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25.05.2012

18:37 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

VonOliver Stock

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Tapferkeit der Toreros

Toreros sind zäh. Für die Spanier sind sie ein Vorbild. Das müssen sie auch, denn für das Land kommt es knüppeldick: Spaniens reichste autonome Region Katalonien hat die Zentralregierung in Madrid heute um rasche finanzielle Hilfe gebeten. "Uns ist es egal, wie sie es tun, aber wir müssen am Monatsende Rechnungen bezahlen", sagte der katalonische Präsident Artur Mas. Damit nicht genug. Die Madrider Börsenaufsicht setzte heute die Notierung der teilverstaatlichten Großbank Bankia aus, während der Verwaltungsrat des viertgrößten spanischen Geldinstituts über einen Sanierungsplan beriet. Angeblich braucht Bankia mindestens 15 Milliarden Euro vom Staat und damit ein gutes Drittel mehr als angenommen. Spanien hat das Geld nicht und ist damit ein Kandidat für den europäischen Rettungsschirm, der allerdings zu klein ist für das große Land. Es sieht so aus, als müssten sich nicht nur die Spanier, sondern alle EUROpäer etwa von der Tapferkeit der Toreros abschauen.

Joggen statt Rennen

Wer Post von der UBS bekommt, ahnt manchmal schlimmes. Diesmal ging es allerdings nicht um Steuerthemen, sondern diesmal schrieb Chief Investment Officer Alexander Friedman in seinem Monatsbrief an die Kundenberater über die Eurokrise. Seine Einschätzung ist nicht minder erschreckend, als das was die UBS zum Thema Steuern häufig erklären musste. Friedman befürchtet den Bankrun. Es bestehe eine erhebliche Gefahr, dass Kunden in europäischen Peripheriestaaten die Bankschalter stürmen könnten. “Dies könnte einen großen Bankenkollaps auslösen, der wirklich beispiellose Schritte der Europäischen Zentralbank erforderte.” So alarmistisch wie die Schweizer, sind die Amerikaner nicht. Nobelpreisträger Paul Krugman hat sich des Themas auch schon angenommen. Seine Analyse: Einen "Bankrun" hält er für übertrieben, einen "Banjog", bei dem die Banken nicht gestürmt und geplündert, aber doch aufgesucht und erleichtert werden - den hält auch er für möglich.

Sanfter Spendendruck

Würden Sie im Falle eines Falles Ihr Organ spenden? Ja. Haben sie diesen Willen irgendwo niedergeschrieben, etwa in einem Organspenderpass? Nein. Dann denken Sie so wie 80 Prozent aller Menschen in Deutschland. Zugleich stirbt in Deutschland im Durchschnitt alle acht Stunden ein Mensch, dem ein Spenderorgan womöglich das Leben gerettet hätte. Damit sich das ändert, hat der Bundestag heute beschlossen, dass jeder Deutsche ab 16 Jahre künftig regelmäßig per Brief aufgefordert wird, eine Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben. Die Entscheidung bleibt aber freiwillig. Das dürfte die Zahl der Spender erhöhen. Zumindest dann, wenn sicher gestellt ist, dass mit den sensiblen Daten kein Schindluder getrieben wird. Das erste Mailing nach dem Motto: "Morgen sterben, aber heute schon kassieren - verkaufen sie ihr Herz zu Lebzeiten" wäre der Beweis des Gegenteils.

Weltlicher Fehler bei himmlischer Bank

Auch Vertreter des lieben Gotts auf Erden sind nur Menschen. Und haben Fehler. Die Vatikanbank hat deswegen ihren Chef Ettore Gotti Tedeschi abgesetzt. Er übernahm die weltliche Führung bei der Vatikanbank, deren offizieller Name “Istituto per le Opere di Religione” auf deutsch “Institut für religiöse Werke” lautet, vor drei Jahren. Knapp 12 Monate später beschlagnahmte die italienische Staatsanwaltschaft 23 Mill. Euro von einem Bankkonto des Instituts wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Tedeschi wurde vorgeworfen, bei Finanztransaktionen Daten weggelassen zu haben. Die Vatikanbank sucht nun nach einem Nachfolger, der die Beziehungen zu der Finanzwelt wiederherstellen soll. Büßwillige Investmentbanker bitte melden!

Ein sonniges Pfingstwochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

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