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23.09.2014

19:10 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ebola und die Ratlosigkeit

VonStefan Menzel

Die Zahl der Ebola-Fälle wächst extrem schnell, Deutschland bekommt die Mietpreisbremse. In Brandenburg geht die SPD mit den Linken, Österreichs Banken leiden und die AfD löst im Ausland Ängste aus. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Unvorstellbar

Ebola und Westafrika sind weit weg, Europa und der Rest der Welt scheinen nicht in Gefahr zu sein. Doch das, was gerade in Liberia und Sierra Leone passiert, geht über unser aller Vorstellungsvermögen hinaus. Niemand hat Erfahrungen damit, was sich da im Moment im Westen Afrikas abspielt. Eine US-Behörde warnt davor, dass es Ende Januar 500.000 bis 1,4 Millionen Ebola-Erkrankte geben könnte. Heute noch eine unvorstellbare Zahl. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich Ebola ausbreiten kann, aber durchaus realistisch. Europa und der Rest der Welt müssen jetzt helfen – damit Ebola noch rechtzeitig eingedämmt wird.

Vernunftbremse

In den deutschen Großstädten gibt es in der Tat ein wachsendes Wohnungsproblem. Gerade für Familien mit mittleren und niedrigen Einkommen fehlt es an günstigem Wohnraum. Die Koalitionäre in Berlin meinen nun, dass sie für mehr preiswerten Wohnraum sorgen, wenn sie die Mietsteigerungen mit der neuen Mietpreisbremse begrenzen. SPD und Union scheinen die einfachsten Regeln einer Marktwirtschaft einfach nicht begreifen zu wollen. Wer investiert denn noch, wenn die Preise gedeckelt sind? Die Entscheidung von heute steht für politischen Aktionismus, der in der Sache nicht weiterhilft.

Klein und unwichtig

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke möchte in Potsdam seine Koalition mit den Linken fortsetzen. Im Bund und in den westlichen Bundesländern würde die SPD niemals auf den Gedanken kommen, sich auf eine Regierungsbildung mit der Linken einzulassen. Zu groß ist die Angst davor, dass der Geruch der alten DDR-Einheitspartei die Sozialdemokraten einholen könnte. Warum ist eine rot-rote Koalition dann doch in Potsdam möglich? Die Erklärung fällt simpel aus: Brandenburg ist klein und unbedeutend. Was die Sozialdemokraten dort auf regionaler Ebene veranstalten, das ist der Bundes-SPD völlig egal.

Angstmacher Osteuropa

Österreich muss unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen? Die Euro-Länder und damit auch Deutschland überweisen riesige Milliardenbeträge nach Wien, damit die Banken unseres kleinen Nachbarlandes überleben können? „Unvorstellbar“ lautet wohl heute die durchgängige Antwort, Österreich ist doch ein Hort von Stabilität und Wohlstand. Ja, das stimmt. Aber die Risiken, die Österreichs Geldhäuser etwa in der Ukraine und in Russland eingegangen sind, die drücken gewaltig. Hoffentlich geht das gut.

Ritterschlag

Die AfD ist in der etablierten Parteienlandschaft angekommen. Nach den jüngsten Erfolgen bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland wird die AfD sogar schon von solch wichtigen Institutionen wie den Ratingagenturen wahrgenommen. Bedeutender könnte der Ritterschlag für AfD-Chef Lucke kaum sein. Standard & Poor’s warnt davor, dass Deutschland an politischer Stabilität verlieren wird, sollte die AfD noch mehr an Einfluss gewinnen. Das ist der Weckruf an SPD und Union: Die Große Koalition muss der Bevölkerung endlich erklären, warum das Exportland Deutschland auf EU und Euro einfach nicht verzichten kann.

Einen erholsamen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (2)

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Sergio Puntila

23.09.2014, 20:25 Uhr

Is doch praktisch so ein Virus zu nutzen, um zur Krankheitsbekämpfung ersteinmal Armeen auf den Weg zu bringen.
Und dann mit Hilfsnachfragen und Brandbriefen an die Kanzlerin.
Finden Sie nicht auch?

Herr Helmut Metz

23.09.2014, 20:55 Uhr

Die Ausbreitung der Ebola-Epidemie erfolgt nach dem mathematischen Gesetz der Exponentialfunktion. Die Menschen sind jedoch naturgemäß Lineardenker: sie schauen nur auf die y-Achse, also auf die Anzahl der Krankheitsfälle - jedoch vernachlässigen sie leider die x-Achse. Dadurch verkennen sie, dass die Zeit zum Handeln immer kürzer wird.
Den Kopf schütteln muss ich allerdings darüber, dass diese Problematik bei Ebola absolut klar erkannt und sogar in den MSM ausführlich thematisiert wird...
http://www.welt.de/print/wams/wissen/article132224307/Die-Macht-des-Exponentiellen.html
... aber bei unserem Geldsystem, das der gleichen Gesetzmäßigkeit folgt, komplett ignoriert wird.
Auf das für mich beste Aufklärungsvideo zum Ebola-Ausbruch habe ich, soweit ich mich erinnern kann, schon einmal hingewiesen:
http://www.youtube.com/watch?v=NJ6vPhEtLK4&list=UUfhQH9DzSSYesc0Su0dqnMQ

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