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14.07.2014

19:30 Uhr

Was vom Tage bleibt

Deutschland, Land des Lächelns

VonStefan Menzel

Das ganze Land freut sich über den WM-Titel, Adidas räumt ab. Citigroup zahlt in den USA Milliarden an Bußgeld, VW versucht es mit einem neuen Auto in Amerika und der Goldpreis fällt. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Mission erfüllt

Es ist vollbracht, die Nationalmannschaft hat ihre Mission erfüllt und bringt den vierten Stern am Dienstagmorgen nach Berlin. Nach vier aufregenden Wochen Fußball-WM in Brasilien wird das ganze Land wahrscheinlich in ein kleines Loch fallen. Tag ein, Tag aus immer nur Fußball. Wenn die Weltmeisterschaft zu Ende gegangen ist, fehlt plötzlich etwas. Gegenüber allen anderen Teilnehmerländern hat Deutschland jedoch den einen entscheidenden Vorteil: Mit dem Titel im Gepäck fühlt sich das Nach-WM-Loch längst nicht so groß an. Deutschland müsste einfach häufiger gewinnen, dann stellt sich das Problem überhaupt nicht mehr.

Im Sternenhimmel

Im Sport gibt es häufig genug das Prinzip Zufall. Alles lässt sich einfach nicht vorausplanen, immer bleiben Risiken. Der deutsche Sportartikelriese Adidas kennt dieses Problem zur Genüge. Auf welches Team soll man setzen? Welche Mannschaft verspricht die größten Erfolgsaussichten? Bei der WM in Brasilien hat Adidas alles richtig gemacht. Die Mannschaft mit dem größten wirtschaftlichen Potenzial, die deutsche, hat tatsächlich gewonnen. Für Adidas hängt der Himmel voller Geigen, und da oben hängt nun natürlich auch der vierte Stern.

Keine Sonderrechte

Bei Banken kennen die USA kein Pardon mehr. Neun Milliarden Dollar Strafe soll das französische Geldhaus BNP Paribas zahlen, bei der Commerzbank aus Deutschland dürften es immerhin an die 800 Millionen Dollar werden. Das weckt auf den ersten Blick den Eindruck, als ob nur die ausländischen Banken unter dem harten Zugriff der US-Finanzaufsicht zu leiden hätten. Aber weit gefehlt, es erwischt auch die heimischen Banken. Citigroup darf demnächst sieben Milliarden Dollar an den Staat überweisen. Es herrscht also Gerechtigkeit, in- und ausländische Banken müssen gleichermaßen bluten.

Rüttelstrecke

Irgendwie scheinen die Vereinigten Staaten ein rotes Tuch für Volkswagen zu sein. In den 80er-Jahren hatten es die Wolfsburger schon einmal mit einem eigenen Werk in den USA versucht. Der Ausflug endete mit einer Pleite und VW musste diesen ersten Versuch abbrechen. Jetzt soll der zweite Versuch sitzen, mit dem neuen Werk in Tennessee. Aber auch dieser zweite Ansatz bereitet den Konzernlenkern aus Deutschland schon wieder Kopfzerbrechen. Mit dem in Tennessee produzierten Passat geht es auf dem US-Markt kaum voran. Demnächst soll das neue Modell „Cross Blue“ für die Wende sorgen, ein speziell auf US-Bedürfnisse zugeschnittener Geländewagen („SUV“) soll es richten. Abwarten. Aufgrund der langen Produktions- und Entwicklungszyklen in der Autobranche dürfte eine mögliche Wende auf dem US-Markt frühestens in zwei bis drei Jahren erkennbar sein. Die Durststrecke hält also weiter an.

Keine Fluchtburg mehr

Gold verliert gewaltig von seinem (Anleger-)Charme. Auch an diesem Montag hat das Edelmetall wieder kräftige Einbußen verzeichnen müssen, um 2,5 Prozent ist der Preis für die Feinunze zu Wochenbeginn gefallen. Gold ist vor allem während der Euro-Krise die Fluchtburg für die Anleger gewesen. Mit der Beruhigung an der Krisenfront verliert auch das Gold zwangsläufig an Attraktivität. Sogar die kleine Portugal-Krise um das Bankhaus Espirito Santo von Ende vergangener Woche hat dem Goldpreis nicht helfen können. Deshalb sollte die Zuversicht wachsen, auch in Europa geht es wirklich wieder aufwärts.

Einen angenehmen Abend ohne große Aufregung durch den Fußball wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (1)

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Herr Joachim Buch

14.07.2014, 20:59 Uhr

Alles bestens, Herr Menzel? Wenn Sie Ihr eigenes Magazin aufmerksam lesen würden - insbesondere das, was dem HB als Kernkompetenz eigentlich innewohnt - nämlich Finanzen und Wirtschaft, so sollte Ihnen klar sein, daß rein gar nichts in Butter ist und zum Lächeln keinerlei Anlaß ist:
http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/ramsch-anleihen-die-zwei-billionen-dollar-blase/10195988.html
Da Sie aber bereits als einer der Hurra-Dauer-Optimisten bekannt sind, habe ich nichts anderes erwartet.
Und bezüglich des Goldpreises: Der schockt mich nicht - im Gegenteil, je tiefer er sinkt, desto mehr kaufe ich zu. Denn Gold wird im Gegensatz zu den o.A. Ramschanleihen nie nichts wert sein.
Ich bin gespannt, was Sie schreiben, wenn die Euro-Krise mit Macht zurückkehrt. Das ist kein Pessimismus und auch keine Weltuntergangssucht, sondern Realismus. Etwas, was Ihnen offenbar vollkommen fremd ist. Aber seien Sie deswegen nicht beunruhigt - ich lese das HB trotzdem weiter. Ich wünsche Ihnen ein angenehmen Abend.

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