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12.05.2015

19:16 Uhr

Was vom Tage bleibt

Die Zeit der neuen Unsicherheit

VonStefan Menzel

Der Dax bricht wieder ein, russische Soldaten sterben in der Ukraine. Easyjet weist Air Berlin den Weg, Thyssen-Krupp schreibt schwarz und Österreich will die deutschen Maut-Pläne stoppen. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Zittern an den Märkten

Einen unruhigen Tag haben die Finanzmärkte hinter sich. Wieder ist der Dax gleich um mehrere hundert Punkte eingebrochen, die Zinsen für deutsche Staatsanleihen gehen nach oben. Zugleich hat auch der Euro erneut stärker an Wert gegenüber dem US-Dollar gewonnen. Die Experten suchen noch nach der richtigen Erklärung. Die Unsicherheit ist deutlich größer geworden – alles riecht irgendwie nach Umbruch. Einige Wochen werden wahrscheinlich noch ins Land gehen, dann herrscht Klarheit. Aber alles deutet in die eine Richtung – die große Zinswende steht bevor, die Zeit der Niedrigstzinsen geht zu Ende.

Traurige Liste

Die russische Opposition hat eindeutige Zahlen auf den Tisch gelegt: Bei den Kämpfen in der Ostukraine sind bislang 220 russische Soldaten gefallen. Die offizielle Reaktion aus Moskau dürfte nicht allzu lange auf sich warten lassen – alles andere als ein Dementi wäre eine Überraschung. Und wer hat nun Recht? Vielleicht ist die Zahl nicht ganz korrekt. Aber dass russische Soldaten die Separatisten im Donbass aktiv unterstützen, daran habe ich überhaupt keine Zweifel. Russland ist in diesem Konflikt Partei, die offene militärische Unterstützung gehört aus Moskauer Sicht dazu.

Schwarz ist möglich

Der eine jammert, der andere jubiliert. Air Berlin hat im ersten Quartal dieses Jahres erneut tiefrote Zahlen geschrieben. Eine extrem unerfreuliche Bilanz, die zu Optimismus wenig Anlass bietet. Natürlich laufen die Geschäfte einer Airline zum Jahresbeginn deutlich schlechter als im Sommerhalbjahr. Aber trotzdem muss es nicht so schlecht ausgehen wie bei Air Berlin. Easyjet hat zum Winterhalbjahr den Turnaround zu schwarzen Zahlen geschafft. Allein dieses Beispiel zeigt, wie weit Air Berlin hinterherhinkt und die Konkurrenz ziehen lässt. Bei Air Berlin muss etwas passieren, sonst sieht es bald ganz düster aus.

Es geht wieder was

In Essen gibt es wieder Hoffnung. Bei Thyssen-Krupp haben viele Dinge lange überhaupt nicht funktioniert. Die Projekte in den USA und in Brasilien sind die bekanntesten Beispiele, die der Essener Konzern am besten gar nicht erst begonnen hätte. Den meisten Investoren ist deshalb klar, dass vor Thyssen-Krupp noch eine längere Wegstrecke der Sanierung liegt. Da ist es Balsam auf die geplagte Thyssen-Seele, dass Deutschlands größter Stahlkonzern zu Jahresbeginn wieder Gewinne verbuchen kann. Der Anfang ist zum Glück geschafft.

Fehlplanung

Die Pkw-Maut für deutsche Autobahnen ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Was in anderen Ländern seit Jahrzehnten funktioniert, kann natürlich auch ein Modell für Deutschland sein. Autofahrer aus den Nachbarländern können selbstverständlich ihren Beitrag zur Finanzierung deutscher Straßen leisten, das wäre nur gerecht. Schließlich müssen deutsche Autofahrer in Italien oder Frankreich zahlen. Österreich geht nun völlig zu Recht gegen die Berliner Pläne vor, deutschen Autofahrern die neue Maut über einen Nachlass bei der Kfz-Steuer zu erstatten. So etwas verstößt gegen EU-Recht, alle Autofahrer müssen gleich behandelt werden. Berlin muss deshalb endlich ehrlich werden: Die Maut kann kommen, eine Erstattung wird es aber nicht geben.

Einen angenehmen Frühlingsabend wünscht Ihnen  

Stefan Menzel

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