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02.03.2012

17:37 Uhr

Was vom Tage bleibt

Elefanten im Porzellan-Laden

VonFlorian Kolf

Der Fiskalpakt soll die fragile Situation Europas stabilisieren, doch Spanien zeigt, wie schwer das ist. Und auch Ferdinand Piëch lernt, dass Porzellan schnell zerschlagen und oft nicht zu kitten ist. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Ein zerbrechliches Rettungspaket

wenn auf einem Paket "Fragil" steht, dann sollte man es nur sehr vorsichtig anfassen. Die EU-Regierungschef haben heute ein solches Paket geschnürt, den EU-Fiskalpakt, und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihm gleich den Stempel verpasst: "Damit ist die Krise jedoch nicht überwunden. Wir sind nach wie vor in einer fragilen Situation", warnte sie. Die Erkenntnis kommt spät. Jahrelang haben sich doch gerade die Politiker aller Länder wie der Elefant im Porzellanladen aufgeführt. Und nicht alles lässt sich wieder kitten.

Ein weiter Weg zur Stabilität

Wie fragil die Situation in der Tat noch ist, hat heute Spanien gezeigt. Erst verkündete das Arbeitsministerium in Madrid, dass Ende Februar 4,7 Millionen Menschen ohne Arbeit registriert waren. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen nach der aktuellen Methode im Jahr 1996. Dann musste Regierungschef Mariano Rajoy einräumen, dass sein Sparplan noch nicht greift. Das Haushaltsdefizit solle nun lediglich auf 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts abgebaut werden und nicht wie mit der EU zunächst vereinbart auf 4,4 Prozent. Offenbar ist es noch ein weiter Weg bis in Europa wieder Stabilität einzieht.

Ein Provinzpolitiker im Blindflug

Wie ein Elefant im Porzellanladen hat sich auch Peter Hintze, Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, mal wieder aufgeführt. Ohne Rücksicht auf Verluste will er den nationalen Proporz beim deutsch-französischen Luft- und Raumfahrthersteller EADS erhalten und hat den künftigen deutschen EADS-Chef Tom Enders mit einem Brandbrief unter Druck gesetzt. Denn der hat beschlossen, die zersplitterte Verwaltung in Toulouse zu konzentrieren um das Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Aber das interessiert einen guten deutschen Provinzpolitiker natürlich nicht. Hauptsache, die nationalen Interessen sind gewahrt - selbst wenn der Konzern dadurch Verluste macht.

Eine Ikone bekommt Kratzer

Ferdinand Piëch ist jahrelang sehr geschickt vorgegangen und hat unbeirrt seine Macht bei VW und dann auch bei Porsche. Den Unternehmen hat das nicht geschadet - ganz im Gegenteil. Doch jetzt hat er offenbar auch Porzellan zerschlagen. Eine unbedachte Äußerung zu den Optionsgeschäften mit VW-Aktien hat ein Gericht dem Porsche-Aufsichtsratschef als Pflichtverletzung ausgelegt. Nun prüfen erste Anwälte Klagen. Möglicherweise kann der Autobauer sogar gezwungen werden gegen Piëch zu klagen. Eine Ikone bekommt Kratzer.

Was fehlt? US-Skandalschauspieler Charlie Sheen hätte dem Fiat 500 ein neues Image verpassen sollen: Weg von der Knutschkugel, hin zum Kraftpaket. Doch der Spot mit dem Bad Boy war Fiat zu heiß, um ausgestrahlt zu werden. Eigentlich schade, denn er ist wirklich exzellent gedreht - und spielt sehr witzig mit Sheens Rüpel-Image.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende,

Florian Kolf

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