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17.04.2012

18:21 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ein neuer Fußball-Gott

VonOliver Stock

Der Kampf um die Bundesligarechte hinterlässt Blessuren bei den Verlierern. Hedge Fonds-Manager greifen auch mal daneben. Das Betreuungsgeld wird zum Bonus - der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Murdochs Launen

… und der Gewinner heißt Sky, schreibt unser Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar über die Entscheidung der deutschen Fußball-Liga, dem Bezahlsender alle Rechte für die Übertragung der Bundesliga-Spiel zu verkaufen. Der Verlierer ist die Telekom, sie hat hoch gepokert und letztlich doch verloren. Nun ist sie aus der Liga gestolpert. Mit Siegern und Verlierern ist das aber so eine Sache, wissen wir eben auch aus der Liga. Das Glück wendet sich nicht in Zeitlupe. Sondern Ruckzuck drehen sich die Verhältnisse. Bleiben wir deswegen bei denen, die scheinbar gewinnen - die Vereine. Über sie ergießt sich ein Geldregen von 628 Millionen Euro. Dass so ein Sümmchen Abhängigkeiten schafft, freut vor allem den, von dem die Liga nun abhängig ist: Sky-Besitzer Rupert Murdoch. Seine Launen werden die Liga künftig mehr beeinflussen als die des Fußball-Gotts.

Paulsons Intuition

Der Hedge-Fonds-Manager John Paulson hat seinen Investoren mitgeteilt, dass er europäische Staatsanleihen abstößt. Paulson habe spanische Banken als besondere Sorgenkinder identifiziert und auf ihre steigende Abhängigkeit von der Europäischen Zentralbank verwiesen, sagt ein Insider. So, so. Jetzt ist diese Erkenntnis nicht eben exklusiv, sondern Paulson hat eben fleißig Handelsblatt Online gelesen. Seine Schlussfolgerung aber, die da lautet, die europäische Währung werde sich wahrscheinlich am Ende auflösen - die hat er sich selbst ausgedacht. Und damit dürfte er danebenliegen. So wie mit so vielen seiner Prognosen, die unterm Strich dazu führten, dass ein von ihm verwalteter Fond im vergangenen Jahr, als alle Welt gut verdiente, ein dickes Minus gemacht hat.

Kirchners Einfälle

Argentinien gehört zu den Guten. Uns dient das Land immer wieder als Vorbild für einen, der sich aus einer tiefen Schuldenkrise wieder empor gerappelt hat. Und nun das: Die Präsidentin des Landes Cristina Fernandez de Kirchner will die Mehrheit an der YPF erwerben. Wer weiß, dass YPF die wichtigste Tochter des spanischen Ölkonzerns Repsol ist, ahnt, welche Verwicklungen Kirchner damit anzettelt. Energie sei lebenswichtig, begründete sie den Schritt. Die größte Erdölfirma Argentiniens verfügt über zwei Fünftel der vermuteten Ölreserven des Repsol-Konzerns und steuert rund ein Viertel des Betriebsgewinns bei. Deswegen geht dieses Ansinnen in Spanien selbst jenen Linken zu weit, die sonst staatlichen Eingriffen aufgeschlossen gegenüber stehen. Die linksliberale spanische Zeitung „El País“ schreibt etwas von „wirtschaftlicher Feindseligkeit.“ Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy berief in Madrid umgehend eine Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts ein. Seine Sprecherin kündigte eine „passende Antwort“ Spaniens an. Wie könnte die aussehen? Soll Argentinien etwa verdonnert werden spanische Staatsanleihen zu kaufen?

Wenn Merkel abguckt . . .

Deutschlands Konservative brauchen keine Opposition – sie haben sich selbst. Das von der CSU geforderte und im Koalitionsvertrag vereinbarte Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, stößt nirgendwo auf größeren Widerstand als in der CDU. Angela Merkel zieht deswegen die Konsequenzen aus der geballten Kritik. Ihre Idee: Statt Eltern das Betreuungsgeld auszuzahlen, sollen sie lediglich höhere Rentenansprüche erhalten. Da hat sich die Kanzlerin endlich mal etwas aus der Wirtschaft abgeguckt: Dort werden Boni, wenn es gut läuft, auch nicht sofort, sondern mit einigen Jahren Verzögerung verteilt. Die Unternehmen wollen so überprüfen, ob der Laden auf Dauer wirklich profitiert. Übertragen auf das Betreuungsgeld hieße das: Wenn die Kinder Blödsinn machen, bevor die Alten in Rente gehen, wird es mit dem Bonus nichts.

Einen profitreichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

17.04.2012, 21:50 Uhr

Politik ist Organisation

" Seine Schlussfolgerung aber... Und damit dürfte er danebenliegen..."
Die Zeit des Strafrechts, der Strafprozessordnung, der Rechtsphilosophie und der Rechtsinformatik beginnt. Die Klage von Herrn Prof. Schünemann gegen die Bundesbank ist der Anfang. Es werden Klagen gegen Bundestagsabgeornete folgen.
Angesichts der Dimension der Risiken: Zuwachskosten und Wegfallkosten der Energiewende exakt nicht berechnet, aber circa 1 Billionen; Konkursverschleppung zu Lasten Deutschlands in der Schuldenkrise und gesellschaftspolitische rechtliche Auswirkungen in fast allen Politikbereichen; wohl verständlich

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