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23.12.2014

18:44 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die neuen Weisen aus dem Morgenlande

VonStefan Menzel

Saudi-Arabien verspricht dauerhaft niedrige Ölpreise, die US-Wirtschaft boomt. Die Ukraine gibt den blockfreien Status auf, Lidl will in die USA und das Kartellamt verhängt Rekordstrafen. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Geschenk vom Golf
Weihnachten ist in diesem Jahr ein ganz besonderes Fest der Freude. Wir alle können uns über unsere kräftig gestiegene Kaufkraft erfreuen. Verantwortlich dafür sind die großen Ölproduzenten der Welt, die uns mit ihrem Rohstoff nur so überschütten. Besonders erfreulich ist die Nachricht, dass Saudi-Arabien als weltgrößter Ölförderer seine Produktion auch dann hochhalten will, wenn der Preis noch weiter fallen sollte. Die zentrale Botschaft der neuen Weisen aus dem Morgenlande: Öl ist nicht nur jetzt zu Weihnachten extrem billig, sondern wird es auch im gesamten neuen Jahr 2015 sein.

Amerika ist wieder da
Was die neue Ölschwemme in der Welt auslösen kann, zeigt das aktuelle Beispiel USA. Die Amerikaner mussten ihre Wachstumsrate für das zurückliegende dritte Quartal kräftig nach oben korrigieren. Aus dem ursprünglich angesetzten Wachstum von 3,5 Prozent sind jetzt auf einmal fünf Prozent geworden, die stärkste Rate der vergangenen zehn Jahre. Natürlich geht dieses Wachstum auch auf die wiedergewonnene Stärke der US-Wirtschaft zurück. Kräftig angetrieben und gut geschmiert werden amerikanische Unternehmen und Verbraucher aber eben auch vom extrem billigen Öl. Das sind wunderbare Aussichten für 2015: Die US-Konjunkturlokomotive zieht die Weltwirtschaft mit nach oben.

Neue und alte Satelliten

Viel wird darüber diskutiert, dass der Westen mehr Rücksicht auf das angeschlagene Russland nehmen sollte. Die EU und die USA, so lautet ein häufig geäußerter Vorwurf, seien in Osteuropa in den früheren Satellitenstaaten der Sowjetunion zu aggressiv unterwegs gewesen. Was ist aber mit den Balten, den Polen und jetzt der Ukraine? Wer nimmt auf die Befindlichkeiten dieser Länder Rücksicht? Sie alle fürchten Russland. Sie haben Angst davor, dass Moskau die Öffnung Europas vor 25 Jahren wieder rückgängig machen will. Deshalb sind die meisten osteuropäischen Länder inzwischen Mitglied der Nato geworden. Heute hat auch die Ukraine ihren blockfreien Status aufgegeben. Natürlich regt sich Russland darüber auf. Aber es ist das gute Recht der souveränen Ukraine, sich seine Partner eigenständig und nicht nach Moskauer Gusto zu suchen. In Lugansk und Donezk lässt sich jeden Tag beobachten, wozu die Außenpolitik von Präsident Putin führen kann.

Exportnation
Deutschland wird für seine starke Automobilbranche weltweit gefeiert. Industrielle Fertigung, das kann unser Land extrem gut. Die Bundesrepublik bietet als Exportland aber noch mehr als nur industrielle Produkte. Deutschland wartet neuerdings auch mit extrem erfolgreichen Dienstleistern auf. Aldi und Lidl machen jeden Tag vor, wie heute ein modernes Handelskonzept aussieht. Großbritannien und Irland haben sie bereits erobert. Jetzt setzen sie auch zur globalen Expansion an. Lidl feilt am Markteintritt in den USA und Australien, will damit dem großen Konkurrenten Aldi folgen. Eines scheint dabei ziemlich sicher: Auch dieser Expansionsschritt dürfte zu einem Erfolg werden. Und ein zweiter Punkt: Die USA und Australien werden nicht das letzte Land sein, in dem die beiden deutschen Discounter-Riesen zum großen Sprung ansetzen.

Spitzbuben
Für den Bundesfinanzminister ist es ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk: Erstmals hat das Kartellamt in diesem Jahr Strafen von mehr als einer Milliarde Euro verhängt. Was Wolfgang Schäuble große Freude bereiten dürfte, ist für die deutsche Unternehmenslandschaft allerdings kein Ruhmesblatt. Die gewaltigen Strafen zeigen vielmehr auf, dass in Deutschland immer mehr Spitzbuben unterwegs sind, die von der Marktwirtschaft nicht besonders viel halten und die den freien Wettbewerb aushebeln wollen. Wir alle sollten dem Bundeskartellamt viel Erfolg für seine Arbeit wünschen. Damit es den Wettbewerbshütern 2015 gelingt, die Prinzipien der Marktwirtschaft in allen Bereichen der deutschen Wirtschaft durchzusetzen.

Das ist die letzte Abendkolumne vor Weihnachten. Die Redaktion von Handelsblatt Online wünscht allen unseren Lesern gesegnete Festtage. Es grüßt Sie herzlich Ihr

Stefan Menzel

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