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14.09.2015

18:40 Uhr

Was vom Tage bleibt

Deutschland in den Grenzen vom 14. 9. 2015

VonOliver Stock

Die Kanzlerin hat sich verrechnet und muss den Rückfall in den Nationalstaat mitansehen. Die Deutsche Bank rechnet nach und der Elektroauto-Trend rechnet sich nicht. Was Sie über diesen Tag wissen sollten, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

Von wegen gelobtes Land

Die Kanzlerin, die eben noch als Mutter Courage der Flüchtlinge die Herzen rührte, legt eine 180-Grad-Wende hin und lässt die Grenzen Richtung Osten dichtmachen. Drei Schlüsse sind erlaubt: Erstens hat sie die Lage unterschätzt. Mit ihrer Geste der Großzügigkeit hat sie Hoffnungen geweckt, die Deutschland nicht erfüllen kann. Sie muss sich fragen lassen, ob etwas weniger Euphorie und etwas mehr Realitätssinn den Menschen nicht am Ende mehr hilft als das nicht haltbare Versprechen: Alle dürfen kommen. Zweitens sendet die Bundesregierung ein Signal an den Rest Europas aus. „Wenn ihr euch nicht an der Aufnahme der Flüchtlinge beteiligt, dann können wir auch anders“, lautet die Botschaft. Die Nachbarländer Deutschlands werden sehr schnell selbst erfahren, was es heißt, als gelobtes Land für die Flüchtlinge zu gelten. Drittens zeigt die Entscheidung, wie schnell eine außergewöhnliche Situation europäische Grundwerte außer Kraft setzt: Die Freizügigkeit, für die Generationen vor uns gekämpft haben, wird mal eben abgeschafft, weil Europa nicht in der Lage ist, die Flucht der Menschen auf unseren Kontinent zu organisieren. Statt in Solidarität üben sich die EU-Staaten in Egoismus. Dieser letzte Punkt ist für mich der entscheidende: Die Kanzlerin mag sich drehen und die Bundesregierung mag drohen. Aber Grenzen wieder einzuführen, die längst verschwunden waren – das ist das Symbol für den Rückfall in den Nationalstaat, das am meisten wehtut.

Deutsche Bank rechnet nach

Bei der Deutschen Bank sind von den knapp 100.000 Mitarbeitern mehr als 40.000 Menschen mit Verwaltungstätigkeiten ohne Kontakt mit Kunden beschäftigt. Der neue Chef John Cryan hat diese Zahlen vor Vorstand und Aufsichtsrat ausgebreitet und damit die Erkenntnis genährt: Dienst am Kunden sieht wahrscheinlich anders aus.


Von Hype zu Hype

Auf der Automesse IAA in Frankfurt sind in diesem Jahr Elektroautos nur noch Randerscheinungen. Das liegt daran, dass diese Modelle einfach nicht auf nennenswerte Stückzahlen kommen. Und es zeigt, dass nicht jeder Hype ein Trend wird. Die Frage ist, wie nachhaltig es um den aktuellen IAA-Hype rund ums selbstfahrende Auto bestellt ist.

Aus der Affäre gezogen

Facebook will eine Kampagne gegen Rassismus starten und strebt beim Umgang mit Hassbotschaften eine freiwillige Selbstkontrolle an. Was ich nicht verstehe, ist, warum wir hier beim Handelsblatt die Verantwortung für die Kommentare unserer Leser tragen, sich Facebook aber aus der Affäre zieht.

Die Fifa im Visier

US-Justizministerin Loretta Lynch will die Ermittlungen gegen die Fifa ausdehnen. Wäre der Prozess ein Fußballspiel, so stünde es derzeit etwa 4 zu 1 für die Fifa. Allerdings sind auch erst knapp fünf Minuten gespielt.

Ein politischer Tod

Wegen eines traurigen Vorfalls müssen die Bürger im nordrhein-westfälischen Bad Münstereifel nochmal wählen: Der SPD-Kandidat und dreifache Familienvater Werner Esser erlitt kurz vor Schließung der Wahllokale einen Kollaps und starb. Er war der eindeutige Wahlgewinner. Der Mann ist für seine Aufgabe gestorben. In den Ohren seiner Familie mag das wie das Kondolenzschreiben eines Generals an die Soldatenwitwe klingen. Seien sie wacker!

Einen ruhigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (15)

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Sergio Puntila

14.09.2015, 19:04 Uhr

"Deutschland in den Grenzen vom 14. 9. 2015"
_________

Daran wird sich kaum etwas ändern, ausser im Diercke Weltatlanten aus 1927.
Hauptsache "sie" beneiden uns um unsere sorgsam gehegten Vorgärten.

Ja dann ist doch alles im Fett.

Herr C. Falk

14.09.2015, 19:05 Uhr

Herr Stock, Sie irren, die Grenzen waren in Latenz immer da und waren nie "verschwunden".

Die Dimensionen des Politischen sind für einen Angehörigen Ihrer Generation zugegebermaßen schwer zu begreifen und auszumessen.

Das sei Ihnen zugestanden.

Herr Horst Meiller

14.09.2015, 19:14 Uhr

Ein Rückfall in den Nationalstaat wäre das Beste, was diesem Land und seinen Bürgern passieren könnte! Alles Andere, was man uns da einreden wollte, hat kläglich versagt!
(...)

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