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11.05.2012

19:42 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die Feinde der Marktwirtschaft

VonOliver Stock

Eine Bank, die sich verzockt, ein Bankchef, den das Geld lockt - all das trägt nicht zu unserem Glauben ans System bei. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Nonchalance schlägt Chaos

Bitte den Kopf etwas mehr nach rechts drehen. Ja so. So gerät Griechenland aus dem Blickfeld und Frankreich sowie Spanien rücken in den Mittelpunkt. Laut EU, die heute ihre Konjunkturprognose bekannt gab, stecken beide Länder tief im Schuldensumpf und werden die vereinbarten Kriterien des Fiskalpakts reißen. Nicht das griechische Chaos wird den Euro ins Wanken bringen. Sehr wohl aber die französische Nonchalance im Umgang mit Schulden.

Bärendienst an der Marktwirtschaft

Keine Bank kam so gut durch die Krise wie JP Morgan. Kein Bankchef ist angesehener als Jamie Dimon. All das ist Vergangenheit. JP Morgan hat sich kräftig verzockt und seit Anfang April zwei Milliarden Dollar bei riskanten Finanzwetten verloren. Dimon spricht von „ungeheuerlichen Fehlern“, eine Wortkombination, die ihm nicht leicht von den Lippen geht. Der ungeheuerlichste Fehler allerdings liegt darin, dass Dimon nicht in der Lage ist, uns zu erklären, was genau falsch gelaufen ist. Das jagt mir Angst ein. Das lässt mich nach Regulierung rufen, auch wenn ich sonst lieber Marktschreier der Marktwirtschaft wäre. Vermutlich ist Dimon das auch und merkt gar nicht, wie er der Marktwirtschaft durch intransparentes Zocken mehr zusetzt, als es Karl Marx und Sahra Wagenknecht jemals gelingen wird.

Aktionäre, vereinigt Euch!

Ihre Aktionäre hält die Commerzbank auf Diät: Eine Dividende wird es für die Anteilseigner auch in diesem Jahr nicht geben. Und für die Rettungshilfen des größten Aktionärs, des deutschen Staats, hat die zweitgrößte deutsche Bank bisher nur einen Bruchteil an Zinsen gezahlt. Für die Chefetage dagegen endet 2012 die Bescheidenheit. Denn die Gehaltsdeckelung, die das Salär von Vorstandschef Martin Blessing und seiner acht Vorstandskollegen bislang auf 500 000 Euro begrenzte, entfällt. Blessings Festgehalt wird sich damit auf einen Schlag auf 1,3 Millionen Euro erhöhen. Aktionäre dieser Bank vereinigt Euch! Da läuft etwas nicht, wie es soll.


Alle gegen Röttgen

Der Bundesrat hat die Pläne von Bundesumweltminister Norbert Röttgen gestoppt, der die teure Solarförderung deutlich begrenzen wollte. Die rot-grün regierten Länder, aber auch mehrere CDU-geführte Länder stimmten dafür, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Dass Röttgen in der Sache recht hat, weil er einer Industrie den Hahn abdreht, die im Weltvergleich ins Hintertreffen geraten ist, spielt keine Rolle. Der Bundesrat hat heute vielmehr eine taktische Entscheidung getroffen. Und die heißt: Röttgen muss weg. Der voraussichtliche Wahlverlierer von Nordrhein-Westfalen soll auch bundespolitisch kein Bein mehr auf den Boden bekommen.


Schäubles Agenda

Zum Schluss doch noch ein Blick ins griechische Chaos. Ein paar Stunden hatte es heute doch noch nach einer Regierung in Athen ausgesehen. Die griechischen Konservativen waren bereit, sich an einer Koalitionsregierung in Griechenland zu beteiligen. Die Vorstellungen der Sozialisten und der kleinen Linkspartei Demokratische Linke seien den Thesen der konservativen Nea Dimokratia "sehr ähnlich“. Am Ende des Tages sieht es so aus, als reiche diese Ähnlichkeit doch nicht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble denkt deswegen immer öffentlicher über einen Euro-Austritt der Griechen nach. Der Mann könnte ab Sommer Euro-Gruppen-Chef werden - da will er sich offenbar ein Problem vom Leib halten.

Ein heiteres Wahlwochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

11.05.2012, 20:42 Uhr

Sehr geehrter Herr Stock,
sicherlich ist es kein Ruhmeszeichen für Herrn Diamond und die internen Risikokontrollmechanismen, jetzt mit 2 Mrd. (nicht realisierter) Verluste aus CDO´s (?) an den Markt zu gehen. Da die Position aber weiter läuft (kein Hedge, kein Verkauf der Position) hat die Bank noch alle Chancen, mit einem blauen Auge davon zu kommen. Wer setzt denn auf dem aktuellen Niveau gegen den US-Immobilienmarkt? Sicher eine heiße Wette, aber doch mit guten Chancen auf Erfolg. Bisher hat er mit strategischen Entscheidungen Erfolge für seine Bank gehabt, warum sollte es diesmal anders sein?

elly

11.05.2012, 22:26 Uhr

Hallo Herr Stock,

ja ja es herrscht echt eine Stimmung wie kurz vor einem Knall, einem Knall den wir so schnell nicht mehr vergessen werden.

Woran liegt es, dass der "Markt" verrückt spielt? Da kann ich nur sagen, wehe wenn sie losgelassen! Soviel zum zügellosen Kapitalismus, dem wir voll ausgeliefert sind.

Kein Wunder wenn auch die Politiker nur noch mit Lügen und flotten Sprüchen daher kommen - was hätten die denn zu bieten bei diesem Finanzmarkt, der uns mittlerweile alles auf das Auge drückt!

Ich hoffe auf das Unmögliche und doch es wird nicht kommen solange hier die GIER regiert!

Kein guter Ausblick und so kann auch die Wahl in NRW so gar nichts aussagen!

Account gelöscht!

12.05.2012, 02:54 Uhr

Sie haben gar nicht verstanden wo eigentlich das Problem liegt,nicht wahr?Sie glauben immer noch es liegt an Glück oder Pech beim Zocken.

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