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03.09.2015

19:05 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ein Bild erschüttert unser Weltbild

VonOliver Stock

Das Bild des ertrunkenen Jungen, der ein Flüchtling war, erschüttert die Welt und setzt sogar hartgesottene Politiker in Bewegung. Das Herz schreit, und der Verstand fragt, was tun? Die Nachrichten des Tages lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

Erschütterung

Erstens: Ein Asylbewerber erhält in Deutschland 143 Euro im Monat, wenn er in einem Heim wohnt. Belgien zahlt 222 Euro, Bulgarien 34 Euro. Zweitens: Budapest riegelt seinen Bahnhof für Züge ab, die nach Westen fahren. Drittens: Das Bild eines kleinen geflüchteten Jungen, der ertrunken am Strand liegt, erschüttert weltweit die Zuschauer. Wer diese drei nüchternen Beschreibungen der Wirklichkeit des heutigen Tages wie ein Puzzle zusammensetzt, erhält eine Landkarte der Ratlosigkeit. Jedes Puzzleteil erzählt eine Geschichte. Aber zusammengenommen bricht ein Weltbild auseinander.

Ach Gott VW

Der Herr der Finanzen bei VW heißt Hans Dieter Pötsch. Bislang. Künftig soll er an die Spitze des Aufsichtsrats rücken und seinem bisherigen Chef Martin Winterkorn auf die Finger gucken. Der etwas pietätlose Vergleich sähe so aus, dass der liebe Gott den Papst zu seinem Aufsichtsrat kürt. Man muss kein Religionslehrer sein, um zu erkennen, wer dann das sagen hat.

Wer hört auf die Mahner?

Während sich EZB-Chef Mario Draghi heute auf die geldpolitische Pressekonferenz der Notenbank in Frankfurt vorbereitete, ging der ehemalige Chef der deutschen Bundesbank Axel Weber bei einer Handelsblatt-Tagung nebenan nicht zimperlich mit der Geldpolitik um: „Ich glaube, die EZB wird sich irgendwann dazu durchringen müssen, die Unterstützung für die nicht nachhaltige Wirtschaftspolitik einzustellen. Sie muss notwendige Reformen anmahnen. Das haben wir früher getan, statt per Geldpolitik nur Zeit zu kaufen.“ Das Problem liegt im Anmahnen. Es ist harmlos, so lange man nicht anordnen kann.

Reformlahm

Das Fifa-Reform-Komitee hat getagt. Vorschläge, was die Fifa besser machen könnte gibt es zuhauf: einen Aufsichtsrat bilden, die Amtszeiten beschränken. Das Blöde ist, dass die Fifa selbst entscheiden kann, ob sie sich verändert. Das ist eine Garantie, dass alles so bleibt, wie es ist.

Heile Ebay-Welt

Das erste Stück Trödel, das über Ebay verkauft wurde, war ein kaputter Laserpointer für 14,5 Dollar. Das ist 25 Jahre her. Auf die Frage, warum er einen kaputten Laserpointer kaufe, antwortete der Käufer damals: „Ich sammle kaputte Laserpointer.“ Inzwischen ist der aus dem kruden Flohmarkt ein weltweites Ecomerce-Unternehmen geworden. Ebay steht für eine heile, digitale Erfolgsstory, nur der Laserpointer ist immer noch kaputt.

Einen heilen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (4)

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Herr Hans Henseler

03.09.2015, 19:15 Uhr

Der Junge ist einer von vielen, die schon verunglueckt sind und hunderte vielleicht
tausende werden folgen. Wer ist schuld? Die zoegerlichen Regierungen und Buerger
der moeglichen Asyl-Laender? Wie haetten sie es verhindern koennen?
Schuld sind diejenigen, die die vorher stabilen Heimatlaender in chaotische Kriegs-
schauplaetze verwandelt haben und dies weiter tun,. Die Namen sind bekannt, wann
wird ihnen das Handwerk gelegt, und wann werden sie fuer ihre unsaeglichen
Verbrechen zur Rechenschaft gezogen?

Herr Manfred Zimmer

03.09.2015, 19:30 Uhr

Ich habe vorhin die heute-Nachrichten und auch dieses Bild gesehen.

Mich kotzt es an, wenn die gleichen Politiker vor die Kameras treten, die vor wenigen Tagen 26 Mrd. € für die Bankenrettung in Griechenland "alternativlos" locker machten und nicht einmal 10 % eines solchen Betrages zur Bewältigung des Flüchtlingsproblems im letzten Jahr locker machten.

Mich kotzt auch an, dass diese Politiker gleichzeitig vorgeben, der CDU anzugehören. Von christlich kann ich da nichts erkennen. Sorry, aber das ist nichts anderes als IS-Terror mitten unter uns. Es sind tatsächlich Wölfe im Schafspelz. Mir bleibt nur Verachtung für sie übrig.

Während andere um ihr nacktes Leben auf der Flucht kämpften, wie dieser kleine Junge, haben sie für sich eine Diätenerhöhung von 10 % im letzten Jahr auf den Weg gebracht. Das war nicht nur zynisch, das war unmenschlich. Das ist Habgier.

Pegida ist im Vergleich dazu ein sozialer Haufen!

Herr Peter Spiegel

03.09.2015, 19:30 Uhr

Ein Bild erschüttert unser Weltbild@
Tote Dank der deutschen Regierung, das hat Ihnen doch Herr Orban gesagt.
Tote Kinder darstellen, um die Meinung der deutschen Regierung darzustellen, das ist nicht akzeptabel. Ich bin schon etwas älter und verabscheue das alles zu tiefst.

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