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13.10.2014

19:07 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die neue Front

VonStefan Menzel

Der Ölpreis fällt ins Bodenlose, die Finanzkrise hat die Banken kaum vorangebracht. Fiat-Chrysler geht an die Börse, der Fußball wird immer verrückter und Berlin hält die schwarze Null. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ölige Angelegenheit

Eine ganz neue Front tut sich da auf: Russland und Saudi-Arabien streiten um die Vorherrschaft beim Öl. Seit Wochen fällt der Ölpreis rasant, eigentlich hätten die Saudis daraufhin schon längst ihre Fördermengen senken müssen. Doch sie machen es nicht, weil sie unbedingt ihren Marktanteil halten wollen. Sehr zum Leidwesen der Russen, die auch unter den fallenden Rohölpreisen leiden, zugleich aber ihre Militärmaschinerie, wie etwa in der Ukraine, am Laufen halten müssen. Die USA können frohlocken. Die Saudis sind nun auch ein Verbündeter im Konflikt mit Russland geworden.

Pseudo-Veränderungen

Sieben Jahre sind nun vergangen, seitdem die große Krise die Finanzwelt ereilt hatte. Einige sprechen davon, dass es danach bei den Banken die großen Veränderungen gegeben habe. Aber machen wir uns nichts vor, von großen Veränderungen haben wir bislang nicht viel gesehen. Die meisten Geldhäuser machen im Großen und Ganzen ähnlich weiter wie vor der großen Krise. Wenn die EZB etliche Banken nicht künstlich am Leben halten würde, dann wäre mancherorts schon lange Schluss gewesen. Schön wäre es, wenn die Banken nicht nur über Veränderungen reden, sondern tatsächlich auch endlich handeln würden.

Symbolik

Es ist ein wichtiger symbolischer Akt: Die Aktien von Fiat-Chrysler werden von jetzt an an der Börse an der New Yorker Wall Street gehandelt. Fiat sprengt seine europäischen Ketten und nutzt die amerikanische Tochter Chrysler zum Sprung über den großen Teich. Aber machen wir uns nichts vor. Eine Notierung an der New Yorker Börse wird Fiat nicht retten können. Es muss noch viel mehr passieren, an erster Stelle in Europa. In Italien hat Fiat die großen strukturellen Probleme mit nicht mehr ausgelasteten Fabriken und zu wenigen interessanten Autos. Sind diese Fragen gelöst, dann könnte das Fiat-Chrysler-Papier vielleicht doch einmal eine interessante Aktie werden. Vorher aber nicht.

Milliarden-Deal

Möchte jemand den Top-Fußballer Cristiano Ronaldo aus seinem laufenden Vertrag bei Real Madrid herauskaufen? Jetzt wissen wir endlich, was ein potenzieller Interessent dafür auf den Tisch legen müsste – die bescheidene Summe von einer Milliarde Euro. Die Entwicklung im Profi-Fußball nimmt immer absurdere Züge an, wenn ein einzelner Spieler so viel kostet wie gleich ein ganzes Unternehmen. Die Wettbewerbsbehörden sollten sich schnell etwas intensiver für den Fußball interessieren, damit diesen Absurditäten endlich einmal eine Grenze gesetzt wird. Regulierung täte auch dem Fußball gut.

Falsche Lehrmeister

Deutschland kann wahrlich stolz sein auf seine wirtschaftlichen Leistungen. Während sonst in der Welt über den Niedergang nach der Krise lamentiert wird, erfreuen sich die meisten deutschen Unternehmen immer noch bester Gesundheit. Vor diesem Hintergrund ist es auch logisch, dass der Staat seinen Haushalt ausgleichen will. Natürlich lässt sich für die öffentliche Infrastruktur immer mehr machen. Die Regierung in Berlin sollte jetzt allerdings nicht dem Drängen aus dem Ausland – und besonders aus den USA – nach erhöhten Staatsausgaben nachgeben und am Konsolidierungskurs festhalten. Die Infrastruktur in Deutschland mag ihre Schwächen haben, kann sich im internationalen Vergleich aber immer noch sehen lassen. Zustände wie auf amerikanischen Straßen möchte hierzulande sicherlich niemand haben.

Eine angenehme Herbstwoche wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (1)

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Herr Thomas Albers

13.10.2014, 19:18 Uhr

"Die USA können frohlocken. Die Saudis sind nun auch ein Verbündeter im Konflikt mit Russland geworden."

Na, aber die insinuierte Behauptung, man hätte die Produktion extra deswegen hochgefahren, um den Russen zu schaden, greift ein wenig zu kurz. Auch wenn es verführerisch einfach klingt.

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