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10.05.2012

18:27 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ein Gespenst geht um in Deutschland

VonFlorian Kolf

Jetzt rechnet sogar die Bundesbank mit steigenden Inflationsraten, doch es gibt einen, den das gar nicht schreckt. Und ein Ex-Automanager sattelt aufs Fahrrad um. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Wer hat Angst vor Inflation?

Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst der Inflation. Die Erfahrungen aus den 20er-Jahren haben dafür gesorgt, dass sich kaum ein anderes Volk so vor Inflation fürchtet wie die Deutschen. Nun befeuert auch die Bundesbank diese Debatte. Die Preissteigerung in Deutschland werde zumindest mittelfristig über dem EU-Durchschnitt liegen, heißt es in der Notenbank. Grund zur Angst aber ist das noch lange nicht. Denn Gefahr droht nur von Inflationsraten, die dauerhaft über dem Niveau von drei Prozent liegen. Und das ist kaum zu erwarten.

Wolfgang im Glück

Einer, dem etwas mehr Inflation nicht ganz ungelegen käme, ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Zum einen senkt eine höhere Inflation tendeziell die Staatsschuld. Zum anderen erhöhen steigende Preise die Steuereinnahmen, etwa über die Umsatzsteuer. Ob das in der Steuerschätzung schon eingepreist ist? Wie die Steuerschätzer heute mitteilten, können sich Bund, Länder und Kommunen bis 2016 auf 29,4 Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen einstellen als bisher geplant. Nun muss der eiserne Wolfgang wieder die Rüstung anziehen, um sich gegen die absehbaren Begehrlichkeiten seiner Kabinettskollegen zu wappnen.

Wiedeking sattelt aufs Fahrrad um
Jetzt muss sich Wendelin Wiedeking gewaltig einbremsen. Der ehemalige Porsche-Chef hat einen neuen Beratervertrag - mit der Kölner Fahrradschmiede ZEG. Er leitet künftig dort den Qualitätsbeirat, dem auch zahlreiche andere prominente Persönlichkeiten angehören, wie etwa Fußball-Kommentator Marcel Reif und Kult-Musiker Sebastian Krumbiegel. Aus finanziellen Gründen wird Wiedeking dieses Engagement nicht eingegangen sein. Man könnte es eher als Hobby sehen. Wobei man sich Wiedeking wohl eher nicht auf dem Fahrrad vorstellen kann.

Telekom greift nach Strohhalmen

Die Deutsche Telekom hat ein Demografie-Problem. Weil sie immer mehr Mitarbeiter in den Vorruhestand schickt, sank der Überschuss im ersten Quartal um die Hälfte auf 238 Millionen Euro. Noch drängender jedoch ist die Bewältigung der Krise auf dem US-Markt. Auch wenn der Umsatz in den USA jetzt wieder etwas stieg - mit eigenen Kräften kann die Telekom gegen die starke Konkurrenz in dieser Region nicht bestehen. Deshalb greift sie nach jedem Strohhalm und verhandelt jetzt angeblich mit dem fünftgrößten US-Mobilfunkanbieter MetroPCS. Doch das hätte auch eher das Zeug zur Notgemeinschaft und nicht zur Traumhochzeit.

Was fehlt? Wie jetzt bekannt wurde hat die bayerische Polizei in ihrer verzweifelten Suche nach den Tätern in der Mordserie an ausländischen Kleinunternehmern für sechs Monate einen eigenen Döner-Imbiss in Nürnberg eingerichtet. Mit Currywurst gegen Neonazis - das hat in der Rückschau schon absurde Züge.

Ich wünsche Ihnen einen anregenden Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (3)

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Souveraen

10.05.2012, 21:10 Uhr

Die einstigen Währungshüter der DM müssen ja einen Anfall bekommen wenn sie sehen, wie die Währungszerstörer in diesem verdammten Euroland das Kommando an sich gerissen haben. Und dann noch diese Ungeheuerlichkeit, D soll seine Wettbewerbsfähigkeit mutwillig schwächen, damit die Lotterländer besser aussehen, in was für einer Scheiss-Zeit sind wir eigentlich gelandet?

Account gelöscht!

10.05.2012, 22:33 Uhr

Das ist Internationalsozialismus auf niedrigstem Niveau! Am Ende sind wir alle gleich – nämlich gleich arm! All das hat Altbundeskanzler Helmut Kohl – alias Hennoch Cohn – bewußt inkauf genommen, als er auf die DM ohne Volksabstimmung verzichtete. Dass er es wegen der Wiedvereinigung zwingend tun mußte, ist eine reine Schutzbehauptung, denn die Wiedervereinigung wäre sowieso gekommen.

Wogel

10.05.2012, 23:11 Uhr

Die Deutschen sind wahnsinnig was ihre Angst vor Inflation betrifft.
Wenn die PIIGS-Länder im Vergleich zu Deutschland zu teuer sind gibt es zwei Möglichkeiten dies wieder auszugleichen. Die Deutschen müssen teurer werden und/oder die PIIGS-Länder billiger. Beides führt aber dazu, dass die Inflation in Deutschland höher sein muss als im europäischen Durchschnitt. Jeder der ein Problem damit hat will die Krise nur verschlimmern. Welche der beiden Möglichkeiten gewählt wird ist jetzt Ansichtssache. Hier wird immer so getan, als ob die anderen durch Lohnkürzungen etc. billiger werden müssen um die Kaufkraft des deutschen Sparers zu erhalten. Die Situation für den portugiesischen Immobilienbesitzer der seine feste Kreditrate nicht mehr zahlen kann wenn sein Lohn gekürzt wird, damit billiger produziert werden kann ist egal. Ist der Vertrauensschutz auf den Geldwert wirklich mehr wert als der Vertrauensschutz, dass Einkommen nicht sinken?
Abgesehen davon ist es lächerlich immer so zu tun als ob sich die Deutschen an 1920 erinnern. Gleichzeitig wird immer so getan, als ob die DM wertstabil gewesen wäre und 4 % Inflation eine Katastrophe. Dabei gab es in den 70ern Inflationsraten von fast 10%.

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