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31.10.2012

18:30 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die gute Nachricht

VonOliver Stock

Es gibt sie noch, die guten Botschaften: sprudelnde Steuereinnahmen, billige Kredite für den Staat, Darth Vader kommt wieder – der Tagesbericht fällt positiv aus. Überwiegend.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

600.000.000.000 Euro Steuereinnahmen

Die Klage, die uns Journalisten ständig trifft, heißt: ihr liefert nur schlechte Nachrichten. Bei euch geht dauernd die Welt unter. Deswegen hier die gute Nachricht: Nach jüngster offizieller Schätzung nehmen die deutschen Finanzämter in diesem Jahr zum ersten Mal mehr als 600 Milliarden Euro an Steuern ein. Wie bitte? Sie meinen, das ist keine gute Nachricht? Merkwürdig.

Günstiges Geld für Schäuble

Die zweite gute Nachricht, jedenfalls für den Finanzminister, kam heute vom Anleihemarkt. Die Auktion einer 30-jährigen Bundesanleihe spülte gut 1,7 Milliarden Euro in die Staatskasse. Die durchschnittliche Rendite betrug 2,34 Prozent. Es rissen sich mehr Leute um die Anleihe, als Geld da war: 2,7fach überzeichnet nennen das die Fachleute. Schäuble freut sich. Wir gönnen es ihm und vergessen einfach mal, dass es kein hervorragendes Zeichen ist, wenn so viele einem ihr Geld anvertrauen, weil es sonst so wenig Alternativen gibt.

Bochum, wir hängen an Dir

So deutlich hat es schwarz auf weiß noch nirgends gestanden: „Für das Opel-Werk Bochum ist nach dem Auslauf des aktuellen Zafira Tourer - vorbehaltlich weiterer Konsultationen - kein neues Produkt geplant“, teilte die Adam Opel AG heute mit. Wie singt Grönemeyer: „Bochum, ich häng' an dir. Glück auf! Bochum (...), wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld.“

Hoffentlich wird es kein Wohltätigkeitskonzert, wenn der Sänger das nächste Mal in der Stadt seines Herzens auftritt.

Ausgeriestert

Der Boom bei der staatlich geförderten Riester-Rente ist vorbei. Im gesamten ersten Halbjahr 2012 wurden nur noch 200.000 Neuverträge abgeschlossen. In den Vorjahren waren es regelmäßig eine Million Verträge oder mehr pro Jahr. Ein gigantischer Vertrauensverlust steckt dahinter. Ich habe am Dienstag dazu Helmut Schmidt gehört. Der 93-Jährige sagte mit der ihm gebührenden Sturheit: „Schuld an der Krise ist die Finanzindustrie. Punkt.“

Mein Leben mit Micky Maus

Micky Maus verbündet sich mit Darth Vader: Der Unterhaltungskonzern Disney übernimmt das Filmstudio Lucasfilm samt der legendären Filmreihen „Star Wars“ und „Indiana Jones“. Kommen jetzt neue Filme? Vielleicht. Wichtiger für Disney ist, sich Figuren und Erzählungen eingehandelt zu haben, die zur Marke geworden sind. Disney produziert schon längst nicht mehr nur Filme, sondern verkauft Lebensgefühl. Davon lebt es sich besser. Und wir können davon glatt etwas lernen: Schokoriegel, Outdoorjacken, handgefertigte Stachelbeermarmelade aus dem Hause Handelsblatt – mal sehen, was uns noch so einfällt.

Heute Abend aber bleibt's beim Kommentar.

Herzlichen Gruß

Oliver Stock

Kommentare (3)

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ROBERT_LEE

31.10.2012, 19:50 Uhr

Darth Sidious, Darth Maul, Darth Vader, Darth Steinbrück -
THE EMPIRE STRIKES BACK

Account gelöscht!

31.10.2012, 20:51 Uhr

Ja, ja, die guten Nachrichten ..... immer noch billigere Kredit für den Staat .....
Mann, das sind SCHULDEN !!!! SCHULDEN !!! SCHULDEN !!!!
Kann das der letzte Volltrottel mal irgendwann begreifen ?
Was sind an der ewigen Kreditaufnahme gute Nachrichten ??
Wie hirngewaschen kann man eigentlich sein ??

Account gelöscht!

01.11.2012, 14:16 Uhr

Die Führerin im immer einsamer werdenden Kanzler-Bunker hat wohl den vier großen Medienkonzernen in Deutschland gute Nachrichten befohlen, weil das Wohl der gesamten EU mittlerweile am deutschen Steuerzahler hängt. Ich habe das Gefühl, Herr Stock wird von seinem Arbeitgeber gerade für diesen "guten" Zweck verheizt.
Wenigstens erledigt er seinen Auftrag mit den "guten" Nachrichten mit einer ordentlichen Portion Ironie. Die hohen Steuereinnahmen z.B. sind nämlich wirklich keine gute Nachricht, nicht nur für den ausgepressten Steuerzahler nicht, sondern auch weil sie nicht auf wirklichem Wachstum beruhen, wie diese Meldungen immer implizieren, sondern weitgehend auf effizienterem Abmelken und Tricks (Inflation, Gesetzesänderungen - die zu Einmaleinnahmen führen, ...).

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