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19.04.2013

18:53 Uhr

Was vom Tage bleibt

Eine Stadt sucht einen Mörder

VonOliver Stock

In Boston beteiligt sich eine ganze Stadt an der Terroristenfahndung. In NRW übernehmen Ordnungsämter die Geldwäschebekämpfung. Und die Commerzbank-Aktie wird zur Liebhaberei. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Boston spielt Thriller

Boston ist im Ausnahmezustand: Weil ein Anschlag die Stadt erschüttert hat. Weil die Jagd nach den Terrorverdächtigen in Wildwest-Manier geführt wird. Weil deswegen Geschäfte und Schulen geschlossen bleiben, Busse und Bahnen still stehen. Und weil die halbe Stadt die Jagd im Internet verfolgt. Der Polizeifunk wird veröffentlicht, Bilder von Verdächtigen, ob nun die richtigen oder die falschen, herumgereicht. Erlebtes mit Erfundenen gemischt. Jeder darf mitspielen in dem Thriller, der da heißt: Eine Stadt sucht einen Mörder. Vollständiger als in Boston sind die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt noch nicht verwischt worden. Die Folgen allerdings werden ganz real sein, wenn zwischendurch beispielsweise mal der ein oder andere Unschuldige aus dem Verkehr gezogen wird.

Heute Leinenzwang, morgen Geldwäsche

Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland, das sich im Kampf gegen Steuersünder besonders hervorhebt. Die meisten CDs mit Daten der Besitzer Schweizer Konten hat die Landesregierung in Düsseldorf gekauft. Eben diese Landesregierung hat jetzt die Absicht, den Kampf gegen bandenmäßige Geldwäsche denen zu überlassen, die sonst den Leinenzwang und die Sauberkeit in der Gaststädte kontrollieren: den Ordnungsämtern. Einen Widerspruch sieht die Landesregierung darin nicht. Die Ämter seien durchaus dafür geeignet, teilt sie uns mit. Seien wir optimistisch und glauben es. Und sind Sie doch bitte so lieb, und leinen ihren Hund an, dann bleibt den Ordnungshütern nämlich mehr Zeit, sich um die Geldwäsche-Ganoven zu kümmern.

Commerzbank ausgebuht

Wenn man in der Messehalle in Frankfurt Buhrufe hört, dann ist dort Hauptversammlungszeit. So war es auch heute, als die Commerzbank die Halle für sich und ihre Aktionäre gemietet hatte. Die Hauptversammlung war eigens vorgezogen worden, damit die Anteilseigner über eine Kapitalerhöhung abstimmen konnten. Vorstandschef Martin Blessing will mit dem Geld weitere Milliarden der Staatshilfe zurückzahlen. Das ist an sich gut für alle – nur eben nicht für die Aktionäre der Commerzbank, deren Beteiligung im Wert sinkt. Klar: Bankaktionär zu sein ist in diesen Tagen nicht vergnügungssteuerpflichtig. Commerzbankaktionär zu sein könnte allerdings bald schon als Liebhaberei vom Finanzamt bewertet und nicht mehr steuerabzugsfähig sein.

Ballmers Bauernschläue

Microsoft und Apple - das ungleiche Paar. Der eine kann machen, was er will, er ist nie so cool wie der andere. Beim anderen kann umgekehrt schief gehen was will, es ist nie so schlimm wie beim einen. Ob das dann den Tatsachen entspricht – wen interessiert das? Beispiel gefällig? Seit Wochen reißt die Kritik am neuen Betriebssystem Windows 8 nicht ab. Der Flop ziehe Steve Ballmers ganzen Konzern in den Abgrund, unkten die, die Microsoft noch nie gemocht haben. Heute kam dann Balmer mit Zahlen und siehe: Der Gewinn ist satt gestiegen. Balmers Rezept hat er sich beim Bauern um die Ecke abgeschaut. Es heißt Vierfelderwirtschaft und läuft auf das Prinzip heraus: Irgendwas wächst immer. Du musst nur genug in den Sand gesetzt haben, dann geht eine Saat schon auf.

Irgendwas geht immer. In diesem Sinne: ein prächtiges Wochenende

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Charly

19.04.2013, 21:33 Uhr

"Eine Stadt sucht einen Mörder"

Vor ein paar Tagen ist in AmiLand eine Düngemittelfabrik explodiert mit weit mehr Toten.

Sind diejenigen die solche Fabriken direkt in Wohngebieten genehmigen nicht auch mit Mördern gleichzusetzen?
Und sind die Betreiber dieser Fabrik die die Gefahr ja kennen mussten nicht auch mit Mördern gleichzusetzen?
Und ist bei dieser Jagd in Boston derzeit nicht die Grenze zum Staatsterrorismus längst überschritten?
Soll ich Ihnen noch eine Liste anderer Beispiele nennen, auch aus Deutschland?

leser

19.04.2013, 22:10 Uhr

Boston spielt Thriller?

To Kill a Mockingbird - Harper Lee.

Die Causa bewegt zwischen wohlbekannten Grenzen: denen eines Lynchmobs und denen eines Rechtstaats.

Genau hinsehen, so schwer es auch fallen mag, bleibt hilfreich.

PaulMix

20.04.2013, 17:05 Uhr

Ja, das wäre schön !

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