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27.06.2012

18:25 Uhr

Was vom Tage bleibt

Eine Frage von Leben und Tod

VonOliver Stock

Merkel will Euro-Bonds nicht erleben. Die Commerzbank reißt das Ruder um. Gribkowsky verschwindet hinter Gittern. Und Krankenhäuser lohnen sich. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Sterben wegen Euro-Bonds?

Wie sich Frau Merkel fühlt, wenn sie auf der großen Bühne die eiserne Lady gibt, möchten wir wissen - erfahren es aber nicht. Immerhin jedoch gab sie jetzt einen vielleicht erdbeergroßen Einblick in ihre Gefühlswelt. Das immerhin ist so selten, dass es notiert gehört: „Solange ich lebe“, hat sie gesagt, werde es Euro-Bonds als gemeinschaftliche Haftung für Schulden von EU-Ländern nicht geben. Ist sie wirklich so eisern, dass sie das Nur-über-meine-Leiche-Bild glaubhaft verwenden kann? Wir wissen es nicht. Wir wünschen ihr aber ein langes Leben.

Das Lehrbuch funktioniert

Euro-Bonds hin oder her - die Schuldenkrise und die Spendierhosen der Zentralbank, mit denen sie die Krise bekämpft, führen im Moment jedenfalls nicht zu dem, wovor die Deutschen solche Angst haben: zu mehr Inflation. Denn ganz lehrbuchmäßig lassen die Konjunktursorgen den Ölpreis sinken. Das sorgt für Entlastung im Portemonnaie der deutschen Verbraucher. Im Juni sank die Jahresteuerung auf einen Wert von 1,7 Prozent - der niedrigsten Teuerungsrate seit Dezember 2010. Eine Sorge weniger.

Bernie, der Bestecher

Gerhard Gribkowsky, ehemaliges Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank und Formel-1-Banker muss achteinhalb Jahre hinter Schloss und Riegel. Er habe beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB von Rennserien-Chef Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar Schmiergeld kassiert und nicht versteuert, urteilten heute seine Richter. Bleiben drei Fragen: Wie lässt sich Schmiergeld in Deutschland offiziell versteuern? Was bleibt Gribkowsky, wenn er wieder rauskommt? Und wie lange wollen eigentlich börsennotierte Formel-1-Teilnehmer wie Mercedes und Co. die Compliance schädigende Zusammenarbeit mit Bernie dem Bestecher fortsetzen?

Dringend gesucht: eine Strategie

Die teilstaatliche Commerzbank verabschiedet sich aus der Finanzierung gewerblicher Immobilien und Schiffe. Dieser Schritt ist radikal. Es ist so, als würde Thyssen keine Aufzüge oder Mercedes keine Lastwagen mehr herstellen. Die Not muss groß sein im Hause von Commerzbank-Chef Martin Blessing, der keinen Cent Eigenkapital entbehren kann. Mich irritiert die Unstetigkeit der Commerzbank-Truppe: Sie will Mittelstandsbank sein und schmeißt die Reeder raus. Sie kündigte der Immobilientochter Eurohypo eine Zukunft an, die sie ein paar Tage später wieder durchkreuzt. Eine verlässlich Strategie sieht anders aus. Ein Unternehmen, das Aktionäre anzieht, auch.

Quicklebendige Gesundheitsbranche

Der Mensch wird geboren, geht zur Schule, macht seine Arbeit, pflanzt sich fort und stirbt. Die Geburt, das Ergebnis der Fortpflanzung, das Sterben und der möglichst lange Weg bis dahin - bei all dem helfen Unternehmen, die sich Gesundheitskonzerne nennen. Ein boomender Markt also. Deswegen ist in die milliardenschwere Übernahme von Rhön-Klinikum durch den Gesundheitskonzern Fresenius heute Leben gekommen: Konkurrent Asklepios kaufte sich kurz vor Ablauf der Übernahmefrist überraschend mit gut fünf Prozent bei Rhön ein und macht Fresenius damit einen Strich durch die Rechnung.

Bleiben Sie gesund

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

27.06.2012, 18:49 Uhr

Merkel hat schon so oft nachgegeben, dass diesmal wohl eine klare "rote Linie" nötig war. Offenbar sind gerade die angelsächsisch dominierten Finanzmärkte der Meinung, man könne die Kosten der Krise weitgehend den deutschen Steuerzahlern aufbürden. Solange dieser Eindruck besteht und international gepflegt wird, wird es keine ernsthaften Reformen in Spanien und Italien geben. Deswegen sollte die deutsche Politik - vielleicht nicht Kabinettsmitglieder, aber führende Köpfe der Koalitionsfraktionen - endlich deutlich machen, dass ein Euro-Austritt, so kostspielig er wäre, immer noch besser wäre als eine grenzenlose Plünderung der deutschen Steuerzahler und/oder Sparer.

Account gelöscht!

27.06.2012, 19:14 Uhr

"Wie lässt sich Schmiergeld in Deutschland offiziell versteuern? "

Schmiergeld ist so ein hässliches Wort. Nennen wir es doch einfach Aufwandsentschädigung!

Haben Sie sich jemals gefragt, warum fast jeder mit mehr als 6000 EUR Einkommen mtl. in einem Verein oder Aufsichtsrat sitzt? Meinen Sie wegen dem zusätzlichen Nebenverdienst oder Spass an der Sache?

Nein, der Grund liegt in unserem Steuersystem - es zwingt die Menschen gerade zu Schmiergeld - oops, ich meine natürlich Aufwandsentschädigungen legal zu nutzen.

Im Verein läuft es so:
Sie werden Mitglied mit besonderen Aufgaben und spenden ihrem Verein aus reiner Großzügigkeit regelmäßig ein paar tausend Euro. Diese können Sie natürlich steuerlich absetzen. Jetzt werden Sie für den Verein tätig, z.B. unternehmen Sie eine Reise im Interesse des Vereins und bekommen diese Kosten natürlich vom Verein ersetzt - zufällig entsprechen diese Kosten in etwa Ihrer Spende. Na, da haben doch alle gewonnen ^^

Im Aufsichtsrat ist es etwas komplizierter. Als kompetenter Experte aus der Politik ist Sachverstand natürlich gefragt. Ihre ein ständige Beratung wird Leistungsgerecht mit 30000 EUR Honorar bezahlt. Diese sollten sie natürlich versteuern....oder großzügig wie sie sind - an eine allgemeinnützige Institution oder Verein spenden. Den Rest brauche ich Ihnen wohl nicht mehr erklären.

Dies lässt sich natürlich automatisieren - aber Vorsicht! Den Spenden muss immer eine entsprechende Aufwandsentschädigung entgegen stehen, sonst heißt es ganz schnell Steuerhinterziehung oder Schmiergeldaffaire, falls der Verein den Ausgleich schon überwiesen hat, bevor die Kosten entstanden sind.

Jetzt wissen Sie warum sich so viele Menschen mit gutem Einkommen zum Wohle der Allgemeinheit vorbildlich, gleich in mehreren gemeinnützigen Vereinen angaschieren.





hg67

27.06.2012, 19:22 Uhr

Ich weiß nicht, ob Frau Merkel "in meinem Leben" nicht durchhält oder nicht, was ich aber sicher weiß, ist die Tatsache, das wir in D sicherlich nicht eine Inflation von 1,7% haben..das erinnert mich irgendwie an die DDR.

Liebe Journalisten: stellt doch mal die eine 1-4köpfige "familie" auf den wirklichen benötigten Warenkorb zusammen..

Anbei nur ein BSP vom letzten Besuch im Penny Markt: Philadelpia von 1,89 auf 2,09..eine Spüli mit Packungsvergrößerung um 35% angehoben..man schau sich die Urlaubpreise & Flugpreis mal an..Strompreise..dei Bahn erhöhte die Preise im DEZ 2011 um 3,9%..

Liebes HB..bitte recherchieren Sie mal in diese Richtung..

PS: Strompreis von 2000 bis 2012 von 9,7c/kWh auf 22c/kWh erhöht..mit 2% wohl kaum möglich

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