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03.02.2015

18:53 Uhr

Was vom Tage bleibt

Dieser Leser hat Recht

VonOliver Stock

In der Debatte um die Wahrheit über die Ukraine dürfen die Perspektiven nicht verrutschen. Griechenland erhält Rat, auch ungebetenen. Die Bonitätsfriseure bleiben ungeschoren. Was Sie heute gelesen haben sollten.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Recht und Unrecht

In der Ukraine herrscht Krieg. Wir haben das heute so schlicht und wahrhaftig beschrieben und damit eine hitzige Debatte unserer Leser darüber ausgelöst, wer eigentlich für das blutige Treiben im Osten des Landes verantwortlich ist. Mir gefällt der Beitrag eines Lesers am besten, der durch seine Klarheit besticht. Er schreibt: „Die Ukraine ist ein von Separatisten militärisch angegriffener Staat. Diese Separatisten werden von Russland in ihren illegalen Handlungen militärisch unterstützt. Die aktuelle Kiewer Regierung ist unter Beobachtung demokratisch legitimiert worden.“ Die Aggression erzeuge Gegenaggression. Zu diesen nüchternen Tatsachen fügt er noch hinzu, dass er das Ganze furchtbar findet. Ich meine, das kann so stehen bleiben.

Unser Rat an Griechenland

In der Debatte über einen Ausweg aus dem griechischen Schuldendrama geraten reiche Griechen ins Visier. Zumindest aus deutscher Sicht ließe sich bei dieser Gruppe noch einiges an Geld mobilisieren, um dem Mittelmeerstaat finanziell auf die Beine zu helfen. CDU-Politiker wie Michael Fuchs fordern die Regierung in Athen auf, die Steuerfreiheit für griechische Reeder zu beenden. Uns ist nicht bekannt ist, ob Michael Fuchs die in Deutschland seit 16 Jahren geltende Tonnage-Steuer kennt. Sie erlaubt deutschen Reedern ihr Schiff nach der Größe besteuern zu lassen und nicht danach, was es tatsächlich an Umsatz bringt. In der Regel sei das ein lohnendes Geschäft, versichern die Reeder freudestrahlend. Das federführende Verkehrsministerium verschickt gerne entsprechendes Informationsmaterial nach Athen.

Bonitätsfriseure bleiben ungeschoren

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat sich im Rechtsstreit um geschönte Kreditbewertungen mit der US-Regierung und einem Pensionsfonds geeinigt. Sie wird 1,5 Milliarden Dollar zahlen und kauft sich damit aus einem Verfahren um frisierte Bonitätsnoten frei. Den Kreditnotengebern war vorgeworfen worden, Investoren mit zu positiven Kreditbewertungen in die Irre geführt und so die Finanzkrise brandbeschleunigt zu haben. Was mich an derlei Vergleichen stört, ist, dass niemand dafür verantwortlich ist. Es gibt eine als Vergleich betitelte Geldstrafe, aber was machen eigentlich die Bonitätsfriseure?

Weniger teuer

Manchmal lässt sich in viel Ungemach auch die gute Nachricht finden. So im neuesten Gutachten von Immobilienexperten: Zwar seien die Mietpreise auch 2014 gestiegen, aber nicht mehr so stark wie im Vorjahr, stellen sie fest. Für Mieter heißt das: Billig wird es nicht, nur eben weniger teuer.

Italienische Dialektik

Sergio Mattarella heißt Italiens neuer Staatspräsident. Der 73jährige bestätigt unsere Meinung über Italiener, die so lässig das Schöne mit dem weniger Schönen verbinden können. Frei nach dem Motto: Alfa? Sieht gut aus, geht aber schnell mal kaputt. Mattarella hat jetzt gesagt: Finanzkonsolidierung ist okay, aber nur begleitet von einer Wachstumsinitiative. Das ist in etwa so, als wenn ich sage: Diät ist okay, aber nur wenn es zwischendurch auch mal Mozarella gibt.

Einen italienischen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (5)

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Herr C. Falk

03.02.2015, 19:55 Uhr

Der Donbass ist ein von Kiew angegriffenes ukrainisches Territorium, das sich separiert hat, ähnlich wie Slowenien und Kroatien sich vom serbisch dominierten Jugoslawien 1991 separiert hatte.

Slowenien und Kroatien wurden unverzüglich von der Bundesrepublik Deutschland
als unabhänige Staaten anerkannt.

Der Krieg Slowenien/Belgrad dauerte 10 Monate.
Der Krieg Kroatien/Belgrad von 1991-95.

Wielage der Krieg Donnbass/Kiew dauert ist ungewiss.

Beo Bachter

03.02.2015, 19:56 Uhr

"Die Ukraine ist ein von Separatisten militärisch angegriffener Staat. ... Ich meine, das kann so stehen bleiben. "

Kann es leider nicht Herr Stock. Jedenfalls nicht wenn man den Krieg wirklich beenden will. Die Russen wollen den US-Kapitalismus nicht und ich übrigens auch nicht. Darum geht es bei allem Wahnsinn den wir gerade erleben. Sei es nun TTIP, "QE-Euro" in Tradition der FED oder Ukraine. Dass der Stärkere -die USA- subtiler & unterschwelliger mobben und Aggression ausüben kann als Russland, sollte nicht davon ablenken, dass die USA den Kampf um die Vorherrschaft der Ukraine in dieser spalterischen Form eröffnet und gewollt hat. Ein organisches Hineinwachsen der Ukraine nach Europa wäre ohne anti-russisch spalterischen Nationalismus möglich gewesen.

Frau Ich Kritisch

03.02.2015, 20:20 Uhr

Zitat: "Diät ist okay, aber nur wenn es zwischendurch auch mal Mozarella gibt."

Ist doch kein Problem - Viel Tomate - gut Basilikum ein paar Tropfen Olivenöl und etwas Mozarella - Ist lecker und gesund - und macht ab und zu nicht dick :-)))

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