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27.07.2015

19:11 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die echte Gefahr

VonStefan Menzel

Die Börsen in China lassen auch Europa wanken, die Türkei bombardiert die Kurden, Fiat-Chrysler muss eine Rekordstrafe zahlen und die Lufthansa führt ein neues Tarifsystem ein. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Angst der Exporteure

Die Börsen in China sind im Sturzflug. An den wichtigsten Finanzplätzen wie etwa in Schanghai ist der Montag mit seinem Rekordverlust ein rabenschwarzer Tag gewesen. Doch nicht nur in China schmerzen die Verluste, auch hierzulande rutschen die Aktien in die Tiefe. Warum wohl? Gerade Deutschland mit seinen vielen Exporten in Richtung Fernost ist extrem verwundbar, wenn es in China jetzt richtig bergab gehen sollte. Griechenland wird uns allenfalls noch als laues Lüftchen in Erinnerung bleiben. Denn die wahre Gefahr lauert in China – wenn dort der befürchtete große Einbruch wirklich kommt.

In der Ruhe liegt die Kraft

Kein Tag ohne Griechenland. Auch wenn die große Grexit-Gefahr erst einmal gebannt ist, wird uns dieses Thema noch richtig lange beschäftigen. Die Euro-Zone hat sich zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds dazu entschlossen, das klamme Land nicht in die Pleite zu schicken und flüssig zu halten. Jetzt aber stehen die ganz konkreten Fragen an: Wie geht es im Detail mit Griechenland weiter? Die große Aufregung hat sich gelegt, beide Seiten haben sich für ein dauerhaftes Miteinander entschieden. Das sollte auch die Maßgabe für die anstehenden Verhandlungen sein: noch mehr Emotionen aus den Gesprächen herausnehmen, noch unaufgeregter miteinander umgehen. Dann kann aus den ersten Verhandlungsrunden ein echter Erfolg werden.

Der falsche Feind

Die Nato steckt in einer vertrackten Situation. Die Türkei bombardiert nicht nur die Stellungen des Islamischen Staates, sondern auch die Verteidigungslinien der mit der Nato verbündeten Kurden. Dass sich die Türkei jetzt an den Luftschlägen gegen den IS beteiligt, das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung für das westliche Verteidigungsbündnis. Die Sache mit den Kurden sieht völlig anders aus. Die Nato und allen voran die USA müssen schnell dafür sorgen, dass die Attacken der Türken gegen die kurdischen Stellungen bald ein Ende nehmen. Ankara hat sich damit den falschen Feind ausgesucht. Der Kampf gegen den IS würde ad absurdum geführt, wenn das Nato-Mitglied Türkei weiter gegen die Kurden bombt. Das muss auch Ankara verstehen.

Schallende Ohrfeige

Die Bosse von Fiat-Chrysler werden diesen Montag so schnell nicht vergessen. Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde verdonnert den Autokonzern zu einer Rekordstrafe, weil die Fiat-Chrysler-Verantwortlichen die Vorgaben für einen Fahrzeug-Rückruf allzu lax umgesetzt haben. Künftig bekommt der Konzern einen eigenen behördlichen Aufseher. Er soll dafür sorgen, dass Vorgaben bei neuen Rückrufen auch wirklich eingehalten werden. Für Fiat-Chrysler ist das alles eine schallende Ohrfeige. Schlimmer kann der Vertrauensverlust bei den Kunden nicht sein, wenn die US-Verkehrssicherheitsbehörde ein solch vernichtendes Urteil über ein Unternehmen fällt. Wer will denn noch solche Autos kaufen?

 

Unpassender Name

Die Lufthansa gibt sich auf innereuropäischen Flügen ein neues Tarif- und Servicemodell. Der Begriff „neu“ ist in diesem Zusammenhang allerdings ein wenig übertrieben. „Einfach abgekupfert“ wäre wahrscheinlich die wesentlich bessere Bezeichnung. Denn was die Lufthansa für sich neu einführt, ist bei der Konzerntochter Germanwings schon lange Standard. Deutschlands größte Fluggesellschaft ist auf dem besten Weg, sich komplett zu einer Billig-Airline zu wandeln. Konzernchef Carsten Spohr dürfte ruhig etwas ehrlicher sein: Er sollte auf den Markennamen Lufthansa verzichten und komplett auf Germanwings umflaggen. Das wäre wenigstens konsequent.

Einen angenehmen und erholsamen Abend ganz ohne Sparmodell wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (3)

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Frau Ich Kritisch

27.07.2015, 20:31 Uhr

ja ja, die einen, das sind die bösen Terroristen, die anderen sind gute Terroristen, oder wie muss man das verstehen?

Zitat aus wikipedia: "Die Organisation (PKK) und ihre Nachfolger werden unter anderem von der Türkei, der EU, den USA und Deutschland als terroristische Vereinigung eingestuft."

Vielleicht denkt man ja auch - erst mal die Terroristen der IS bekämpfen, dann abwarten - wieder aufbauen - dann komm5t mit der PKK der nächste Krieg - es wird wieder alles kaputt gemacht - und das ganze geht von vorne los?

Hauptsache es herrscht keine Ruhe, denn Länder in denen Krieg herrscht können für die westlichen Industrieländer keine Konkurenz sein...

Account gelöscht!

27.07.2015, 20:58 Uhr

Ich lese Ihre Beiträge grundsätzlich nicht, Herr Menzel! Das lohnt sich einfach nicht.

Beim scrollen auf der Hauptseite dachte ich, Sie würden mal wieder über "Die rechte Gefahr" schreiben. Dann habe ich gesehen: Nein, diesmal nicht. Ich bin enttäuscht!

Herr Joachim Buch

27.07.2015, 21:13 Uhr

Zu Chrysler/Fiat: Ganz einfach - wenn man weniger elektronische Kinkerlitzchen in die Autos baut, die man offenbar doch nicht so doll im Griff hat, passiert einem so etwas auch nicht. Mein Auto (Bj.83) hat KEINE Elektronik - ich kann mich nicht erinnern, daß es zu der Zeit überhaupt JE eine einzige Rückrufaktion gegeben hätte. Und wenn ich mich an die vergangenen Rückrufaktionen erinnere - unabhängig vom Hersteller - so betraf es überwiegend die elektronische Steuerung bestimmter Komponenten sowie sonstiger sogenannter Sicherheitsfeatures - Airbags, Zündschlösser und dergleichen. Bei mir gilt: Was nicht drin ist, kann nicht kaputtgehen. Ich muß umsichtiger fahren, klar. Aber ist das ein Fehler?

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