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01.08.2013

18:35 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die Leiden eines Managers

VonOliver Stock

Den K+S-Chef suchen bald Alpträume heim. Erben für Beitz gesucht. Snowden wird ein Stückchen freier. Murdoch riskiert sein Imperium für eine Scheidung. Und Schwarzarbeit lohnt sich nicht. Der Tagesbericht

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Flucht in die Wahrscheinlichkeitsrechnung

Wenn der Chef des Düngemittelkonzerns K+S, Norbert Steiner, die Augen schließt, dann erscheint in seiner Vorstellung eine Gestalt, die er dort am liebsten ausmerzen würde: Vladislav Baumgertner. Anfang der Woche hatte sich der Russe, Chef von Uralkali, zu Wort gemeldet. Das Unternehmen ist einer der Branchenführer im Kali-Bergbau. Baumgertner sagte einen Einbruch der Kalipreise auf 300 Dollar voraus. Den Preisverfall wolle er ausgleichen, indem er künftig mehr Masse auf den Markt wirft. Im gleichen Atemzug kündigte er eine Allianz zum gemeinsamen Vertrieb der Produkte auf. Bislang hatte sich die Branche bei den Preisen weitgehend abgestimmt. Damit war klar: Ein erbitterter Preiskampf steht bevor. Verlierer könnte der deutsche Dax-Konzern sein. Das, was Steiner in jahrelanger Arbeit aufgebaut hat, droht innerhalb weniger Tage zusammen zu brechen. Die Aktie stürzt um fast ein Drittel ab. Investoren nehmen Reißaus. Analysten stellen das Geschäftsmodell in Frage. Es ist ein Erdbeben. Steiner schrieb heute einen Eilbrief an seine Mitarbeiter und nahm Zuflucht in die Wahrscheinlichkeitsrechnung: „Wir haben (...) des Öfteren Phasen der Unsicherheit an den Kali-Märkten erlebt und gemeinsam gemeistert (...) – warum soll das jetzt anders sein?“

Risikofaktor Cromme

Nach dem Tod des Thyssen-Krupp-Patriarchen Berthold Beitz will sich die mächtige Krupp-Stiftung trotz der Krise des Konzerns nicht zu einer schnellen Nachfolgeregelung drängen lassen. Man werde sich zusammensetzen und beraten, sagte der frühere ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen, Mitglied des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die Stiftung werde ohne Hast vorgehen – auch aus Respekt vor Beitz. Pleitgen wies Spekulationen zurück, er selbst gehöre zu den Nachfolgekandidaten. Beitz hatte ursprünglich den langjährigen Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme als Nachfolger auserkoren. Dieser musste jedoch Ende März im Zuge der Krise des Konzerns seinen Hut nehmen. So wird Cromme - unabsichtlich - bereits zum zweiten mal in dieser Woche Schlüsselfigur in einem Wirtschaftsdrama. Erst bei Siemens, wo er durch sein Dasein den echten Neuanfang unglaubwürdig macht und nun bei Thyssen, wo er nach seinem Abgang eine Lücke hinterlassen hat, die bisher niemand füllen konnte. Der Mann wird zum Klumpenrisiko.

Snowden darf nach Russland reisen

Russland hat Edward Snowden vorläufiges Asyl gewährt. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter, der je nach Lesart Robin Hood, James Bond oder einfach nur ein Verräter ist, reist nach mehr als einem Monat im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo jetzt in die Weiten Russlands. Er hat eine Aufenthaltsgenehmigung für die Dauer von einem Jahr bekommen. Die russische Migrationsbehörde bestätigte, dass sie Snowden ein entsprechendes Dokument mit einjähriger Laufzeit ausgestellt habe. Es handele sich um einen „völlig normalen Fall“, sagte Sprecherin Salina Kornilowa. „Allein in diesem Jahr haben wir mehr als 1000 solcher Anträge schon bearbeitet“, fügte sie hinzu. Macht irgendwie neugierig auf die 999 Snowden-Kollegen. Vielleicht gründen die ja einen Club mit einer Art Hausordnung. „Data unser“ könnte sie heißen.

Kostspieliger Rosenkrieg

Es geht um Yachten, Häuser, sehr viel Geld und die Macht in einem der größten Medienkonzerne der Welt. „Murdoch gegen Murdoch“ - unter diesem Titel ist der Fall beim New York State Supreme Court anhängig - könnte zu einem der folgenreichsten Rosenkriege für ein Wirtschaftsimperium werden. Denn Wendi Deng Murdoch, die dritte und inzwischen in Ungnade gefallene Frau des Medientycoons Rupert Murdoch, legt harte Bandagen an. Die 44-Jährige hat ihre bisherige Anwältin durch den renommierten New Yorker Scheidungsanwalt William D. Zabel ersetzt, der auf Scheidungen schwerreicher Geschäftsmänner spezialisiert ist. Er hat unter anderem Jane Welch, die ehemalige Ehefrau des ehemaligen General-Electric-Chefs Jack Welch, in ihrer Scheidung vertreten. Die Scheidung von Ehefrau Nummer zwei soll Murdoch bereits Milliarden gekostet haben. Wie viel enttäuschte Liebe erträgt ein Wirtschaftsimperium?

Lohn der Arbeit

Wer als privater Bauherr Schwarzarbeiter beschäftigt, hat für Mängel ihrer Arbeit keinen Anspruch auf Schadensersatz. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Konkret wiesen die Richter die Klage einer Hausbesitzerin gegen einen Handwerker wegen einer nicht ordentlich gepflasterten Auffahrt ab. In dem Fall hatten Handwerker und Hausbesitzerin für das Pflastern der Auffahrt 1800 Euro vereinbart. Das Geld sollte bar und ohne Rechnung oder Umsatzsteuer bezahlt werden. Weil er den Auftrag verpfuschte und die Beseitigung der Mängel verweigerte, klagte die Grundstücksbesitzerin auf Erstattung der Kosten für die Mängelbeseitigung durch ordentliche Handwerker in Höhe von rund 8000 Euro. Daraus wurde nichts. Und das Finanzamt ist nun auch hellhörig. Dumm gelaufen.

Einen arbeitsfreien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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HansWurst

01.08.2013, 21:31 Uhr

Warum konnte sich Kohl wohl damals nicht durchsetzen?
(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

02.08.2013, 13:04 Uhr

Gut sieht´s nicht aus bei K+S.Nun mal abwarten was sich Durchsetzt,Dumping oder Qualität.
Fallen die Preise weit unter 300$ die Tonne,so sieht´s sehr düster aus.

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