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06.07.2012

17:46 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ein Schlag ins Gesicht

VonFlorian Kolf

Die Gewerkschaft Verdi zeigt ein merkwürdiges Verständnis von Marktwirtschaft, Air Berlin kämpft ums Überleben und Mario Monti findet gesalzene Ausgaben. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Verdi vs. Wettbewerb

Langsam nimmt der Kampf um die verzweifelte Wiederbelebung der eigentlich schon toten Marke Schlecker absurde Züge an. Die Gewerkschaft Verdi will jetzt rund 600 Geschäfte mit Hilfe eines Genossenschaftsmodells weiterbetreiben lassen. Der Knackpunkt: Die Kommunen sollen Teilhaber werden, das Land soll bürgen. Eine so freche Aufforderung an den Staat, in einen funktionierenden Wettbewerbsmarkt einzugreifen, habe ich schon lange nicht mehr gehört. Das ist ein Schlag ins Gesicht für Unternehmen wie dm und Roßmann, die mit ihren Geschäftsmodellen zeigen, wie man erfolgreich und privat Drogerien führt.

Air Berlin im Tiefflug

Während Schlecker schon Geschichte ist, hat Air Berlin den Überlebenskampf noch vor sich - und wirklich gut sieht es dabei zur Zeit nicht aus. Ausgerechnet in einem der wichtigsten Ferienmonate, dem Juni, verzeichnet die Airline einen Rückgang der Passagierzahlen um fünf Prozent. Ein Grund für das Desaster: Die Eröffnung des wichtigen neuen Drehkreuzes in Berlin lässt auf sich warten, auch eine kurzfristige Entschädigung für die betroffenen Airlines ist nicht in Sicht. Jetzt kann wohl nur noch der Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi sicherstellen, dass Air Berlin durchhält bis die von Konzernchef Hartmut Mehdorn versprochenen Gewinne wiederkommen.

Eine bayerische Erfolgsgeschichte

Eine echte unternehmerische Erfolgsgeschichte dagegen schreibt zurzeit BMW. Die Münchener bieten eben die optimale Kombination: ein begehrtes Produkt und eine vorbildliche Markenführung. Davon kann Konkurrent Daimler noch etwas lernen, bei dem sowohl das Image als auch wichtige Modelle etwas in die Jahre gekommen sind. Das Ergebnis: Im Juni legte der Absatz bei BMW binnen Jahresfrist um vier Prozent zu, bei Daimler stagnierte er. Die einzige Gefahr: BMW hat in China im ersten Halbjahr um 30 Prozent zugelegt und wird damit von diesem Markt immer abhängiger. Und da hängt der Erfolg nicht nur von guten Produkten ab.

Gesalzene Haushaltsausgaben

Das hat doch jeder schon erlebt: Wenn man mal gründlich den Keller entrümpelt, fallen einem die verrücktesten Dinge in die Hand. So ähnlich muss sich Italiens Regierungschef Mario Monti gefühlt haben, als er sich jetzt daran gemacht hat, den Staatshaushalt zu entschlacken. So förderte beispielsweise ein Hinweis aus der Bevölkerung zu Tage, dass in einer süditalienischen Stadt bis heute Salztransporte von der Polizei begleitet werden - ein Relikt aus dem Mittelalter als Salz wertvoller als Gold war. Vielleicht sollte sich Angela Merkel auch mal in den Keller wagen.

Was fehlt? Die Einwohner von Los Angeles County dürfen am 8. November nicht nur darüber entscheiden, ob Barack Obama oder Mitt Romney künftig im Weißen Haus regieren, sondern auch, ob in der Porno-Industrie künftig Kondome Pflicht sind. Hallo, Verdi: Vielleicht bieten sich dann dort auch neue Geschäftschancen für Schlecker?

Ich wünsche Ihnen einen anregenden Feierabend und ein gutes Wochenende,

Florian Kolf

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Kommentare (1)

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Maximilian.Baehring

06.07.2012, 18:20 Uhr

http://www.welt.de/politik/deutschland/article107303669/Koelner-Beschneidungsurteil-ist-rechtskraeftig.html

Das ist was im Moment Sache ist - 1616 BGB und verbot des Religionsunterrichtes bis zum 18. lebensjahr damit die nicht mehr fürs Kirchensteuer Zwangsabo geködert werden können.

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