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23.08.2012

18:12 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die gefährliche Parallelwelt der Banken

VonFlorian Kolf

Opel bekommt zum Geburtstag ein vergiftetes Geschenk, Linde-Chef Reitzle redet sich in Rage und Griechenland will Inseln verkaufen. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Systematisch ausgebremst

Geschmackloser geht es wohl nicht mehr: Ausgerechnet am Tag des 150. Geburtstages von Opel verkündet die Unternehmensleitung, dass im Stammwerk Rüsselsheim ab Anfang September Kurzarbeit gemacht wird. Deutlicher kann man der Belegschaft gar nicht sagen, was man von ihr hält. Aber es war ja ohnehin keinem zum Feiern zumute. So systematisch, wie die Konzernmutter GM die Marke Opel ausbremst, lässt das nur einen Schluss zu: Die Opels sind ein Auslaufmodell, die Zukunft liegt für die Konzernleitung in der Schwestermarke Chevrolet. Der Einstieg von GM im Jahr 1929 war für Opel bereits der Anfang vom Ende.

Gefährliche Parallelgesellschaft

Ja, wer hat denn jetzt Recht? Bei der Bilanzpressekonferenz 2010 hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann betont: "Wir wissen, Banken können in einer Parallelwelt nicht gedeihen. Sie müssen in ihrem Tun nicht nur der sogenannten realen Wirtschaft dienen, wie es oft heißt, nein, mehr noch: Sie müssen den Menschen dienen." Jetzt bekommt er aus prominentem Mund contra: Die Finanzwirtschaft habe sich „weitgehend von der Realwirtschaft abgekoppelt und ihre eigene Parallelwelt geschaffen, in der virtuelle Werte entstanden sind“, schimpft Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Wenn man weiß, dass in den USA Computerprogramme, die aus kleinsten Kursschwankungen Gewinn ziehen, rund 70 Prozent aller Börsenorder ausführen, fällt es nicht schwer, sich auf Reitzles Seite zu schlagen.

Inseln zu verkaufen

Griechenlands Regierungschef Antonis Saramas tut wirklich alles, um den deutschen Stammtisch zu beruhigen. Jetzt will er sogar eine Forderung erfüllen, mit der vor zwei Jahren die Bild-Zeitung Schlagzeilen machte: Seine Regierung sei bereit, unbewohnte Inseln zu verkaufen, um die Staatsschulden abzubauen, sagte er in einem Interview. Hört sich ja gut an, aber solche Sprüche sollen wohl eher davon ablenken, dass die groß angekündigte Privatisierung von Staatsbesitz in Griechenland kaum voran kommt.

Schaum vor dem Mund

Es ist der kalkulierte Skandal: Die Publizistin und Politikberaterin Getrud Höhler brandmarkt Kanzlerin Angela Merkel in ihrem heute vorgestellten Buch "Die Patin" als "Alphawölfin", die "am Zerfall der Demokratie" arbeitet. Indirekt ruft sie mit ihrem Buch zum Sturz der Regierungschefin auf. Sie sieht sogar "Anklänge" an die "Diktaturen des 20. Jahrhunderts". Man muss ja nicht unbedingt ein Freund des Systems Merkel sein, aber warum hat Frau Höhler so viel Schaum vor dem Mund? Liegt es etwa daran, dass sie seit dem Abgang ihres Freundes Helmut Kohl keinen Zugang mehr zum Kanzleramt hat?

Was fehlt? Ein Historiker will jetzt herausgefunden haben, dass Erich Honecker noch kurz vor dem Ende der DDR plante, gemeinsam mit Oskar Lafontaine ein wiedervereinigtes Deutschland zu führen. Gegen diese saarländische Horrorvision ist ja die Euro-Krise geradezu das Paradies.

Aber lassen sich nicht schrecken und genießen Sie Ihren Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (3)

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Account gelöscht!

24.08.2012, 00:47 Uhr

--
Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie besser schlafen.

Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem.

Account gelöscht!

24.08.2012, 00:53 Uhr

So richtig gefährlich war es zuletzt für Herhausen.

Der wollte keine 'Zentralbankenpolitik. Damit war er Helmut Kohl im Wege,der unbedingt den Euro wollen mußte.

--
Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie besser schlafen.

Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem.



Gia

24.08.2012, 10:41 Uhr

So ein Bloedsinn den Sie da schreiben!

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