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26.07.2012

18:29 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die Zaubertricks der Währungshüter

VonMartin Dowideit

EZB-Präsident Mario Draghi hat heute in Aussicht gestellt, wonach Italien und Spanien lechzen: Die Notenbank könnte wieder Staatsanleihen aufkaufen. Derweil zeigt sich Volkswagen stark und Batman landet in den Kinos.

Martin Dowideit leitet das Ressort Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.

Martin Dowideit leitet das Ressort Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.

Guten Abend,

Man sagt, er habe magische Kräfte

Wenn ich einem deutschen Fernsehsender glaube, hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) magische Kräfte. „Simsalabim“ habe Mario Draghi heute die Kurse an den Börsen in die Höhe gehext, flimmerte über die Bildschirme. Was hatte Draghi getan? Er hatte darauf verwiesen, dass der „Transmissionsmechanismus der Geldpolitik“ angesichts hoher Zinsen für italienische und spanische Anleihen gestört sein könnte. Das ist die Ausrede, mit der Draghis Vorgänger Anleihekäufe im großen Stil durch die Notenbank begründet hatte. Jetzt könnte es also bald wieder so weit sein. Es wäre ein Schritt, der mittelfristig Inflation bedeuten könnte. Doch jede mögliche Nebenwirkung gilt an den Märkten als das geringere Übel im Vergleich zur derzeit abwärts gerichteten Krisenspirale. Deswegen machte der Dax heute einen Freudensprung und der Euro tat es ihm gleich.

Fiat gönnt Volkswagen den Erfolg nicht

Mit deutlichen Worten hat sich Fiat-Chef Sergio Marchionne zu Wort gemeldet. Er wirft dem Volkswagen-Konzern vor, die Krise europäischer Konkurrenten durch eine Rabattschlacht zu verschärfen. Es gebe ein „Blutbad bei den Margen“. An dem Vorwurf könnte etwas dran sein. Zumindest hat Volkswagen heute so starke Zahlen präsentiert, dass man sich leicht vorstellen kann, dass es Spielraum für Preisnachlässe gibt. Im ersten Halbjahr stieg der Fahrzeugabsatz um zehn Prozent auf 4,6 Millionen Fahrzeuge und der Gewinn legte - auch dank Buchgewinnen aus der Porsche-Übernahme - deutlich zu.

Siemens will Osram verabschieden

Das Gewinnziel von etwas über fünf Milliarden Euro in diesem Jahr beim Siemens-Konzern wankt. Auch wegen der schwachen Euro- und Weltkonjunktur ist der Auftragseingang bei dem Industrieriesen eingebrochen. Die Bilanz polieren soll ein „Spin-off“ des Leuchtmittelgeschäfts Osram. Einen echten Börsengang wagt Siemens für die Tochter nicht angesichts der wackeligen Finanzmärkte. Stattdessen soll Osram abgespalten werden. Was der Markt nicht will, wird den bestehenden Aktionären aufs Auge gedrückt. Das muss aber nicht zwingend eeine schlechte Lösung sein. Das Bayer-Spin-Off Lanxess zeigt's.

Batman ist in deutschen Kinos angekommen

Der Ruf eines CSU-Hinterbänklers, die deutsche Premiere des neuen „Batman“-Films zu verschieben, ist ungehört verklungen. Der Amoklauf bei der US-Premiere macht es dem Studio aber zurecht schwer, sich über den wirtschaftlichen Erfolg des Films zu freuen, schreibt unser US-Korrespondent Nils Rüdel. Abgesehen davon finden wir den Film in Ordnung, aber nicht sensationell, schreibt Maike Freund in ihrer Kritik.

Eine ruhigen Abend wünscht

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Kommentare (3)

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Steuerschaetzer

26.07.2012, 19:32 Uhr

Draghi, magische Kräfte, dass ich nicht lache. Ein Greenspan oder Bernanke in Hosentaschenformat. Er soll nur aufpassen mit seinen "magischen Kräften" und in die USA blicken. Was ist dort passiert, als die beiden vorher genannten die Gelddruckmaschine angeworfen haben? Der realen Wirtschaft hat es nach jeweils einen kurzen Boom im Internet-Sektor und dem Finanzbereich nichts gebracht. Die US-Wirtschaft dümpelt dahin und Obama fürchtet um seine Wiederwahl. Das könnte auch in Europa passieren. Und die Politik ds leichtzen Geldes hat auch in Italien zur Zeiten der Lira der realen Wirtschaft nicht viel geholfen, lediglich Inflation im höheren Bereich und darauf folgende Abwertungen gebracht. Als Italiener müsste er also wissen, dass eine Politik des "leichten Geldes" die Strukturprobleme der "Pleitestaaten" nicht lösen wird. Der Knall wird nur etwas hinaus geschoben. Aber wahrscheinlich genießt er gerne für einen Augenblick den Beifall der Zocker wie SOROS. Und die Steuerzahler der soliden Länder müssen "bluten"!

Mazi

26.07.2012, 20:56 Uhr

An die Bundesregierung!

Wie halten sie es mit unserer Altersvorsorge? Werden wir Bürger geopfert, weil wir nicht systemrelevant sind?

Sie haben einen Vertrag zur Gründung der EZB geschlossen und darin vereinbart, dass die EZB keine Staaten finanziert. Eben dies macht sie aber jetzt und zerstört unsere Altersvorsorge.

Sie dulden den Verstoß gegen Verträge. Sie haben international das Recht verwirkt ernst genommen zu werden und dulden gleichzeitig unsere Enteignung.

Ich erwarte von Ihnen, dass sie die angerichteten Schäden wieder bereinigen?

Das was hier abgeht, stellt sogar die Agenda 2010 des Herrn Schröder ins Abseits. Der hatte nur seine eigene Klientel beschissen. Sie dagegen geben das gesamte deutsche Volk in Zahlung. Das soll sozial sein?

Eigentum verpflichtet, werden sie argumentieren. Das Grundgesetz sagt aber auch, vor dem Gesetz sind alle gleich.

Was ist jetzt mit ihrer Altersvorsorge, ihren Pensionen für die sie nicht einmal einen Cent gezahlt haben. Die müssen genauso zusammen gestrichen werden.

Account gelöscht!

26.07.2012, 22:45 Uhr

Draghi hat es gut gemacht. Nicht nur die Börsen in Madrid und Mailand sind nach oben gegangen, Zuversicht hat auch Frankfurt und Amsterdam erfasst. Das war und ist dringend nötig.

Worauf ich für eine ganze Weile verzichten könnte, sind die Schreckensgemälde an der Wand, die in den Kommentarspalten der deutschen Medien von den Jüngern der deutschnationalen Wirtschaftslehre Tag für Tag abgeliefert werden. Es droht die Welt zusammenzubrechen - und wovon reden diese Leute? Von den Gefahren, die übermorgen, im Jahr 2022 oder beim jüngsten Gericht drohen könnten.

Warum nicht mal alternativ in den Biergarten gehen und eine Halbe trinken?

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