwaffen und erlaubt auch die dafür nötigen Inspektionen im eigenen Land. Vielleicht haben wir Glück und dieses Abkommen steht für eine Zeitenwende: Dass nämlich der Iran seinen Paria-Status dauerhaft verliert und wieder normale Beziehungen zum Westen pflegt. Träumen wir doch einfach einmal und hoffen. Das Öl wird jedenfalls jetzt schon billiger.

Warnung aus Fernost

Die deutschen Premiumhersteller gelten eigentlich als unverwundbar. Daimler, Audi, Porsche und BMW sind überall auf der Welt Namen mit großem Klang. Doch auch Riesen haben ihre Schwächen. Sogar BMW bekommt jetzt die Probleme des chinesischen Automarktes zu spüren. Auch in China geht die Zeit der wunderbaren Wachstumsraten irgendwann einmal zu Ende. Der Zeitpunkt für die Trendwende scheint jetzt gekommen zu sein. Die deutschen Autoriesen müssen sich umstellen: Die Geschäfte werden härter, unfreundlicher, frostiger. Eben auch in China.

Schlechte Zeiten für die Kohle

Die Atomkraft ist in Deutschland schon länger auf dem Rückzug, jetzt geht es auch den mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerken an den Kragen. Die Energiewende und der damit verbundene massive Ausbau von Wind- und Solarstrom sorgen dafür, dass die klassischen Kohlekraftwerke kaum noch wirtschaftlich zu betreiben sind. Energiekonzerne wie RWE ziehen daraus ihre Konsequenzen und fahren die eigene Braunkohleförderung zurück. Ein logischer Schritt: Deutschland braucht weniger Kohle, wenn Sonne und Wind zulegen können. Natur und Umwelt werden sich bedanken, in der Luft ist weniger Dreck.

Einen erholsamen Abend wünscht Ihnen aus Düsseldorf

Stefan Menzel

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