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17.04.2014

18:30 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ein Fass ohne Boden?

VonStefan Menzel

Die Ukraine wird gewaltige Milliardenbeträge brauchen, der Taxi-Service Uber darf nicht nach Berlin. Seat bekommt neue Modelle, Liechtenstein gibt sich reumütig und der Immobilienmarkt läuft heiß. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Teure Ausflüge

Politik ist die eine Sache, Wirtschaft die andere. Natürlich ergreifen unsere Politiker für die neue ukrainische Führung in Kiew das Wort und verteidigen sie gegen die Angriffe von russischer Seite. Und genauso selbstverständlich sichern sie dem zwischen Ost und West zerrissenen Land für die kommenden Jahre jede Unterstützung zu. Aber kaum jemand hat offen gesagt, was die Hilfe für die Ukraine kosten wird. Der Krisenstaat wird über Jahre gewaltige Milliardenbeträge brauchen, um über die Runden kommen zu können. Das ist dann eben die wirtschaftliche Seite – und das bedeutet: Die Ukraine wird teuer.

Monopol-Verteidiger

Überall in unserer Wirtschaft gibt es noch die kleinen geschützten Monopole. Die Apotheken verteidigen ihre Vorrechte mit Klauen und Zähnen und auch im Handwerk gibt es den einen oder anderen besonders geschützten Bereich. Das Taxi-Gewerbe gehört auch dazu, neue Mitbewerber werden mit aller Macht aus dem Transportgewerbe hinausgedrängt. Leider gibt es für diese Position auch noch Unterstützung von den Gerichten. Der neue, aus den USA kommende Transportservice Uber darf in Berlin nicht aktiv werden, weil das die Taxi-Fahrer und die Richter nicht wollen. Schade, Marktwirtschaft sieht anders aus.

Spanische Nöte

Gut, die Mutter Volkswagen hat ihre krisengeplagte spanische Tochter rundumversorgt und mit neuen Modellen ausgestattet. Auch der als Golf-Konkurrent positionierte Leon kann sich in Bezug auf seine technischen Fähigkeiten durchaus sehen lassen. Gut also, mögen auch die Seat-Verantwortlichen in Spanien jetzt sagen. Eine Existenzberechtigung hat das schwächste Glied aus der VW-Kette damit aber noch lange nicht. Seat muss erst beweisen, dass das Unternehmen wirklich auf Dauer wieder Geld verdienen kann. Nur dann hätte das Unternehmen eine Zukunft. VW hat inzwischen so viele Töchter im Programm, dass der Verlust einer Marke durchaus zu verschmerzen wäre.

Späte Reue

Die Banken aus Liechtenstein kündigen jetzt die „Zeit des Reinemachens“ an. Schön, schön. Aber irgendwie klingt das ziemlich scheinheilig. Die Regulierungsbehörden seien dafür verantwortlich, dass fragwürdige Steuersparmodelle über Jahre im kleinen Fürstentum für Steuerflüchtlinge aus dem Ausland angewendet worden sein. Jetzt, da die Regeln verschärft werden, würden sich die Banken selbstverständlich an die neuen Vorschriften halten. Doch was ist mit der Moral und der Eigenverantwortung? Natürlich hätten die Liechtensteiner auch schon vorab von sich aus aktiv werden können und müssen. Das wollten sie aber offensichtlich nicht, wenn sich mit den Ausländern so wunderbar verdienen lässt.

Luftnummern

Der deutsche Immobilienmarkt hat ordentlich an Fahrt aufgenommen. Wenn überall die Rede vom Ende der Euro-Zone ist, dann bietet Betongeld natürlich ordentlichen Schutz und beruhigt zugleich das Gewissen. Inzwischen werden wieder Finanzierungsmodelle gebastelt, die jenseits von Gut und Böse sind. Eigenkapital? – Nicht mehr nötig. Wieder beginnen die Exzesse, vor denen uns doch schon unsere Großeltern gewarnt haben. Die schlimmen Erfahrungen von 2008 und den Folgejahren sind gleichfalls schon wieder verblasst. Da wird schon wieder kräftigt an einer Blase gearbeitet. Niemand darf sich wundern, wenn es bald wieder das große Erwachen geben sollte.

Genießen Sie die bevorstehenden Osterfeiertage. Die gesamte Redaktion von Handelsblatt Online wünscht Ihnen ein frohes Fest. Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

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