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18.03.2013

18:31 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die große Verunsicherung

VonOliver Stock

Die Retter von Zypern haben sich selbst ausgetrickst. Ein erfolgloser Präsident beansprucht Airbus' Erfolge. Die Anti-Euro-Partei sieht sich als Kanzlermacher. Und der Champagner bleibt im Regal. Der Tageskommentar.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Gescheiterte Retter

Erinnern wir uns: „Griechenland-Anleihen sind sicher“, lautete ein Versprechen der Euro-Rettungspolitiker. Ein anderes ging so: „Es wird keinen dauerhaften Eurorettungsschirm geben.“ Beide Zusagen hatten eine Halbwertszeit von ein paar Wochen, dann wurden sie kassiert. Jetzt ist das nächste Versprechen Makulatur: „Ersparnisse bis 100.000 Euro sind sicher.“ So steht es in einer EU-Richtlinie. Sie wurde ohne viel Federlesens im Fall Zypern bis auf weiteres kassiert. Wenn aber Zusagen das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben stehen – was sollen wir dann noch glauben? Klar: Die Krise des Eurosystems ist so einzigartig, dass es möglich sein muss, Grundsätze über Bord zu werfen. Dazu gehört auch, dass sich Gläubiger von Banken – und nichts anderes sind letztlich die Sparer – an der Rettung eben dieser Banken beteiligen müssen. Aber bitte schön: Das ganze braucht Maß. Und zum Maßhalten gehört, dass kleine Vermögen bei dieser Form der Bankenrettung verschont bleiben, weil sonst jedes Vertrauen der Bürger in das System vernichtet wird. Genau das aber haben die Rettungspolitiker im Fall Zypern erst einmal missachtet. Ihr Plan ist deswegen zum Scheitern verurteilt.

Airbus hilft Hollande

Derzeit gibt es für Frankreichs Präsident Hollande nichts zu lachen. Der Lokomotive Europas sind die Kohlen ausgegangen. Umso schöner, wenn sich doch noch ein paar Krümel finden: Zum Beispiel der größte Auftrag in der Geschichte von Airbus. Heute morgen verkündete Hollande persönlich, dass die indonesische Fluggesellschaft Lion Air 234 Mittelstrecken-Jets vom Typ A320 bestellt hat. Kostenpunkt: 18,4 Milliarden Euro. Lion Air galt bisher als treuer Boeing-Kunde. Wir lernen zweierlei: Während die mit Pomp entwickelten Großflieger sowohl Boeing als auch Airbus Probleme bereiten, haben sich die überarbeiteten Mittelstreckenjets zu den Goldeseln der Flugzeugbauer entwickelt. Und zweitens: Wenn es politisch eng wird, lässt sich ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen wie Airbus für bedrängte Politiker auch schon mal als nationale Erfolgsgeschichte verkaufen.

Die Anti-Eurofighter heben ab

Wissen Sie noch, wie der abgewählte Ministerpräsident von Niedersachen hieß? Richtig: David McAllister. Er wäre noch Ministerpräsident, wenn nicht eine Anti-Euro-Partei seiner CDU ein paar Stimmen abgejagt, aber am Ende nicht ins Parlament gekommen wäre. Nun droht Angela Merkel durch die „Alternative für Deutschland“ ein ähnliches Schicksal. Schafft sie die Fünfprozenthürde, so schreibt heute unser Kolumnist Hans-Olaf Henkel, selbst ein Sympathisant der Euro-Gegner, dann „hätten Protagonisten einer alternativen Europolitik im Bundestag eine Stimme; schafft sie es nicht, könnten sie zum Steigbügelhalter von Gabriel und Trittin werden.“ Mein Tipp: Mit einem Thema (Kein Euro mehr!), lässt sich genauso wenig Staat machen, wie mit keinem Thema (Piraten).

Zum Wohl!

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr laut Zählung des Bureau du Champagne 12,56 Millionen Champagnerflaschen gekauft. Das entspricht einem Minus von 11,6 Prozent zum Vorjahr. Dennoch bleibt Deutschland nach Großbritannien und den USA der weltweit drittgrößte Markt für Champagner. Am besten kam Champagner 1997 in Deutschland an: Damals wurden 19,5 Millionen Flaschen verkauft – vermutlich als Trosttropfen, denn in jenem Sommer starb Lady Di, die in diesem Sommer voraussichtlich Oma geworden wäre. Vielleicht ist das ja ein Grund, dass es mal ein gutes Champagnerjahr wird.

Bleiben Sie nüchtern heute Abend. Auf Zypern müssen Sie jedenfalls nicht anstoßen.

Oliver Stock

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

18.03.2013, 18:39 Uhr

Ich bin kein Professor der Volkswirtschaft, aber mein gesunder Menschverstand sagt mir: „Zypern galt als Steueroase für reiche Russen und Europäer. Diese Nobelkunden müssen die Rechnung bezahlen, nicht der kleine Mann in ganz Europa. Wir haben die Agenda 2010 ertragen, wurden wettbewerbsfähig und sind jetzt stark. Die Südstaaten machten gedankenlos Schulden. Im Fall Zypern zeigt die EU endlich mal Kante. Das wirkt abschreckend für die restlichen Wackelkandidaten, auch auf die Gefahr hin, dass ein paar Banken pleite gehen.“

zappenduster

18.03.2013, 18:48 Uhr

"schafft sie es nicht, könnten sie zum Steigbügelhalter von Gabriel und Trittin werden.“
Klasse, das wird doch ein Festtag werden!!!!!

blueman

18.03.2013, 19:08 Uhr

Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Auf Zypern hat man seit Jahren ein politisches Geschäftsmodell (Steuerhinterziehung) und Schuldenmacherei gewählt und somit unterstützt. Aus diesem Grund habe ich kein Mitleid mit dem kleinen Mann auf Zypern.

Die Konsequenzen unserer Wahl in Deutschland werden wir in der Zukunft auch tragen müssen. Das sollte jeder bedenken, der die Blockpartein wählt. Man sollte sich über Alternativen Gedanken machen.

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