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25.07.2013

19:10 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die Kraft der Selbstheilung

VonOliver Stock

Lange hat Siemens auf seine Unverletzlichkeit vertraut. Jetzt hat Konzernchef Löscher ein Problem. In Spanien herrscht Trauer nach dem Zugunglück. Springer macht sich zukunftsfest und Henkel siegt über Nivea.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Flüchtige Erscheinung

Siemens muss sein Gewinnziel auch für das kommende Jahr wegen „geringerer Markterwartungen“ aufgeben. Dies ist bereits die zweite Gewinnwarnung in nicht einmal drei Monaten. Erst Anfang Mai musste Konzernchef Peter Löscher die Prognose für das laufende Geschäftsjahr kassieren. Offenbar schlägt die bereits verordnete Sparkur nicht so an, wie Löscher sich das erhofft hatte. Der Aktienkurs des Dax-Schwergewichts sackte nach dem neuerlichen Paukenschlag zeitweise um fast sieben Prozent ab. Ich traf neulich einen Siemensianer, der seine Firma mit einem großen Organismus verglich: Wenn er sich mal eine Wunde reißt, dann heilt es wieder – manchmal sogar über Nacht. So schnell wird es diesmal nicht gehen. Aber gemessen am langen Leben von Siemens, währen die schweren Tag von heute nur kurz. Und selbst Löscher ist so betrachtet nur eine flüchtige Erscheinung.

Trauer in Spanien

In Spanien hat ein entgleister Zug viele Menschen in den Tod gerissen. Solche tragischen Unglücke brennen sich in Bildern tiefer ein als in Worten. In diesem Fall hat eine Kamera gefilmt, wie der Zug mit hohem Tempo aus der Kurve fliegt, Lokomotive und Wagen gegen eine Betonwand prallen. Das Unglück im Inneren des Todeszuges lässt sich nur erahnen. Hat der Lokführer versagt? War es, wie damals in Eschede, die Technik? Warum gibt es keine Technik, die den Lokführer am Versagen hindert? Es ist noch keine Zeit für Fragen – und erst recht keine für Antworten. Es ist Zeit für Trauer.

Ab in die Zukunft

Axel Springer verkauft das Hamburger Abendblatt, die „Berliner Morgenpost“, „Hörzu“, „TV Digital“ und „Bild der Frau“ an die Funke Gruppe, die ehemals „WAZ“ hieß und nicht eben den Ruf hat, ihren Mitarbeitern das Leben zu verzieren. Entsprechen groß ist das Entsetzen unter uns Journalisten. Wir sind Zwitter-Wesen: Immer wenn wir über andere berichten, fordern wir den schnellen Wandel: bei den Banken hin zum realen Kundengeschäft, im Handel hin zum Online-Versand, bei den Stromversorgern hin zu den regenerativen Energien. Nur bei sich selbst machen Journalisten gerne eine Ausnahme und jammern voller Melancholie, wenn jemand wie Springer-Chef Matthias Döpfner dem Wandel des Geschäftsmodells nicht hinterherhechelt, sondern ihn vorantreibt und Millionen ins digitale Geschäft investiert. Unsere Zukunft beginnt nicht bei den anderen. Sie beginnt bei uns selbst.

Kampf ums Deo

Henkel hat sich mit dem Hamburger Rivalen Beiersdorf, dem die Marke Nivea gehört, gestritten. Die Frage, mit der sich das Landgericht Düsseldorf beschäftigen musste: Welches ist das beste Deo? Die Antwort dürfte angesichts von anhaltend hohen Temperaturen in ganz Deutschland auf Interesse stoßen. Es ging im Detail darum, ob Beiersdorf sein Produkt „Invisible for Black & White“ als „das Beste“ und die „Nummer eins“ bewerben darf. Henkels Vorwurf: Die Kampagne sei irreführend und wettbewerbswidrig. Der Streitwert: 150.000 Euro. Das Landgericht hat Henkel, Hersteller der Deo-Marke „Fa“, in vollem Umfang Recht gegeben. „Sämtliche Aussagen sind unzutreffend und unzulässig“, sagen die Richter. Beiersdorf hatte sein Deo damit beworben, dass es schwarzen Stoff nicht ausbleicht und auf weißem Stoff keine gelben Flecken hinterlässt. Über die Darstellung hat sich Henkel geärgert und bei den Richtern eine Stoffprobe eingereicht, mit der glaubhaft gemacht werden konnte, dass das Nivea-Produkt trotzdem Flecken macht. Dieser beeindruckend einfache Nachweis ohne Gutachter oder Labor reichte den Richtern, um Henkel Recht zu geben, denn es handelt sich nur um ein einstweiliges Rechtsschutzverfahren. Eine Option für den unterlegenen Nivea-Konzern ist jetzt, dass er ein Hauptverfahren anstrebt, in dem dann unabhängig per Gutachter gesprüht und geschwitzt werden muss. Alternativ könnten wir anbieten, die Handelsblatt Online Redaktion zu Testzwecken einzuladen. Geschwitzt wird auch hier.

Einen heißen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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MSchwierz

25.07.2013, 21:20 Uhr

Herr O. Stock,

Ihre Glosse:

"Was vom Tage bleibt"

finde ich sehr, sehr eingeschränkt, denn Sie beschränken sich ausschließlich auf Westeropa, von der Nordsee bis nach Spanien...

Ich vermute, Sie waren im dem Fach Geographie in der Schule eine Niete...
(Ist nur meine Vermutung...)

Denn die Erde hat Tag täglich viel mehr zu bieten, als Sie sich das in ihrem Designer-Chefsessel je vorstellen können!

Kopfschüttel!

teer_schweinstueck

26.07.2013, 09:41 Uhr

....ich finde, diesmal war der Kommentar von Olli gar nicht
so schlecht, auch wenn er ansonsten oft schwer daneben liegt...

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