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22.08.2014

18:42 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die Euro-Weichspüler

VonOliver Stock

Der Euro fällt, weil die Notenbanken finden, er soll fallen. Wie finden wir das? DDR und Bundesrepublik waren sich ähnlicher als gedacht. Beide machten mit der Schweiz gute Geschäfte. Die Tagesthemen.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Fieber weg, Patient krank

Sollte Mario Draghi bei seinem Besuch in Jackson Hole, Wyoming, – dort wo sich zur Stunde gerade die Notenbanker von Welt treffen – mal einen Shopping-Zwischenstopp einlegen, wird er sich ärgern. Für seine Euro kann sich der Präsident der Europäischen Zentralbank jetzt weniger kaufen als noch vor ein paar Wochen. Unter 1,33 Dollar notiert die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar. Was den Einkaufstouristen Draghi wurmt, wird den Notenbanker freuen: Der Euro war ihm schon längst zu hoch angesichts der dümpelnden Konjunktur in Europa. Ihn runterzureden und damit für Exporterleichterungen zu sorgen ist aber wie Fiebersaft verteilen: Dem Patienten geht es besser, nur die Krankheit ist nicht weg.

Der Kunde als Kronzeuge

Das Bild, das auf Twitter kursiert, ist ein Symbol dafür, mit welch harten Bandagen im Einzelhandel gekämpft wird: Ein Zettel an einem Spirituosen-Regal einer Filiale des Rewe-Konzerns ist darauf zu sehen. Auf dem Zettel erklärt uns der Händler, warum hier nicht wie gewohnt eine Flasche Ramazotti steht: Er habe die geforderte Preiserhöhung abgelehnt. Die Aktion zeigt: Mit dem entspannten Einkaufen ist Schluss. Auch vor dem Supermarktregal ist der Kunde nicht mehr König, sondern Kronzeuge der Anklage.

Black Box Altersvorsorge

Mehr Durchblick, weniger Kosten: Seit einem guten Jahr trommelt das Finanzministerium für mehr Transparenz bei Riester- und Rürup-Renten. Das „Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz“ im Juni 2013 sollte der Startschuss sein. Doch die Euphorie ist seither einer gewissen Nüchternheit gewichen. Denn so sehr wie diesmal hapert es selten bei der Umsetzung einer Agenda aus dem Finanzministerium. Experten kritisieren sowohl den Entwurf der lang erwarteten Transparenzverordnung als auch eine flankierende Kostenanalyse. Es sieht alles danach aus, als steigen selbst diejenigen, die die die Renten konstruiert haben, nicht mehr durch. Meinen Lebensabend plane ich dann mal ohne diese Krücken.

Wir sind durchschaut

Während der eigene Staat der Pleite entgegen taumelte, hortete die SED-Führung der DDR einst ein Millionenvermögen im Ausland. Die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgabe, eine Behörde, von der wir - Hand aufs Herz - gar nicht mehr wussten, dass sie existiert, will nun 135 Millionen Euro davon eintreiben. Das Geld stammt von Konten des früheren DDR-Außenhandelsunternehmens Novum, einer Außenvertretung des Arbeiter- und Bauernstaates. Und jetzt raten wir mal, wo das Geld liegen soll? Richtig, in der Schweiz. Es ist doch beruhigend zu wissen, dass auch der sozialistische Teil Deutschlands einst nicht anders tickte als der kapitalistische. Und die Eidgenossen uns schon immer durchschauten.

Ein fröhliches Grüezi zum Wochenende

Oliver Stock

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