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01.07.2013

18:46 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die gute Tat der EU

VonStefan Menzel

Niemand in dieser Welt braucht Roaming. Kroatien gehört nun zum Klub, und bei der Lufthansa droht Ärger. Die Schlecker-Krise geht in die nächste Runde, und Brasilien spielt sich in den Fußball-Himmel. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Roaming ist ein Ärgernis

Die EU ist eine prima Sache. Es ist mir natürlich klar, dass diese Aussage bei einigen Lesern sofort auf Widerspruch stößt. Aber trotz allen Streits um Euro-Zone und EU-Bürokratie gibt es wirklich einen Bereich, wo Brüssel extrem hilfreich für uns ist: beim Telefonieren. Seit Montag gelten reduzierte Gebührensätze beim Telefonieren mit dem Handy im Ausland, also beim Roaming. In der Vergangenheit haben sich die großen Telekom-Konzerne schadlos an ihren Kunden halten können. Damit geht es aber Schritt für Schritt zu Ende, weil die EU die Roaming-Kosten massiv nach unten drückt. Danke für diesen regulatorischen Eingriff. Denn Roaming-Kosten sind wirklich etwas Verrücktes. Warum soll man etwa als Kunde der Deutschen Telekom extra dafür bezahlen, dass man in Österreich oder Ungarn weiter über die Netze der Deutschen Telekom telefoniert, der Konzern dort aber nur unter den Namen der Auslandstöchter agiert?

Hallo Kroatien!

Noch ein EU-Thema hat den Montag geprägt: der Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union. Über Sinn und Unsinn dieses Schrittes lässt sich natürlich ebenfalls trefflich streiten. Politisch ist diese Erweiterung völlig richtig, weil Ex-Jugoslawien natürlich zum Klub dazugehört. Ökonomisch wird die ganze Sache schwieriger, weil das kleine Kroatien eine ziemlich marode Volkswirtschaft hat. Trotz der beiden Seelen in meiner Brust habe ich am Ende eine ziemlich klare Antwort für mich und Kroatien gefunden: Wenn man bis zur wirtschaftlichen Angleichung gewartet hätte, dann hätte es vor 20 Jahren auch keine deutsche Einheit geben dürfen.

Schnell gestartet und schon wieder eingebremst

Aus der Unternehmenswelt kommt die interessanteste Meldung des Tages von der Lufthansa. Fast alle Flugverbindungen in Deutschland und Europa werden zur konzerneigenen Billigtochter Germanwings hinübergeschoben. Es geht im Kostensenkung, das ist die klare Motivation der Lufthansa. Nur auf den lukrativen Langstreckenverbindungen gibt es noch die Marke Lufthansa, auf den kurzen innereuropäischen Strecken muss es mit Germanwings schneller und einfacher gehen. Wahrscheinlich gibt es keine Alternative zu diesem Schritt, die Billig-Konkurrenz und hohe Kerosinpreise lassen der Lufthansa keine andere Möglichkeit. Doch gleich zum Start der neuen, größeren Germanwings droht gewaltiger Ärger. Am Freitag stimmt die Germanwings-Belegschaft über einen Streik ab. Vielleicht sollte die Lufthansa mit der Umstellung auf Germanwings noch ein wenig warten und etwas länger unter dem alten Namen fliegen. Die Passagiere würden es danken – falls tatsächlich ein Germanwings-Streik kommt.

Es droht die zweite Pleite in Folge

Schlecker ist schon lange Geschichte, jetzt droht dem vermeintlichen Schlecker-Retter Dayli aus Österreich ebenfalls ein schnelles Ende. Vor einem Jahr war Dayli-Gründer Rudolf Haberleitner mit dem großen Versprechen angetreten, er hätte das richtige Konzept als Schlecker-Nachfolger in der Tasche. Von Wien aus wollte er die Schlecker-Tochter in Österreich und einen großen Teil des Deutschland-Geschäfts unter seine Kontrolle bringen. Die Kontrolle hat er (noch), doch in den Dayli-Geschäften gibt es immer weniger zu kaufen. Die Lieferanten zieren sich, das strauchelnde Unternehmen weiterhin zu beliefern. So und nicht anders hat auch das Ende von Schlecker begonnen. Es ist an der Zeit, sich ein zweites Mal Gedanken über die Schlecker-Standorte zu machen.

Guter Kick, Brasilien

Angesichts dieser schlechten Nachrichten aus der Unternehmenswelt gibt es zum Glück immer noch den Fußball als Ausgleich. Brasilien hat die Muskeln spielen lassen und die Spanier im Endspiel des Confederation-Cups fast ein wenig gedemütigt. Aber was ist dieser Sieg wert? Sicherlich nicht viel. Die Spanier waren müde nach einer langen Saison. Zudem ist der Confederations-Cup doch auch nur ein Testlauf für die richtige Weltmeisterschaft. Und am Ende sollten wir hierzulande auch noch ein wenig selbstbewusst sein: Wer weiß, ob die Brasilianer auch gegen die Deutschen gewonnen hätten.

Einen ganz einfachen und erholsamen Abend zum Wochenbeginn wünscht

Stefan Menzel

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