Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2015

18:43 Uhr

Was vom Tage bleibt

Draghi und die Märkte

VonStefan Menzel

Die EZB wird die Geldschleusen öffnen, der Ölpreis fällt weiter. Viele Steuersünder wollen Rettung per Selbstanzeige, Griechenland bekommt eine neue Partei und die Rente könnte freiwilliger werden. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Beweger

Mario Draghi kann immer noch die Märkte bewegen – trotz der anhaltenden Ruhe nach den Feiertagen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über anhaltend niedrige Zinsen und den Aufkauf von Anleihen. Prompt legen die Börsen zu. Draghi weiß allzu genau, was auf ihn zukommt. 2015 wird für die Europäische Zentralbank und ihren Präsidenten zum Jahr der Herausforderung. Die wirtschaftlichen Aussichten in der Euro-Zone sind nicht unbedingt gut, dazu kommt eine drohende deflationäre Entwicklung. Die EZB wird in großem Stil Anleihen aufkaufen müssen, nach dem Vorbild der USA kann das europäische „Quantitative Easing“ starten. Ein neues Zeitalter der europäischen Zentralbank-Politik beginnt.

Gut geschmiert

Dass die Preise in Europa derzeit eher fallen als steigen, ist nicht unbedingt auf schwache Konjunkturaussichten zurückzuführen. Es gibt den großen Sonderfaktor Öl. Im Verlauf des vergangenen Jahres hat sich der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) ungefähr halbiert. Da das liebe Öl überall in unserer Volkswirtschaft präsent ist, müssen die Preise auch überall fallen. Das entspricht einfachster ökonomischer Logik. Zumindest in einer Übergangszeit sollte die EZB auf diese Entwicklung mit einer Politik des billigen Geldes reagieren. Die Volkswirtschaften werden erst eine gewisse Frist brauchen, um sich auf das neue Zeitalter des billigen Öls einzustellen. Im weiteren Verlauf von 2015 dürfte die EZB ihre liquiden Hilfen wieder zurückfahren. Dann reicht allein das billige Öl als Beschleuniger der Konjunktur.

Die Angst vorm Fiskus

Unter den deutschen Steuerzahlern geht die Angst um. Allein in Bayern haben sich im vergangenen Jahr 6000 Steuerzahler selbst als Steuersünder angezeigt, um einer drohenden Strafe zu entgehen. Der frühere FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß gilt sicherlich als abschreckendes Beispiel. Denn wer möchte schon ins Gefängnis? Hoeneß hat jetzt immerhin den Freigänger-Status erlangt und kann bald auf komplette Freilassung hoffen. Für die Steuermoral in Deutschland ist die Inhaftierung des Fußballmanagers ein Glücksfall gewesen. Steuerhinterziehung dürfte nun endgültig nicht mehr als Kavaliersdelikt gelten.

Griechisches Roulette

Das Verwirrspiel in Griechenland wird von Tag zu Tag größer. Jetzt kündigt auch der frühere Ministerpräsident Giorgos Papandreou an, bei den Wahlen Ende des Monats mit einer eigenen Partei antreten zu wollen. Der Wahlausgang lässt sich damit noch schwerer vorhersagen als bisher. Papandreou schwächt damit auf jeden Fall seine alte Partei, die sozialdemokratische Pasok. Doch die auch gesamte parteipolitische Linke könnte unter dieser Neugründung leiden; auch die radikale Syriza-Partei, die bislang noch als vermeintliche Gewinnerin der Parlamentswahlen gehandelt wird. Und wer weiß? Vielleicht setzt sich am Ende doch wieder der konservative Regierungsblock durch – und die große Aufregung mit Börsenzittern inklusive war völlig umsonst.

Etwas länger arbeiten

Die Rente ist schon lange nicht mehr das, was sie früher einmal war. Weil wir immer länger leben, dürfte den Rentenkassen nach den bislang geltenden Zuteilungsregeln auf absehbare Zeit die Puste ausgehen. Deshalb ist jeder Vorschlag willkommen, der für mehr Flexibilität im Rentensystem sorgt. Jeder, der über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten möchte, sollte das auf jeden Fall auch tun können. Reglementierungen gibt es hierzulande schon genug. Da darf sich auch die Rentenkasse gern ein wenig öffnen.

Die Zeit der Feiertagspause geht langsam dem Ende zu, nächste Woche hat uns alle der Alltag wieder. Genießen Sie das letzte freie Wochenende. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×